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"Diana und Actaeon" in Düsseldorf: Wenn Kunst mit Pornografie flirtet

Publikumsmagnet in Düsseldorf: Das Museum Kunst Palast zeigt viel nacktes Fleisch. "Diana und Actaeon - der verbotene Blick auf die Nacktheit" heißt die Schau. Sie dokumentiert, wie die Kunst manchmal mit Pornografie flirtet.

Von Almut Kaspar

Achtung, Porno! "Bitte beachten sie", warnt die Leitung des Düsseldorfer Museums Kunst Palast, "dass einige in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke unter Umständen nicht Ihren Wertvorstellungen entsprechen sowie für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sein könnten." Oder doch Kunst?

Seit dem 25. Oktober kann sich jeder Besucher der Düsseldorfer Ausstellung "Diana und Actaeon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit" sein eigenes Urteil bilden. Und es scheint plötzlich viel mehr (Kunst-)Interessierte als sonst in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt zu ziehen, denn der Besucherstrom ist seit dem Eröffnungswochenende enorm lang.

Was gezeigt wird? Viel nacktes, pralles Fleisch. Sauber verpackt in 300 Werke von 200 namhaften Künstlern, von der Antike bis in die zeitgenössische Malerei. Die Liste der Nackt-Bildner reicht von den alten Meistern Rubens, Brueghel und Rembrandt bis zu jenen der klassischen Moderne. Aufwühlend erotische Bilder von Courbet oder Lovis Corinth, Pablo Picasso, Gustav Klimt und dem unvergleichlichen Auguste Rodin. Immer wieder greifen auch Gegenwartskünstler wie Cindy Sherman, Robert Mapplethorpe und Marlene Dumas das antike Ausgangsthema der Düsseldorfer Ausstellung in ihren Arbeiten auf.

Der Mythos vom Hirsch

Es ist der Mythos um Diana und Actaeon und dessen grausames Schicksal. Denn der lüsterne Actaeon hatte heimlich der schönen Diana beim Bade zugesehen, wurde aber dummerweise von dieser auf frischer Tat ertappt und zugleich bestraft. Mit dem Badewasser bespritzt, verwandelte sich der arme Jägersmann in einen Hirsch und wurde sogleich von seinem eigenen Rudel Hunde gerissen. Seit diesem Ereignis beschäftigt sich die Kunstgeschichte mit diesem mythischen Thema, das bis in die Gegenwart immer wieder gern als faszinierendes Bildsujet in allen nur erdenklichen Variationen aufgenommen wird.

Zum Beispiel von Michael Kirkham, der in "The Housing Estate" ein lüsternes Fräulein den Rock heben lässt, um einen Hund neugierig an seiner Scham schnüffeln zu lassen. Oder John Currin, der zwei Frauen beim neugierigen Tete-a-tete gemalt hat. Wo die Altvorderen noch verschämt nackte Nymphen pinselten, spachtelten die modernen Klassiker gespreizte Schenkel in Serie, legten die Damen flach en masse. Aber erst die zeitgenössischen Kollegen brachen Tabus, zeigten ihre Modelle beim Masturbieren oder Urinieren und entblößten sogar Greisinnen.

Es wird gattungsübergreifend masturbiert

Und somit werden auch auf der Düsseldorfer Schau viele nackte Körper epochen- und gattungsübergreifend präsentiert - und die sind bekanntermaßen ein wahrer Publikumsmagnet. Denn nichts fasziniert so sehr wie der menschliche Körper. Und es ist doch wunderbar, wenn man sich öffentlich, im Namen der Kunst, den einen oder anderen verstohlenen Blick gönnen darf, der eigenen Fantasie nachgeben kann, ohne sich dafür groß rechtfertigen zu müssen.

