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Sci-Fi-Abenteuer "Super 8" Es führt kein Weg zurück


"Super 8" ist ein schizophrener Film: Zum einen versorgt er uns mit süßer Nostalgie, zum anderen reißt er uns zurück in die schnöde Gegenwart. Das macht diese "E.T"-Geschichte ziemlich anstrengend.
Von Sophie Albers

Als Kind der 80er kann man es sich in "Super 8" zu Anfang richtig gemütlich machen: Die Kleinstadt, die Kinder, das Licht, das große Geheimnis sind so vertraut, dass sie von einer heilen Welt träumen lassen, die man einmal zu kennen glaubte, als man einfach noch nicht genug über diese Welt wusste.

Regisseur J.J. Abrams, dem wir auch die Kultserie "Lost" und den Weiterdreh von "Star Trek" zu verdanken haben, ist eine perfekte Zeitreise gelungen - in den Filmstil des jungen Steven Spielberg. Plötzlich fühlt man sich wie damals, kurz vor der Pubertät, als mit "E.T. - Der Außerirdische" (1982) das Alien-Genre neu erfunden wurde. Als aus dem exterrestrischen Monster ein kleiner Freund wurde, der einen besser versteht als die Erwachsenen, und der eigentlich nur "nach Hause telefonieren" will, weil seine Kollegen ohne ihn zum drei Millionen Lichtjahre entfernten Heimatplaneten zurückgeflogen sind.

Zombies statt Aliens

Der zurückhaltende Joe (Joel Courtney) ist ein bisschen älter als der kleine Elliott, der einst mit E.T. Freundschaft schloss. Joes bester Freund Charles (Riley Griffiths) erfüllt nicht nur das Kinderfilmklischee des dicken Jungen, er hält sich außerdem für einen begnadeten Regisseur und hat seine Kumpels dazu verdonnert, ihm zu helfen, einen Zombiefilm zu drehen. Das tun sie auch - mehr oder weniger begeistert.

Eines Nachts schleichen sie zum winzigen Kleinstadtbahnhof, um eine Szene zu drehen. Und gerade als Alice (Elle Fanning) die Jungs, und vor allem Joe, mit einer beeindruckend emotionalen Darstellung sprachlos macht, rast ein Zug in einen Kleinlaster, der sich auf den Gleisen quergestellt hat. Das ist das erste Mal, dass der Film seine gute alte Story verlässt.

Die folgenden (gefühlten 20) Minuten sind ein Spezialeffekte-Spektakel erster Güte: Zugteile fliegen durch die Luft wie Frisbees, Metall biegt sich, bis es bricht, die Kinder hasten durch ein Feuerinferno, das eher an "Battle Los Angeles" denn an "Die Goonies" erinnert. Aufwachen, wir haben ja auch 2011, du Dummerle, schreit es von der Leinwand: 9/11, Finanzkrise, Klimakatastrophe. Da hilft es auch nicht, dass die Zugtrümmer den Kindern ganz Old School kein Haar gekrümmt haben.

E.T.s schlecht gelaunter Bruder

Zeit, sich so richtig darüber zu beruhigen, dass der süße Vogel Jugend auch im Kino für immer ausgeflogen scheint, bekommt der Zuschauer nicht. Zwar dauert es Tage, den Film der Super-8-Kamera zu entwickeln, die während des Unglücks weiterlief. Und Joes Heimatstadt wird auch in altbewährt warmen Bildern vom Militär besetzt, das nach dem Alien sucht, das aus dem verunglückten Zug ausgebrochen ist. Doch schließlich gibt es das Ding auch noch zu sehen - und es ist so nah dran an den "Predator"-"Alien"-"District 9"-Vorgängern, dass man es für keine gute Idee hält, diesen Besucher nach Hause telefonieren zu lassen.

Natürlich geht es schlussendlich darum, den Außerirdischen nicht nach seinen Fangzähnen zu beurteilen, doch da ist der nostalgische Zauber bereits gebrochen.

Wenn "Super 8" nach 112 Minuten endet, fühlt man sich ertappt: Denn eigentlich hatte man ja gehofft, dass alles wieder so wird wie früher. Das ist auch ungefähr der Augenblick, in dem man begreift, dass man für diesen Film vielleicht einfach schon zu viel gesehen hat.


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