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Wannsee: Liebermann-Villa öffnet als Kunstmuseum

Am Berliner Wannsee entsteht derzeit ein neues Ausflugsziel für Kunstliebhaber: Die Sommervilla des Malers Max Liebermann öffnet am 30. April seine Pforten als Museum. Den Besucher erwartet dort mehr als nur Gemälde.

Auf Max Liebermanns Gartenterrasse am Wannsee wird es in wenigen Tagen wieder nach Kaffee und Kuchen duften. Nach liebevoller Restaurierung können Besucher die Sommervilla des bekannten Berliner Malers (1847-1935) vom 30. April an erstmals als Kunstmuseum neu entdecken. Mehr als 70 Jahre nach Liebermanns Tod ist sein Refugium nun in ganzer Schönheit zu besichtigen: Die Max- Liebermann-Gesellschaft stellt 40 Originale des Malers aus, ein kleines Café mit Seeblick wartet auf Gäste, der Garten lockt.

Noch riecht es in Liebermanns ehemaligem Esszimmer nach frischer Farbe. Vor der Haustür planiert ein Bagger den lehmigen Boden für die Rasensaat. Museumsleiterin Anke Stemmann muss immer wieder neugierige Besucher vom Gelände scheuchen und auf den Eröffnungstag vertrösten. "Das Telefon steht nicht mehr still", sagt sie. Berliner und Touristen können die Wiedereröffnung des Hauses offenbar kaum erwarten. Es hat sich herumgesprochen, dass am Wannsee ein Ausflugsziel für Kunstliebhaber entstanden ist, ein kleines Idyll jenseits der ausgetretenen Pfade.

Tragisches Ende

Zu verdanken ist die Rettung und Öffnung des Hauses der Max-Liebermann-Gesellschaft, die seit Mitte der 90er Jahre um die Villa gerungen hat. 970 Mitglieder gehören der Gesellschaft heute an, die drei Millionen Euro teure Sanierung stemmte sie aus Stiftungs- und Spendenmitteln. Berlin hat sich bei der Pflege des Hauses nicht mit Ruhm bekleckert. Nach dem Krieg zogen zuerst ein Krankenhaus und dann ein Tauchverein ein. Zuvor war die Geschichte von Liebermanns Sommerparadies traurig zu Ende gegangen. Nach dem Tod des jüdischen Malers im Jahr 1935 wurde seine Witwe von den Nationalsozialisten gezwungen, das Haus zu verkaufen. 1943 nahm sie sich das Leben.

Heute möchte Museumschefin Stemmann in so vielen Details wie möglich an Liebermanns Villenleben erinnern. Die sieben Linden, die er 1914 vor dem Haus pflanzen ließ, sind sorgsam beschnitten. Landschafts-Architekten lassen den Garten nach der umfangreichen Gartenbilder-Sammlung des Malers neu erblühen.

Vergessenes Wandbild entdeckt

Im Haus war die Rekonstruktion schwieriger. "Es gibt nur wenige Fotos oder Beschreibungen der Räume, und es hat sich kein Mobiliar erhalten", erläutert Stemmann. Doch sie und ihr Team haben unter dicken Farbschichten alte Holztäfelungen und Tapetenreste entdeckt. Nach diesen Vorbildern leuchtet die Tapete im Esszimmer nun grün zwischen Holzpanelen, der Kamin in der Diele kann im Winter wieder knistern. In der Loggia legten Restauratoren ein vergessenes Wandbild Liebermanns frei. Es zeigt in zarten Pastelltönen Gartenmotive.

Im Erdgeschoss können Besucher künftig viel über Liebermanns Leben erfahren. Als er 1909 in der vornehmen Villenkolonie am Wannsee sein Wassergrundstück kaufte, war er bereits ein bekannter Maler und ein gemachter Mann. Es gibt viele Belege dafür, dass Liebermann in seinem Sommerhaus glücklich war und viel malte: Die Pflanzen seines Gartens und seine Familie zählten im Alter zu seinen liebsten Motiven.

Jedes Detail mitgestaltet

Nun ist auch Liebermanns Atelier im Obergeschoss wieder zu besichtigen. An den Wänden werden bald wieder seine Ölbilder und Pastelle hängen, Leihgaben aus der Alten Nationalgalerie, aus der Hamburger Kunsthalle und auch aus Privatsammlungen. Stemmann hat im Haus jedes Detail mitgestaltet. Die 33-Jährige wohnte sogar unter dem Dach und ist noch immer Wissenschaftlerin, Koordinatorin und Sprecherin in einem. "In meinem Leben gab es seit 2003 fast nur noch Liebermann", sagt sie. "Doch es ist fantastisch, ein Museum mitzuprägen und bis zum Fenstergriff jeden Quadratzentimeter des Hauses zu kennen."

Nur Gärtnerin Reinhild Paul hat bisher Kunstfeinde in Liebermanns Reich geortet: Rüpelige Dahlemer Wildschweine machen auch vor den Blumenzwiebeln eines Museumsgartens nicht halt. "Die Biester schwimmen sogar durch den See", seufzt Stemmann. Von solchen Störenfrieden abgesehen, freut sich das Museumsteam auf die ersten Besucher. Am See stehen die Gartenmöbel schon bereit. Nur der Eintritt wird sich zur weiteren Finanzierung des Museums kräftig erhöhen: Ein Besuch bei Liebermann kostet künftig sechs Euro.

Ulrike von Leszczynski/DPA