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Ruhrtriennale im Kulturhauptstadt-Jahr: Die Blechtrommel als "dramatisches Oratorium"

Die Ruhrtriennale bringt mit der "Blechtrommel" von Günter Grass einen der bekanntesten deutschen Nachkriegsromane erstmals auf die Bühne.

Mit der ersten Bühnenfassung der "Blechtrommel" von Günter Grass und dem neuen Schlingensief-Stück "S.M.A.S.H." will die Ruhrtriennale im Kulturhauptstadtjahr 2010 glänzen. Ein weiterer Höhepunkt werde die Uraufführung der Oper "Gisela", die der renommierte Komponist Hans Werner Henze eigens für das Festival geschrieben hat, sagte Intendant Willy Decker am Donnerstag bei der Spielplanvorstellung in Bochum.

Das renommierte Festival in früheren Fabrikhallen des Ruhrgebiets dauert vom 20. August bis zum 10. Oktober. Rahmenthema ist die Spiritualität des Islam. Zur Eröffnung am 20. August inszeniert Decker selbst das im islamischen Kulturkreis äußerst populäre Liebesepos "Leila und Madschnun" als Musiktheaterstück. "Das Stück ist dort bekannter als "Romeo und Julia" bei uns", sagte Decker. Der Münchener Theaterschriftsteller Albert Ostermaier hat eine moderne Fassung des Stückes aus dem Persien des 12. Jahrhunderts geschrieben.

Deckers Intendanz kreist über die vollen drei Jahren um die Spannung zwischen Spiritualität und künstlerischer Produktion. Im ersten Jahr 2009 stand dabei die jüdische Sicht im Mittelpunkt, 2010 der Islam, 2011 der Buddhismus.

Eine Dramatisierung seiner 1959 erschienenen "Blechtrommel" habe Grass immer abgelehnt, sagte der Intendant. Nun habe er glücklicherweise endlich zugestimmt. Die Geschichte um den kleinen Trommler Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschließt, nicht mehr zu wachsen, kommt als "dramatisches Oratorium" in die Bochumer Jahrhunderthalle. Die Bühnenfassung hat der Intendant des Berliner Maxim Gorki-Theaters, Armin Petras, geschrieben. Die Uraufführung findet am 8. September statt.

Christoph Schlingensief, der 2008 bei der Ruhrtriennale mit seiner Inszenierung "Eine Kirche der Angst" Erfolge gefeiert hat, greift in dem neuen Stück sein reales Operndorf-Projekt in Burkina Faso auf. In seinem fiktiven Szenario wird Afrika plötzlich von Entwicklungshilfe überschwemmt. "In Hilfe ersticken", lautet der Untertitel. Schlingensiefs Operndorf, für das er im Februar dieses Jahres in der Realität den Grundstein gelegt hat, wird in der Bühnenfiktion von UNO-Truppen besetzt. Das Stück zeige die ganze Ambivalenz des Helfens und die fortbestehende Arroganz des Westens, sich als "Erste Welt" anzusehen, sagte Decker.

DPA / DPA