Roland Emmerich Krieger, Monster, Aliens


Aufwendige Action-Filme haben Roland Emmerich zum Star gemacht. Er schätze das "Sommer-Popcorn-Kino" eben mehr als die "Winter-Oscar-Filme".

Er schätze das "Sommer-Popcorn-Kino" mehr als die "Winter-Oscar-Filme", verriet Roland Emmerich vor über zehn Jahren einmal in einem Interview. Mit solchen Sätzen kann man beim Feuilleton schwerlich punkten, aber das war auch nie die Absicht des am 10. November 1955 in Stuttgart geborenen Unternehmersohnes. Als er Ende der Siebziger nach Werbeagentur und Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film zu studieren begann, störte ihn dort vor allem der publikumsferne Stil seiner Kommilitonen. Er wollte lieber Kino machen, das sich an den Wünschen junger Zuschauer orientierte.

Folgerichtig absolvierte er 1983 seine Abschlussprüfung mit der Science-Fiction-Story einer Raumstation, von der aus Wettermanipulationen für militärische Zwecke begangen werden. "Das Arche Noah Prinzip" wurde mit 200 000 Zuschauern ein Achtungserfolg in Deutschland und sah 30-mal teurer aus, als er wirklich war: knapp eine Million Mark.

"Banale Geschichten hinter einer Flut von Tricks"

Schon dieser Erstling hatte alle Stärken und Schwächen von Emmerichs späteren Filmen, wie das arrivierte Film-Lexikon CineGraph analysiert: einerseits eine beeindruckende visuelle Gestaltung trotz bescheidenen Budgets, andererseits "banale Geschichten, die hinter einer Flut von Tricks und Zitaten verschwinden".

Ersteres aber machte ihn für Hollywood interessant. Nach drei weiteren Filmen ging er 1990 in die USA und inszenierte für relativ wenig Geld zwei internationale Hits: das beinharte Action-Machwerk "Universal Soldier" (1992) und "Stargate", Thema: Aliens besuchen das alte Ägypten. 1996 gelang ihm mit "Independence Day" dann sein bislang größter Wurf. Das Opus - Außerirdische überfallen die Erde und schlagen ziemlich viel kurz und klein - spielte weltweit über 800 Millionen Dollar ein. Es folgten, mit deutlich schlechteren Ergebnissen, das Remake des japanischen Monster-Klassikers "Godzilla" und das Bürgerkriegs-Drama "Der Patriot" mit Mel Gibson.

"Los Angeles ist die traurigste Stadt der Welt

"The Day After Tomorrow" ist womöglich Emmerichs letzter Film als Wahl-Amerikaner. Trotz seiner Erfolge hat er sich in Hollywood nie zu Hause gefühlt. "Das ist hier alles so oberfächlich und unverbindlich", sagt er und plant bereits den Abflug nach London, wo er sich ein Apartment kaufen will. "Los Angeles ist die traurigste Stadt der Welt. Die Hauptstadt der Langeweile und Einsamkeit."

Bernd Teichmann print

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