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Schöne Geste 81-jähriger Kunstfan darf wegen Corona nicht mehr ins Museum – nun kommt die Kunst zu ihm

Ein älterer Mann betrachtet Bilder in einem Museum
Der Mann besuchte an jedem Tag der Woche ein anderes Kunstmuseum (Symbolbild)
© Alessandro Crinari / Picture Alliance
Täglich besuchte Ben Barcelona ein Kunstmuseum in Los Angeles, an jedem Wochentag ein anderes. Die Mitarbeiter dort sind für ihn längst wie Familie. Doch die Pandemie unterbrach diese Routine.

In Los Angeles lebt der 81-jährige Ben Barcelona, ein pensionierter Architekt. Nach dem Tod seiner Frau wohnt er mit zwei Bekannten in einer WG, besucht häufig seine Tochter – und geht jeden Tag ins Museum. Der Kunstliebhaber hat sich einen Wochenplan zurechtgelegt, an jedem Tag besucht er ein anderes Museum. Die Mitarbeiter und Wärter dort sind für ihn längst gute Bekannte.

Seit acht Jahren hat Barcelona sich täglich Kunst angeschaut. Nicht einmal einen Tag hat er wegen Krankheit aussetzen müssen, verrät er stolz. Montags beginnt er mit dem Museum on Contemporary Art (MOCA) und am Freitag beendet er die Woche mit dem Getty-Museum. Samstags schaut er sich eine Ausstellung in einer Galerie an, sonntags geht er in die Kirche – vor allem, weil das Gebäude der "Our Lady of the Angels"-Kathedrale in L.A. für ihn ein Kunstwerk für sich ist.

Der pensionierte Architekt liebt Kunst

Doch seit einer Weile hat sich der Alltag des 81-Jährigen drastisch verändert. Wegen des Coronavirus mussten die Museen in Los Angeles schließen. Die wichtigsten Programmpunkte des Tages fielen für Ben Barcelona ersatzlos weg.

Immerhin geht es ihm gesundheitlich gut. "Ich glaube, bisher habe ich dem Virus ein Schnippchen geschlagen. Vielleicht liegt das daran, dass ich jeden Tag ungefähr 17.000 Schritte laufe" sagt er der "Los Angeles Times". Denn um zumindest mal aus seiner Wohnung zu kommen, gehe er täglich spazieren. "Ungefähr sechs Meilen, durch die Nachbarschaft. Und überall entdecke ich Kunst!"

Museumsmitarbeiter schicken ihm Bücher

Die Straßen von L.A. erinnern ihn an Werke von Rauschenberg, John Cage oder Merce Cunningham. Dennoch ist sein Leben nicht dasselbe ohne den täglichen Besuch in einem Kunstmuseum. "Die Museen sind wie mein Zuhause", sagt er. "Diese Orte, sie halten mich am Leben!"

Doch nicht nur Ben Barcelona vermisste seine Kunstmuseen – auch deren Mitarbeiter dachten oft an ihren treuesten Besucher und sorgten sich um ihn. Und plötzlich hatte der 81-Jährige jede Menge Päckchen und Pakete in der Post. Das Getty-Museum schickte ihm Bücher über Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) sandte Bücher über die Künstler Yoshitomo Nara und Vera Lutter. Das Hammer-Museum über den Choreographen Cunningham.

Barcelona erwartet ungeduldig das Ende der Pandemie

Und sogar völlig Fremde wollten helfen und ließen dem 81-Jährigen Bücher über Kunst zukommen. Barcelona ist gerührt: "Sie waren alle so gut zu mir!" Die Zeit bis nach der Pandemie geht so für ihn hoffentlich etwas leichter herum. Aber sobald es möglich ist, will der pensionierte Architekt wieder persönlich in den Museen der Stadt unterwegs sein – wie gewohnt nach seinem ganz eigenen Wochenplan.

Quelle:  "Los Angeles Times"

wt

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