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"Warum Männer nicht zuhören...": Doris Day trifft Oswalt Kolle

Mann will Sex, Frau will reden. Das war schon bei den Neandertalern so, das ist auch noch heute so. Behauptet zumindest Leander Haußmann in seiner Verfilmung von "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken". Sein Versuch witzig zu sein, versinkt aber leider im Klischee.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Jessica Schwarz ist eine attraktive Schauspielerin, keine Frage. Aber selbst sie sieht in dem mit Pelz besetzten Neandertaler-Kostüm, in das sie Regisseur Leander Haußmann gesteckt hat, nicht gerade vorteilhaft aus. Passend dazu trägt sie die Haare in der Art von Tina Turner und ein braun gefärbtes XXL-Gebiss. Schauspieler Benno Fürmann bekommt dasselbe alberne Outfit verpasst, muss aber noch wie ein Orang-Utan durch Pappmaché-Kulissen springen und einen Blick aufsetzen, als könne er nicht bis drei zählen. ( Das dafür angeeignete sprachliche Primitivniveau gefiel ihm übrigens so gut, dass er es auch anwendete, wenn die Kamera nicht lief. Beispielsweise ließ er das Team wissen: "Benno muss kaka.") Tarzan lässt grüßen.

Das Ganze soll wohl komisch sein, aber es ist nicht mehr als ein kläglicher Versuch. Ebenso gut hätte man einen versnobten Spaziergänger zeigen können, der auf einer Bananenschale ausrutscht. So platt wie der Humor, so platt ist auch die Buchvorlage von Barbara und Allan Pease zu dem gleichnamigen Film "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken". Daraus lässt sich eben kein Oscar-verdächtiger Streifen stricken. Das Garn reicht nicht einmal für solide Unterhaltung. Der Grund: Kalter Kaffee schmeckt eben nicht.

"Socken & Co. - Schick und schnell gestrickt" harrt noch im Regal

Der Kaffee ist, noch mal nachgeschmeckt, sogar eiskalt. Männer-Frauen-Klischees, um die es sich im Film dreht, taugen höchstens noch als pseudo-originelles Party-Smalltalkthema, wenn man sich sonst nicht viel zu sagen oder beim Flirten keine besseren Argumente hat. Nichts schafft zwischen zwei Lachs-Kanapees so viel Verbindung wie das gemeinschaftliche Abnicken von geschlechtsspezifischen Plattitüden. Im Zweifelsfall beruft man sich auf die australischen Ex-Versicherungsvertreter Barbara und Allan Pease, deren Bestseller (fünf Millionen Bücher allein in Deutschland) irrtümlicherweise gerne mit einer wissenschaftlichen Abhandlung über das Rollenverhalten von Männer und Frauen verwechselt wird.

Dabei wollen Forscher längst herausgefunden haben: ein Mann unterscheidet sich von einem anderen Geschlechtsgenossen weitaus mehr als von einer Frau. Wie dem auch sei: Leander Haußmann hat den Beziehungsratgeber also fürs Kino entdeckt. Andererseits, es hätte schlimmer kommen können. Bücher wie "Socken & Co. - Schick und schnell gestrickt" und "Das neue Buch der Kamine und Kachelöfen" harren noch in den Regalen und warten auf ihre Verfilmung.

Unbändiger Paarungswille bei Katrin und Jan

Jessica Schwarz und Benno Fürmann entledigen sich zwischendurch ihrer zotteligen Neandertaler-Klamotten und mutieren zu sehr heutigen 08/15-Singles, zu Jan und Katrin. Doch eigentlich, so behauptet die Erzählerstimme (Leander Haußmann) im Film, hat sich das weibliche und das männliche Rollenverhalten in über 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte nicht geändert. Auf den Punkt gebracht: Männer jagen, Frauen sammeln. Oder: Mann will Sex, Frau will reden. Da sind Verständigungsschwierigkeiten natürlich programmiert. Frau hat aber zwischendurch auch das Autofahren gelernt, nur das Einparken wird, wie für Katrin, zur großen Herausforderung. Prompt rammt sie das todschicke Cabrio von Vorzeige-Macho Jan. Der hässliche Kratzer ist schnell Nebensache, denn Jan und Katrin erliegen bald ihrem unbändigem Paarungswillen.

Irgendwann ist natürlich die Schmetterlinge-im-Bauch-Phase passé und die Turteltäubchen-Idylle wird bedroht. Zum Beispiel von Jans neuer Sekretärin Angie Luschmund (Nadja Becker). Oder von Jonathan Armbruster (Uwe Ochsenknecht), ein animalischer Weltenbummler, der sich sofort in die hübsche Katrin verguckt. Ihr imponiert seine geballte Charme-Attacke sehr und seine Geschichten, etwa als er erzählt, er hätte in der Arktis einen Eisbären eigenhändig erlegt.

Der Lichtblick: Uwe Ochsenknecht

Überhaupt: Uwe Ochsenknecht. Der zieht eine Show ab, die nicht nur Katrin in Fahrt bringt - auch der Zuschauer wird sich blendend über ihn amüsieren. Ein Meister des Komischen! Mit welcher Ernsthaftigkeit er Jonathan Armbruster karikiert, ist das Sehenswerteste in diesem ansonsten belanglosen Film. Dem Humor fehlt die Entschiedenheit - es reicht nicht, witzig sein zu wollen - den Ideen mangelt es an Originalität. Wenn Katrin im naturkundlichen Museum ihrer Freundin Melanie (Annika Kuhl) demonstriert, wie Frau im Bett einen Orgasmus vorspielt, ist das nichts weiter als eine müde Kopie der legendären Szene mit Meg Ryan aus "Harry und Sally". Wenn auch mit einem anderen Dreh: Katja wird bei ihrem verbalen Orgasmustheater von ihrem eigenen Mann belauscht.

Wenn Jan nackt, nur mit einer geblümten Schürze bekleidet, vor einer 30köpfigen Motorradgang flieht, dann hat man auch das schon irgendwo so gesehen. Für diese Szene musste Benno Fürmann in Berlin aus dem Hotel Kempinski quer über die Fasanenstraße und über den Kudamm laufen - vor den Augen von 2000 Passanten, die sich versammelt hatten. "Wenn dein nackter Hintern vom Luftzug der hinter dir fahrenden Motorräder gestreift wird, dann weißt du, dass du mittendrin bist, in einer Komödie", sagt Benno Fürmann.

Leander Haußmann wollte nach "NVA" und "Herr Lehmann" endlich mal, wie er sagt, "einen Film um des reinen Vergnügens Willen drehen." Er hat seine romantische Komödie dem Stil deutscher 50er-Jahre- Komödien angelehnt und der Aufklärungsfilme der frühen 70er-Jahre. Ein bisschen Doris Day, ein bisschen Oswalt Kolle. Dazu gibt es Musik von James Last und Annett Louisan singt irgendwann: "Das mit dir und mir sieht verdammt nach Arbeit aus." Hübsche Ideen, sicher. Aber: während Katrin und Jan am Ende vom Film einen spielerischen Boxkampf austragen, ist der Zuschauer längst schon vor Langeweile k.o.

  • Sylvie-Sophie Schindler