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Theaterfabrik Hamburg: Harte Bretter statt roter Teppich

Theater ist ein Knochenjob. Dennoch wollen gut bezahlte Filmstars immer wieder ihr Talent auf den Brettern beweisen. Nach Julia Roberts am Broadway, lockt neuerdings auch ein Hamburger Theater mit Filmstars.

Statt ein Schwert zu schwingen, hält sich Heldenspieler Benno Fürmann ("Die Nibelungen", "Sturmflut") am Brillenbügel fest, kaut am Bleistift und kritzelt in einen Notizblock. Auch als intellektueller Hasenfuß weiß der TV-Liebling die Zuschauer für sich einzunehmen. Bei der Eröffnung der neuen Theaterfabrik in Hamburg mit der Premiere der Bühnenfassung von Lars von Triers Film "Dogville" erntete Fürmann begeisterten Schlussbeifall.

Tom, der Dorfphilosoph und Möchtegern-Schriftsteller in Dogville, ist ein verkappter Moralist und probiert mit Hinterwäldlern ein moralisches Experiment: Sie nehmen eine Frau aus der Stadt auf. Die schöne, zerbrechliche Grace (Judith Rosmair) ist auf der Flucht und findet Schutz in der Gemeinschaft. Doch bald verkehrt sich die Hilfsbereitschaft in Ausbeutung: Grace muss für alle schuften und wird zum missbrauchten Lustobjekt der Männer. Auch Beschützer Tom verrät sie.

Parabel über Unrecht, Vergebung und Rache

Macht macht aus Menschen gierige Hunde, lautet Lars von Triers Botschaft. Seinen Film (mit Nicole Kidman als Grace) hat Nils Daniel Finckh auf die Bühne der ehemaligen Lagerhalle im Stadtteil Barmbek gebracht. Der Film war ungewöhnlich: Mit der Handkamera aufgenommen, wirkte er mehr wie eine Theaterinszenierung. Für die Theaterbühne hat Finckh nun die Parabel über Unrecht, Vergebung und Rache ziemlich brav dem Film-Drehbuch nachbuchstabiert. Auch auf seiner leeren Bühne in der Black Box gibt es nur ein paar Stühle und Kisten, ein paar Flaschen, Tonfiguren und viele rotbackige Äpfel - Symbol des Sündenfalls.

Die von Finckh und der Filmschauspielerin Nina Petri gegründete Theaterfabrik soll, wie beide betonen, Menschen die Schwellenangst nehmen und sie für das Theater gewinnen: mit Live-Auftritten von TV- und Film-Stars. Vorerst finanziert sich die Theaterfabrik nur über die Einnahmen an der Kasse. "Wir fahren volles Risiko", gibt Petri zu. "Und wir sind auf die Hilfe großzügiger Freunde und Mäzene angewiesen, die unsere Art, Theater zu machen, unterstützen wollen." Das könnte funktionieren: Finckh macht keine verstörenden Experimente, eher solides Schauspielertheater.

"Unsere Vision von Theater"

"Wir wollen unsere Vision von Theater verwirklichen", erklärt Petri. Der Inszenierung am Eröffnungsabend indessen gelang es nicht, die Spannung nach der Pause ansteigen zu lassen. Doch Judith Rosmair, Protagonistin am Thalia-Theater, hielt intensiv und souverän die Aufführung zusammen und konnte sich im Gegensatz zu Fürmann auch stimmlich in der akustisch schwierigen Halle durchsetzen.

Pläne mit einem weiteren Filmschauspieler hat Finckh schon: Er möchte die am Deutschen Schauspielhaus bereits aufgeführten Produktionen "Trainspotting" und "Romeo und Julia" wieder aufnehmen - beide mit Robert Stadlober ("Crazy"). Und Petri will im Herbst ihr Solo "Looking For Someone" präsentieren.

Ekkehard Rossmann/DPA / DPA
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