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Diversität in den Medien Studie: "Diskriminierung durchzieht die deutsche Filmbranche"

Filmdreh
Das Bündnis "Vielfalt im Film" fordert eine diversere und inklusivere Filmlandschaft
© Batuhan Toker / Getty Images
Wie divers ist der deutsche Film? Die Studie "Vielfalt im Film" ist dieser Frage nachgegangen – und zieht eine ernüchternde Bilanz. Die Erfahrungsberichte reichen von sexueller Belästigung über rassistische Klischees bis hin zu Homophobie.

Die Filmwelt muss deutlich mehr gegen Diskriminierung tun. Zu dem Schluss kommen die Initiatoren der Studie "Vielfalt im Film". Verschiedene Verbände und Initativen, darunter ProQuote Film und die Filmuniversität Babelsberg, hatten über 5000 Mitglieder des Branchenportals Crew United befragt. Die Ergebnisse sind nach Angaben des Forschungsteams nicht repräsentativ für alle Filmschaffenden in Deutschland, sollen aber Hinweise auf bestehende Diskriminierungen liefern.

Diskriminierung als strukturelles Problem

In der Befragung gaben Hunderte Menschen an, beispielsweise Sexismus oder Rassismus erlebt zu haben. Die Film- und Fernsehbranche sei von "struktureller Diskriminierung vor und hinter der Kamera durchzogen", teilte Schauspielerin Sara Fazilat vom Bündnis Pro Quote Film mit. Von rund 3200 Befragten, die dazu Angaben gemacht hätten, habe die Hälfte angegeben, in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung im Arbeitskontext erlebt zu haben. Zum Beispiel wegen des Geschlechts, des Alters oder des Körpergewichts. Auch rassistische Zuschreibungen fielen darunter.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Die Umfrage warf auch einen Blick auf sexuelle Belästigung. Viele Frauen würden etwa unangemessene, sexualisierte Kommentare erleben oder bedrängt. Von rund 2600 Frauen, die dazu Angaben gemacht hätten, hätten etwa 80 Prozent angegeben, in den letzten zwei Jahren mehrfach sexuelle Belästigung im Arbeitskontext erlebt zu haben.

Auch bei den Inhalten sieht das Bündnis Nachholbedarf. So werde etwa die Darstellung von arabischen Menschen oft als klischeehaft empfunden. Frauen mit asiatischen Wurzeln würden beispielsweise oft übersexualisiert dargestellt, kritisierte die Schauspielerin und Agentin Chun Mei Tan.

Filmbranche und Politik in der Pflicht

Skadi Loist von der Filmuniversität Babelsberg sieht die Politik und die Filmbranche selbst in der Pflicht. Eine Option sei, mit Quoten zu operieren. Da seien die Förderinstitutionen gefragt. Manche hätten schon Diversity-Checklisten in Arbeit. Die Produktionsfirma UFA habe beispielsweise eine eigene Selbstverpflichtung ausgerufen. Auch innerhalb von Fernsehsendern müsse etwas getan werden.

ali DPA

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