HOME

Venedig: So viel Hollywood gab's noch nie

Schlechte Infrastruktur, veraltete Säle und jetzt auch noch Konkurrenz aus Rom - all das macht dem Filmfestival in Venedig das Leben schwer. Dabei sind dieses Jahr viele Höhepunkte zu erwarten, vor allem aus Amerikas Traumfabrik.

So viel Hollywood gab es noch nie in Venedig: Stars vom Kaliber wie Sharon Stone, Antony Hopkins oder Meryl Streep gleich reihenweise, dazu Kult-Regisseure wie David Lynch, Brian de Palma und Paul Verhoeven - das Filmfestival am Lido (30. August bis 9. September) hat diesmal keinen Aufwand gescheut. Belebt Konkurrenz eben doch das Geschäft? Nach außen geben sich die Macher am Lido optimistisch, doch hinter den Kulissen herrscht Unsicherheit - mit dem "Festa del Cinema" in Rom (13. bis 21. Oktober) droht Konkurrenz.

Kampf um den Goldenen Löwen

21 Filme plus ein "Überraschungsfilm" treten im Kampf um den Goldenen Löwen an, europäische und amerikanische Produktionen stehen im Mittelpunkt - nur ein deutscher Streifen ist wieder mal nicht dabei. Dafür tritt Edgar Reitz mit einem neuen, vierten Wurf seiner legendären TV-Serie "Heimat" wenigstens in einer Nebenreihe auf; dem Publikum ist das Hunsrückdorf Schabbach noch in bester Erinnerung.

Eröffnet wird die 63. Festivalausgabe mit "The Black Dahlia" von de Palma ("Mission Impossible") mit Scarlett Johansson und Hilary Swank. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Krimiklassiker von James Ellroy, es geht es um den (realen) Mord am Hollywood-Starlet Elizabeth Short. Mit Spannung erwartet wird auch "Basic Instinct"-Regisseur Paul Verhoeven, der "Zwartboek" (Black Book) vorstellt. Als "Weltkriegs-Thriller mit Sex-Appeal und Hochspannung" preisen die PR-Agenten den Streifen. Es gehe um ein jüdisches Mädchen aus Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg in Holland überlebt. Es handelt sich um eine niederländisch-deutsch-britische Koproduktion.

Höhepunkte auch außerhalb des Wettbewerbs

Weitere Höhepunkte im Wettbewerb: Emilio Estevez mit "Bobby", ein Film vor dem Hintergrund der Ermordung Robert Kennedys, mit Sharon Stone, Hopkins und Demi Moore. Oder etwa "Hollywoodland" von Allen Coulter mit Adrien Brody und Ben Affleck. Hinzu kommt Stephen Frears mit "The Queen", eine europäische Koproduktion mit Helen Mirren und Michael Sheen. Aus Österreich ist die junge Filmemacherin Barbara Albert mit ihrem neuen Streifen "Fallen" dabei.

Und auch außerhalb des Wettbewerbs glänzen große Namen, von Kenneth Branagh über David Lynch bis hin zu Oliver Stone, der sein Epos "World Trade Center" über die Attentate vom 11. September präsentiert. Hauptdarsteller sind Nicolas Cage und Michael Peña. Dann kommt David Frenkel mit "Devil Wears Prada", in der Meryl Streep als mächtige und mächtig unsympathische Chefin eines Mode-Journals aufspielt.

Konkurrenz aus Rom

"Ziel ist es, noch besser zu sein, als im vergangenen Jahr", sagt Festivaldirektor Marco Müller. Überraschend offen räumt er ein, dass man am Lido "die zeitliche Nähe" der Konkurrenzveranstaltung in Rom doch als misslich empfindet. Zwar ist das Programm von Rom noch ein Geheimnis, aber immerhin sickert durch, dass Superstar Nicole Kidman kommt. Sie spielt in "The Fur" von Regisseur Steven Shainberg.

Dabei sind die Probleme in Venedig sattsam bekannt: Schlechte Infrastruktur, völlig veraltete Säle - Organisatoren, Journalisten und die Leute von der Filmindustrie stöhnen darüber seit Jahren. "Im Grunde ist Venedig mit dem Festival überfordert", heißt es. Doch allein der Neubau des "Palazzo del Cinema" am Lido solle 100 Millionen Euro kosten. Dagegen hat Rom ein neues, piekfeines Auditorium von Stararchitekt Renzo Piano zu bieten, das wiederum eher unausgelastet ist. "Wenn der Staat Rom für das Festival Geld gibt, greife ich zur Pistole", droht Venedigs Bürgermeister Massimo Cacciari. Die Wellen schlagen diesmal hoch in Venedig.

Peer Meinert/DPA / DPA