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Tibet-Ausstellung: Ausflug nach Shangri-La

Shangri-La steht als Synonym für den Mythos Tibet - ein Leben nahe der buddhistischen Götter in der Abgeschiedenheit eines Himalaya-Klosters. 140 einzigartige Kunstschätze aus diesen Klöstern werden erstmals in einer Ausstellung gezeigt.

Die obere Etage der Villa Hügel in Essen ist komplett in ein buddhistisches Kloster verwandelt: Das fast raumhohe Thangkha, zu deutsch "Rollbild", stammt aus dem 15. Jahrhundert, an den Wänden stehen zehn prächtige Skulpturen von Meistern der Sakya-Schule. "Die meisten der 150 Exponate waren noch niemals außerhalb von Tibet zu sehen und werden der Forschung neue Impulse geben", sagt Kuratorin Professor Jeong-hee Lee-Kalisch stolz.

Drei Jahre lang hat Lee-Kalisch mit ihrem Team Tibet bereist und in den Klöstern nach den Ausstellungsstücken Ausschau gehalten. "Dabei haben wir bewusst auf religiöse Kunstwerke verzichtet, die den alltäglichen Ritualen der Mönche dienen", sagt die Kuratorin. Vielmehr ging es ihr darum, einen umfassenden Überblick über die religiöse Kunst Zentraltibets zusammen zu stellen. "Obwohl es den Buddhisten fremd ist, diese Objekte zur Schau zu stellen, haben uns viele Klöster unterstützt", berichtet Lee-Kalisch. Eher die Mehrzahl der Klöster habe sich jedoch geweigert, ihre Schätze auf die gefährliche Fahrt nach Europa zu schicken.

Tausendarmige Buddhas und Schädel-Schalen

Die Kunstwerke, die schließlich kamen, beeindrucken selbst in der nüchternen Zurschaustellung in dezent beleuchteten Glasvitrinen: Etwa die Skulptur des tausendarmigen Avalokiteshvara, der Buddha des unermesslichen Mitgefühls, der sich nach dem Glauben der Buddhisten im Dalai Lama reinkarniert. Die etwa 80 Zentimeter hohe Skulptur trägt reichen türkisbesetzten Schmuck und Kronen auf ihren Köpfen und dazu einen Juwelengürtel. Fast unscheinbar, aber unglaublich gut erhalten ist die Buddha-Skulptur, die auf das Jahr 473 nach Christus datiert ist.

Einen Einblick in das Leben der Herrscher bietet ein Raum mit zahlreichen Exponaten aus dem Potala-Palast in Lhasa: So eine vier Meter lange Langtrompete, ein Gefäß aus einem menschlichen Schädel, Meerschneckentrompeten und das Reitzeug eines Dalai Lama aus dem 18. Jahrhundert. Abgerundet wird die Ausstellung mit einer Darstellung tibetischer Heilkunst, ebenfalls begleitet von Skulpturen der Gottheiten. Professor Paul Vogt rechnet mit einem großen Zulauf zu der Schau. "Denn solch eine Sammlung aus den Klöstern, die auf dem "Dach der Welt" in 3000 bis 5000 Meter Höhe liegen, hat es noch nicht gegeben." Nach dem Ende der Schau in Essen soll sie nach Berlin ins Museum für ostasiatische Kunst gehen.

Noch nie da gewesene Sammlung

Allerdings hätten die Chinesen es zur Auflage gemacht, dass die Schau nur rein kunsthistorisch gesehen werde und nicht politisch ausgelegt werden solle, sagte Vogt. So kann auch das im Exil lebende geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, nur als Privatperson die Ausstellung besuchen, obwohl zahlreiche Ausstellungsstücke aus seinen Residenzen stammen. Eingeladen hat ihn der Essener Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger (CDU) jedenfalls.

Noch bis zum 26. November ist die Schau "Tibet - Klöster öffnen ihre Schatzkammern" in der ehemaligen Villa der Industriellen-Familie Krupp in Essen zu sehen.

Klaus Peters/ DPA / DPA
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