HOME

Tykwers "Drei": Ein Film mit gewissem Rest-Optimismus

Tom Tykwers "Drei" war der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag beim Filmfestival Venedig, ging bei der Preisverleihung aber leer aus. Bei der Deutschlandpremiere in Berlin kam das Liebesdrama sehr gut an.

Nach zehn Jahren ist Tom Tykwer zu seinen filmischen Wurzeln zurückgekehrt. Erstmals hat der gebürtige Wuppertaler nach Produktionen wie "Das Parfum" und "The International" wieder in deutscher Sprache und mit ausschließlich deutschsprachigen Schauspielern gedreht. "Drei" erregte als einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag beim Filmfestival Venedig viel Aufsehen, ging am Ende aber leer aus. Bei der Deutschlandpremiere am Montagabend in Berlin war das Publikum nun überrascht und angetan von der Leichtigkeit und Verspieltheit, mit der Tykwer (45) von einer außergewöhnlichen Dreiecksbeziehung erzählt.

Nicht nur Tykwer, sondern vor allem auch seine drei wunderbaren Hauptdarsteller Sophie Rois, Devid Striesow und Sebastian Schipper erhielten viel Applaus für das Liebesdrama "Drei", das am 23. Dezember in den Kinos startet. Erzählt wird von Hanna (Rois) und Simon (Schipper), die seit 20 Jahren ein Paar sind. Beide beginnen eines Tages eine Affäre mit dem selben Mann: dem Stammzellenforscher Adam (Striesow) - und keiner weiß jeweils von der Untreue des Partners. Doch dann wird Hanna schwanger. Die Dinge überstürzen sich.

Sein Film sei ja nicht durchgehend eine "Spaßnummer", bewahre aber einen gewissen Rest-Optimismus - worüber er sehr froh sei, sagte der als "Lola rennt"-Regisseur international bekanntgewordene Tykwer bei der Premiere. Genau das ist die Stärke von "Drei". Der Film lebt von seiner gelungenen Mischung aus Tragik und Leichtigkeit, Tiefgang und Humor. Das Leben spielt den beiden Berliner Kulturschaffenden Hanna und Simon eigentlich gar nicht gut mit. Hanna hat Fehlgeburten hinter sich, Simon - der auch den Tod seiner Mutter verkraften muss - steckt nach einer Krebsoperation mitten in der Chemotherapie.

Tykwer gelingt es aber, den Alltag der Figuren so zu zeichnen, dass auch viel Platz für Komik und aberwitzige Situationen bleibt. Der Regisseur baut Traumsequenzen und eine Scherenschnitt-Szene ein. Übereinandergelegte Dialoge, gesplittete Bildausschnitte und gezielt eingesetzte Rock- und Popmusik bringen Tempo und Dynamik in die Handlung. Seinen filmischen Aufruf zum freien Denken und Handeln, zur Neugier und Offenheit gegenüber seinen eigenen Gefühlen hat Tykwer außerdem mit großartigen Schauspielern besetzt. Das Ende bleibt offen: die Geschichte von Hanna, Simon und Adam steht möglicherweise erst am Anfang.

Elke Vogel, DPA / DPA