HOME

Art Cologne: "Mit diesem Kapital gilt es zu trumpfen"

Es sind wahre Schätze der klassischen Moderne - und sie haben ihren Preis. Bei der Art Cologne 2010, die am Mittwoch eröffnet wurde, schlagen Sammler-Herzen höher.

Es sind wahre Schätze der klassischen Moderne - und sie haben ihren Preis. Bei der Art Cologne 2010, die am Mittwoch eröffnet wurde, schlagen Sammler-Herzen höher. Durch einige Galerien spaziert der Besucher wie durch eine Expressionismus-Ausstellung. Öl- Werke wie "Gelbe Sonne" von Max Ernst, Aquarelle von Max Liebermann oder "Wasserrosen" von Emil Nolde strahlen bei der ältesten Kunstmesse der Welt von den Wänden. Auch zeitgenössische Künstler von Rang und Namen und Newcomer ohne Rang und Namen sind bis Sonntag in Köln vertreten.

"Manche Sammler entscheiden sich gerade jetzt für den Kauf bedeutender und hochpreisiger Kunstwerke, es gibt seit der Finanzkrise nicht mehr so viele Alternativen zu einer sicheren Investition", meint der Inhaber einer renommierten Galerie aus Düsseldorf. "Wir haben ein stabiles Geschäft, sind nicht so marktabhängig wie die ganz junge Kunst." Um an Werke von August Macke, Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix oder George Grosz zu gelangen, müsse der Galerist über viele Jahre hinweg geduldig und weltweit auf die Suche gehen.

Knapp 200 Anbieter aus 23 Ländern sind an den Rhein gereist, auch aus Dubai, den USA, Israel oder China. Weit mehr als die Hälfte der Kunsthändler kommt allerdings aus dem Inland. Ein Viertel der wichtigsten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts stamme aus Deutschland, betont Art-Cologne-Direktor Daniel Hug zum Messestart - und meint auch Joseph Beuys, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel, die Nachkriegs-Künstlergruppe Zero oder die Jungen Wilden der 1980er Jahre. "Mit diesem Kapital gilt es zu trumpfen." Werke von Größen wie Jörg Immendorff, Neo Rauch, A.R. Penck, Nagelkunst von Günther Uecker oder Werke von Christo sind ebenfalls da.

Ob es mit dem Verkauf des teuersten Werks klappt - Edvard Munchs "Sitzende junge Frau" (1916) soll 9,5 Millionen Euro kosten - ist unklar. Es seien aber bereits erste bedeutende Arbeiten verkauft worden, verrät eine Sprecherin der Koelnmesse. Der Pop-Art-Dom von Andy Warhol - die "Cologne Cathedral" mit Diamantenstaub - gehört zu den Besucher-Magneten, auch wenn die wenigsten in der Lage sind, dafür die verlangte Millionensumme hinzublättern.

   Auch die Avantgarde hat erneut ihren Tummelplatz: Jung-Galeristen und neue, noch unbekannte Künstler zeigen ihr vielfältiges Schaffen. Ein Überblick ist schwierig. Vieles fasziniert, manches gibt Rätsel auf. Bunt-schrille Großformate sind zu sehen, bisweilen surreal wirkende Fotos und Videos, ungewöhnliche Wand-Installationen oder einfach nur bunte Flecken auf Leinwand. Wer nicht gerade Museums- Kurator, professioneller Sammler oder Auktionshaus-Vertreter ist, hat dort die besten Chancen, sich mit teils atelierfrischer Kunst einzudecken - die günstigeren Werke kosten "nur" vierstellig.

Wer das Ungewöhnliche mag, kann auch eine teilweise verkohlte Eiche, fünf Meter lang, von David Nash (1991) erwerben oder ein lustiges "Monster" aus Kunstharz und Sackleinen von Magdalena Abakanowicz. Die Käufer seien allerdings wenig experimentierfreudig in Zeiten der Wirtschaftskrise, meint der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen (BVDG). Eine Renaissance erlebe derzeit die Informel-Kunst, sagt BVDG-Chef Klaus Gerrit Friese. "Das Informel wird von Sammlern und Historikern neu entdeckt." Die europäische Bewegung entstand in der unmittelbaren Nachkriegszeit und steht für eine expressive, nicht-figurative und nicht-naturalistische Kunst.

Ein echter Hingucker ist übrigens nicht in den Kölner Messehallen zu sehen, sondern steht draußen vor der Tür: Künstler Konstantin Lange inszeniert sich selbst mit einer 6,99 Meter langen roten Krawatte, die er auf den Treppenstufen drapiert hat. Schon am Tag eins der Art Cologne gehört der schmächtige Mann zu den beliebtesten Foto-Motiven. Zum Geschäftemachen ist er nicht gekommen, aber er hat eine Botschaft mitgebracht: "Uns ist alles viel zu groß geworden."

Yuriko Wahl, DPA / DPA