Verstörend und provokativ ist die Ausstellung allemal. Denn dem Voyeur in uns werden hier keine Grenzen gesetzt. Wer weiß schon, wo sie verläuft zwischen Kunst und erotischer Dekoration, zwischen artistischer Herausforderung und anmachender Geilhuberei? Gerade in der zeitgenössischen Malerei scheint der Übergang fließend in die Pornografie zu laufen. Dabei wäre gerade in der zeitgenössischen Abteilung etwas mehr Sinnlichkeit angebracht. Vielleicht sollten sich junge Maler doch hin und wieder auch mal wieder historische Vor-Bilder anschauen, um zu erkennen, wo die entscheidende Differenz zwischen unsäglicher Banalität und unübertroffener Genialität liegt. In zeitgenössischen Werken - und das macht die Düsseldorfer Ausstellung auch deutlich - wird viel zu häufig nackte Haut ohne Seele gezeigt. Und woran erkennt man wahre Kunst? An ihrer Seele!

Heilige oder Hure wäre nicht Rembrandts Sache

Der alte Rembrandt würde sich womöglich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, welche Gesellschaft ihm da in Düsseldorf zugedacht ist. Er hat sich niemals so simple Begrifflichkeiten wie "Heilige oder Hure" auf seine Kunstfahne geschrieben. Seine Frauenbildnisse sind nicht allein auf ihre sexualisierten Körper reduziert, sondern stellen menschliche Individuen dar, die auch mit unserem heutigen modernen Blick sehr wohl ernst genommen werden müssen.

Es ist ein interessanter Bogen, den die Ausstellungsmacher gespannt haben. Je weiter wir uns von der Renaissance, dem Manierismus oder dem Barock entfernen, desto niedriger wird die Hemmschwelle zu pornografischen Darstellungen. Weil sittliche Grenzen in der zeitgenössischen Kunst zu gern überschritten werden. Manchmal allein der Provokation wegen. Doch solche Bilder provozieren schon lange nicht mehr. Also: Weg damit auf den Müllhaufen der Kunstgeschichte. Es gibt genügend Foren oder schräge Galerien, in denen Maler und Fotografen ihre Obsessionen ohne Tabu ausleben und zeigen können. Irgendwo auf dieser Welt findet sich bestimmt jemand, der das noch einigermaßen kunstvoll inszenieren oder anderweitig gebrauchen kann. Doch mit Kunst haben menschenverachtende Sadomaso-Szenen eigentlich wenig zu tun - nur großen Meistern gelingt der Ritt auf der Rasierklinge, diese Gratwanderung, die ein solches Bild zum Kunstwerk werden lässt.

Publikumsattraktivität wichtiger Faktor

Die Ausstellungsmacher halten dagegen: 2Die Geschichten, die in den Werken der Alten Meister erzählt werden, sind teilweise ebenfalls zutiefst verstörend und schockierend und müssen auf die damaligen Zeitgenossen eine vergleichbare Wirkung gehabt haben wie die heutigen Tabubrecher", sagt Chefkurator Beat Wismer. Natürlich sei Publikumsattraktivität für jede Ausstellung ein wichtiger Faktor: "Dennoch waren wir uns in diesem speziellen Fall natürlich über den problematischen 'Sex sells'-Faktor bewusst und haben uns intensiv und vor allem kritisch damit auseinandergesetzt."

Trotzdem verdient es die Ausstellung – auch wegen tendenzieller Überfrachtung und der Gefahr der Beliebigkeit –, mit einem sehr kritischen und differenzierten Blick gewürdigt zu werden. Der Diskurs, ob pornografische Darstellungen in der Kunst was zu suchen haben, ist nämlich schon längst gelaufen, alle Fragen sind bereits beantwortet. Nämlich in Bildern solcher Genies wie Tizian, Rembrandt oder Marcantonio.

Der wurde übrigens wegen anstößiger Arbeiten ins Gefängnis verbannt und musste eine Serie seiner Holzschnitte vernichten. Das zumindest würde heute wohl kaum noch passieren. Und in Düsseldorf schon gar nicht.

"Diana und Actaeon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit"
25. Oktober 2008 bis 15. Februar 2009 im Museum Kunst Palast in Düsseldorf
http://www.museum-kunst-palast.de/mediabig/663A/index.html

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo