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Übermaltes Fresko: Verschandelter Jesus bringt "Künstlerin" Geldsegen

Die Internetgemeinde lachte, die Stadt war sauer: 2012 versuchte eine Rentnerin, ein Fresko zu restaurieren - und scheiterte kläglich. Nun soll die Guerilla-Malerin sogar Geld bekommen.

Vor ziemlich genau einem Jahr sorgte eine 82-jährige Spanierin für eine Welle der Entrüstung - gut angereichert mit einem kollektiven Lachanfall. Die Rentnerin konnte das vor sich hin bröckelnde Jesus-Fresko in ihrer Gemeindekirche nicht mehr sehen und legte kurzerhand selbst Hand und Farbe an. Was dabei heraus kam, war leider kein zweiter Michelangelo, sondern eher das Werk einer Fünfjährigen, die im Zoo einen Affen abmalt.

Das Fresko mit dem Titel "Ecce Homo" machte im Internet als "Jesus von Borja" die Runde, die Hobby-Restauratorin bekam eine Facebook-Seite mit aktuell knapp 100.000 Fans, während die Stadtverwaltung erbost rechtliche Schritte prüfte.

Fresko avanzierte zum Touristen-Hit

Nun scheint sich das Blatt vollständig zugunsten der 82-Jährigen gedreht zu haben. Cecilia Giménez soll an dem Rummel um ihre missglückte Restaurierung mitverdienen. Einem Abkommensentwurf zufolge soll die Malerin knapp die Hälfte aller mit ihrem Wirken verbundenen Einnahmen bekommen, sagte der Vizebürgermeister der Gemeinde Borja im Nordosten Spaniens.

Das blasse Jesus-Bildnis mit Knopfaugen und einem schiefen Klecks an der Stelle des Munds hatte durch die Internetpräsenz schlagartig Touristen in die kleine Stadt gebracht. Innerhalb eines Jahres seien etwa 57.000 Menschen gekommen, um die künstlerische Katastrophe zu bestaunen, teilte die kommunale Stiftung mit, der die Kirche Santuario de Misericordia in Borja untersteht. Dort prangt das Werk an einer Säule. Die Stiftung verlangt von jedem Besucher einen Euro, um ihre Arbeit und die Instandhaltung des Bilds zu finanzieren.

Restaurierung fast unmöglich

Gimenéz soll 49 Prozent der Einnahmen bekommen, wie Vizebürgermeister Juan María Ojeda sagte. Die Rentnerin wolle sich aber nicht persönlich bereichern, stellte ihr Anwalt Antonio Val-Carreres klar. Alle Gewinne würden an wohltätige Zwecke gehen. "Es sollte klargestellt werden, dass niemand Kapital aus dieser Sache schlagen will", sagte Val-Carreres. Etliche internationale Firmen seien aber an einer Nutzung des berühmt-berüchtigten Bildnisses interessiert.

"Jeder scheint nun glücklich zu sein", sagte Giménez selbst der örtlichen Zeitung "Heraldo de Aragón". Nachfahren des Künstlers Elías García Martínez waren bislang jedoch nicht einverstanden, die verschandelte Version des "Ecce Homo" unangetastet zu belassen. Martínez hatte das Werk vor mehr als hundert Jahren an die Säule gemalt. Ojeda gab zu, dass noch Verhandlungen stattfänden, sagte aber, eine Wiederherstellung der Originalversion sei einfach unmöglich.

lin/AFP / AFP
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