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"Blinder Galerist" Wie ein Mann mit Sehbehinderung der Berliner Kunstszene die Augen öffnet

Der ehemalige Kirchenbau St. Agnes gilt seit einigen Jahren als wichtiges Kraftzentrum der Berliner Kunstszene. Und das ist sein Verdienst: Johann König, ein Popstar unter den Berliner Galeristen.


In Königs Galerie versammeln sich die aufregendsten Künstler seiner Generation: Andreas Mühe, Jorinde Voigt, Katharina Grosse.


Keiner weiß Kunst so perfekt in Szene zu setzen, wie der 37-Jährige.


Doch der Weg an die Spitze der deutschen Kunstszene war alles andere als leicht. Im Alter von 12 ereignete sich beim Spielen mit defekten Knallkörpern ein folgenschwerer Unfall: König wurde schwer verletzt und verlor dabei sein Augenlicht.


In seinem Buch "Blinder Galerist" erzählt er nun ausführlich von dem dramatischen Unfall, der sein Leben veränderte.


Aufgewachsen ist König in einer regelrechten Dynastie an wichtigen Kunstpersönlichkeiten: Sein Vater Kaspar König, ein wichtiger Museumsdirektor und Kurator, sein Onkel Walther betreibt einen Kunstverlag und Deutschlands wichtigste Kunstbuchhandlungen, Halbbruder Leo hat eine Galerie in New York.


Bei Königs gingen Weltstars der Kunstszene wie Joseph Beuys und Gerhard Richter ein und aus. Der Fernseher stand auf einer der berühmten Brillo-Boxen von Andy Warhol.


Erst in den Blindenschulen und in dezentralen Wohngruppen findet König die Liebe zur Kunst und das Vertrauen, trotz seiner Sehbehinderung in der Kunstbranche zu arbeiten.


König hat durch eine Netzhautransplantation wieder einiges an Sehkraft zurückbekommen.


Die Einschränkung hat aber seine Herangehensweise an die Kunst beeinflusst.


Johann Königs Mission ist es, zeitgenössische Kunst so populär wie möglich zu machen. Neben dem Galeriebetrieb gibt er ein eigenes Magazin heraus und betreibt einen Souvenirshop mit Kunstwerken für Jedermann.


Ein T-Shirt mit dem Titel „EUnify“ bringt es zu internationaler Berühmtheit.


SPD-Europa-Kandidatin Katarina Barley trägt den Hoodie auf ihren Wahlplakaten, der frühere US-Botschafter Wolfgang Ischinger sogar auf der internationalen Sicherheitskonferenz in München.


Mit dem Buch "Blinder Galerist" stellt er nun einmal nicht seine Künstler in den Mittelpunkt, sondern sich selbst und seine Lebensgeschichte – als einer der vielen Punkte aus dem bunten Programm des König-Kosmos.
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Mit seinem Buch "Blinder Galerist" stellt Johann König nun einmal nicht seine Künstler in den Mittelpunkt, sondern sich selbst und seine Lebensgeschichte. In seiner Galerie in Berlin spricht er mit dem stern.
Von David Baum und Steven Montero

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