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Promis und Pulverdampf: Premiere der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg

Die zwei wichtigsten Verbündeten hat Bad Segebergs Winnetou vor der Premiere auf seine Seite geholt: die Fußball-Nationalelf und das Wetter.

Die zwei wichtigsten Verbündeten hat Bad Segebergs Winnetou vor der Premiere auf seine Seite geholt: die Fußball-Nationalelf und das Wetter. Wäre Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Südafrika Gruppenzweiter geworden, hätte das Team sein Achtelfinale ausgerechnet parallel zur "Halbblut"-Premiere der Karl-May-Spiele bestritten - und mit Sicherheit für einige freie Plätze im Freilichttheater am Kalkberg gesorgt. "Sie müssen sich nicht entscheiden zwischen Fußball und Theater, die deutsche Mannschaft hat ihr Spiel auf morgen verlegt", sagte Geschäftsführerin Ute Thienel bei der Eröffnung am Samstagabend und war mindestens genauso erleichtert über das "prächtige Wetter". Wenige Minuten später dürfte den Veranstaltern das Herz fast stehen geblieben sein.

Eben noch war TV-Schauspielerin Eva Habermann als sexy Saloonlady Kitty LaBelle mit blonder Wallemähne und tiefem Dekolleté bei ihrem ersten Auftritt singend und tanzend durch den Sand gewirbelt, da begann die nächste Szene mit einer Panne. Eine Kutsche raste in die Arena und erreichte gerade die Bühne, als eines ihrer vier großen Räder abfiel. Herausstieg ein selbst erschrockener Old Shatterhand (gemimt vom Bad Segeberger Urgestein Joshy Peters), der die Situation aber schnell mit Bravour und Humor meisterte. "Ich glaub', ich war viel zu lange in Europa", sagte der Wild-West-Mann und wandte sich den Kutschern zu: "Ihr Jungs, kauft euch ein paar anständige Drinks." Schon folgte die Durchsage an die 7500 Zuschauer: "An dieser Stelle müssen wir die Vorstellung für einen kurzen Moment unterbrechen."

Die zwei Pferde wurden rausgeführt, die Kutsche rausgeschoben - und schon kam der große Moment jeder Aufführung: Zur berühmten Winnetou-Filmmelodie ritt Erol Sander ein. Es ist die vierte Spielzeit, in der er den Apachenhäuptling mimt. Im vergangenen Jahr knackte er mit Regisseur Donald Kraemer sogar den 18 Jahre alten Besucherrekord von Pierre Brice - mehr als 320 000 Zuschauer kamen. Auch diesmal führte Kraemer Regie - und erwies sich noch mehr als der bekannte Actionspezialist. Dynamisch, mit jeder Menge Pulverdampf und Feuer, Pistolenknall und Explosionen, Kämpfen und Stunts inszenierte er "Halbblut". Dieses Stück aus der Feder Karl Mays (1842-1912) steht in der Geschichte der Freilichtspiele - 2011 feiert das Team seine 60. Spielzeit - erst zum vierten Mal auf dem Programm.

Bis zum 5. September geht das Abenteuer 72 Mal (donnerstags bis sonntags) über die Bühne. Ein 80-köpfiges Team wirkt vor und hinter den Kulissen der 3,6 Millionen-Euro-Produktion mit, außerdem 25 Pferde, ein Nasenbär und ein Weißkopfseeadler. Neben den beiden Blutsbrüdern Winnetou und Old Shatterhand - von Sander und Peters souverän gespielt - gefielen auch die Neulinge Habermann und der langjährige "Tatort"-Schauspieler Ingo Naujoks, der den geheimnisvollen Saloonbesitzer Charles Leveret mimt. Dagegen dürfte die manchmal ein wenig müden Komik-Einlagen der Timpe-Vettern - ein Berliner ("Jestatten") und ein Schwabe ("Heilig's Blechle") - sowie eines Asiaten ("Konfuzius sagt...") eher die vielen Kinder denn die Erwachsenen im Publikum erheitert haben. Am Ende gab es minutenlangen Applaus für das Wild-West-Spektakel - ein gefeierter Start in die "fünfte Jahreszeit" Bad Segebergs.

Dorit Koch, DPA / DPA
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