HOME

Eisskulpturen: "Ice Age 2" in Schnee gemeißelt

300 Tonnen Eis und 200 Kubimeter Schnee braucht man, um den Film "Ice Age 2" in Schnee zu meißeln. In Lübeck und in Brügge entstehen riesige Eis- und Schneeskulpturenschauen. Mit glühenden Nägeln und Strohhalmen bearbeiten Künstler den winterlichen Rohstoff.

Das Fell von Mammutdame Elli bekommt mit einem Spezialwerkzeug noch den letzten Schliff. Ihr Verehrer Manni dagegen muss noch warten. Seine Figur wird aus einem der großen Eisblöcke entstehen, die noch zur Bearbeitung durch die Eiskünstler bereit stehen. In einer Thermohalle neben der Lübecker Musik- und Kongresshalle laufen die Vorbereitungen für das vierte Skulpturen- Spektakel "Ice World" auf Hochtouren. Dabei kommen ziemlich ungewöhnliche Werkzeuge zum Einsatz. Daniel Doyle aus Irland zum Beispiel arbeitet mit einem Gasbrenner, einem glühenden Nagel und einem Strohhalm. Damit zaubert Doyle Negativbilder ins Eis.

In dicker Thermokleidung kniet Doyle vor einer Wand aus Eisblöcken. Er hält einen Nagel, der im Ende eines langen, dünnen Holzstücks steckt, in eine Gasflamme. Sobald der Nagel rot glühend ist, drückt er ihn in das Eis vor sich. Mit dem Strohhalm, den er zwischen seinen Lippen hält, saugt er das Schmelzwasser aus dem kleinen Loch, das der Nagel ins Eis gebrannt hat. Konzentriert setzt er so ein Loch neben das andere. Erst von der anderen Seite des Eisblocks ist zu erkennen, was da entsteht: das Bild eines urzeitlichen Tieres, das als Fossil im ewigen Eis ruht. "Solche Negativbilder in Eis sind absolut neu, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagt der künstlerische Leiter der "Ice World", Michel de Kok.

"Ice Age 2" ist das Thema der diesjährigen Lübecker "Ice World". Bei einer wenig anheimelnden Umgebungstemperatur von minus acht Grad verwandeln zurzeit 20 Eiskünstler das Rohmaterial, 300 Tonnen Eis und 200 Kubikmeter Schnee in die Helden des Animationsfilms, in dem die Tiere der Urzeit gegen die Folgen des Klimawandels kämpfen müssen. Für die Projektleiterin der Veranstaltung, Jana Kürbis, ist das das emotionalste Thema, das es bei einer Eis- und Schneeskulpturenschau in Lübeck bislang gegeben hat. Die 41-Jährige weiß, wovon sie spricht, sie hat alle vier Veranstaltungen seit 2003 betreut.

In der Halle herrschen minus acht Grad

Die Umsetzung macht de Kok und seinen Kollegen sichtlich Spaß. "Der Film ist auch in den Niederlanden sehr bekannt. Die Idee, Szenen aus dem Film in Eis umzusetzen hat mich sofort begeistert", sagt der 31- Jährige. Bei der Gestaltung der Figuren halten sich die Künstler eng an den Film, doch bei der Gestaltung der Szenen dürfen sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. "Bei uns kommen auch die Nebenfiguren, die im Film nur ganz kurze Auftritte haben, groß raus", verspricht er.

Erstmals werde es in diesem Jahr auch in der "Ice World" Hörführungen für Blinde und auch einen speziellen "Tag der offenen Tür" für sehbehinderte Besucher geben, kündigt Kürbis an. "Beides wird im Sommer so gut angenommen, dass wir das jetzt auch mal im Eis ausprobieren möchten", sagt sie. Die "Ice World" ist vom 8. Dezember bis zum 28. Januar 2007 geöffnet, Infos unter www.iceworld.de

Eva-Maria Mester/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel