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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Zwölf Gründe, warum dies definitiv das letzte Dschungelcamp ist

Am Abend startet das Dschungelcamp 2017. Autor Micky Beisenherz nennt zwölf Gründe, warum die Ekelshow in diesem Jahr zum allerletzten Mal laufen wird. Ganz sicher. Wirklich. Versprochen.

Dschungelcamp 2017

Das Dschungelcamp 2017 wird das letzte sein. Oder?

1. Formaten wie dem Paleo-Pionier verdanken wir es, dass unrasierte Mittelständler und Hipster ungehemmt über Flora und Fauna herfallen, um alles unbehandelt zu fressen. Der lustvolle Verzehr von Superfood wie Kotzfrucht, Buschschweinsperma oder Truthahnklöten durch prominente Wechseljuicer und Flexitarier hat dazu geführt, dass man in Berlin-Mitte Sachen frisst, die man in Südamerika früher in den Schweineeimer geschmissen hat. Ja, Danke, Dschungel. Und, bitte: Zwölf Menschen, die irgendwo herumsitzen und miteinander reden, anstatt auf ihre Smartphones zu starren. Wer soll DAS denn bitte glauben?

2. Mit zwölf schief tönenden Solisten und einer spektakulären Dachkonstruktion war der Dschungel immer so etwas wie die Elbphilharmonie des kleinen Mannes. Die aber ist nun fertig und hat den Dschungel als Wahrzeichen deutscher Hochkultur abgelöst. Bitte beenden.

3. Eine Sendung, die den Normalbürger zu der demütigenden Handlung zwingt, Namen wie oder Sarah Joelle Jahnel zu googeln ist mit den Genfer Konventionen nicht vereinbar und gehört umgehend abgesetzt. (siehe Artikel 1 des Grundgesetzes)

4. Durch das rüde und rücksichtslose Abziehen ambitionierter Aufbackpromis, die als Blauhelme der Provinzunterhaltung jedem Jazzbrunch internationales Flair verleihen, entsteht Baumärkten, Möbel- und Autohäusern im Rabattmonat Januar eine Glamourunterdeckung, die ein Thommy Gottschalk allein kaum zu füllen vermag. Das ist unsozial und bringt uns überdies zu Punkt 5.

5. Durch die Zahlung vergleichsweise absurd hoher Gehälter bis hin in den hohen vierstelligen Bereich verdirbt die Preise des gesamten Marktes. Vergleichbar mit China, die derzeit jeden Fußballer ohne allzu sichtbare Arthrose für den Gegenwert Monacos in die dortige Liga lotsen, um der Bevölkerung zu zeigen, wie das mit dem Ballsport genau geht. Das erzeugt nicht nur bei den frisch eingekauften Promis ein neues Alltime-High falscher Selbseinschätzung. Nein, mit einer solch verzerrten Taxierung aus dem Busch entlassen, werden die frisch durchgedschungelten Celebrities gänzlich überteuert von Sendern wie Sat.1 für Shows wie "KULT! Das Sat.1 Starduell - die Promi-Arena mit bekannten Leuten" eingekauft. Da jaulen die Aktionäre, während der Zuschauer sich verwundert die Augen reibt. Letztlich ein Fall fürs Kartellamt.

6. Mit Kader Loth als Ersatzkandidatin für Nastassia Kinski (gilt in ihrer Familie als schwierig) ist RTL fast unfreiwillig in die A-Liga vorgestoßen. Ab jetzt kann es in puncto Staraufgebot nur noch bergab gehen. Man wird aufhören, wenn es am schönsten ist. RTL ist überdies kein Sender, der erfolgreiche Formate allzu lange melkt und auswalzt.

7. Die intensiven, oft unter dem Hashtag #ibes geführten Diskussionen über das Fernsehformat und das Treiben seiner Bewohner verursachen im Januar einen fatalen Missbrauch sozialer Netzwerke. Durch die kollektive Konzentration auf die Show wird der Sinn von Facebook, Twitter und Co. grausam entstellt: gegenseitige Beleidigung und Herabwürdigung, Gesinnungsgeknüppel und das Posten politisch extremer Parolen. Das thematische Umschwenken von 80 Millionen Polizeipräsidenten und Migrationsexperten auf den Busch und seine Camper sorgt schlagartig dafür, dass den Menschen an den Hebeln dieses Landes kostbare Tipps aus dem Internet fehlen. Ein Handeln der Politik und ein Verbot des Formats Dschungelcamp nach der Bundestagswahl ist mehr als wahrscheinlich.

8. Mit gerade einmal zwei verschiedenen Nationen (Hanka Rackwitz aus der DDR mal mit mitgezählt), ist dieses Format gänzlich antiquiert und im Sinne der Fifa geradezu illegal. Sollte man es bei RTL schaffen, im nächsten Jahr mit 48 Nationen anzutreten, können wir nochmal reden.

9. Mit zentralen Elementen wie der flächendeckenden Videoüberwachung oder einer Obergrenze (in Zahlen: 12) für Wirtschaftsflüchtlinge entspricht das beliebte Format exakt den Forderungen der CSU - da kann also etwas nicht stimmen.

10. Nicole Mieth, die diesjährige Dschungelbewohnerin, die sich obligatorisch für den "Playboy" ausgezogen hat, sieht aus wie eine ganz normal gebaute Frau und hat sich noch nie operieren lassen. Somit sendet sie der Jugend völlig falsche Signale und gefährdet die Entwicklung junger Menschen nachhaltig. Absetzen, den Mist! Sofort!

11. Der Koala hängt die meiste Zeit faul im Baum rum, pennt oder scheißt ungehemmt in den Wald. Außerdem hat er Chlamydien. Ist also eine richtige Sau. Dennoch wird er plump hofiert und kritiklos als Everybody's Darling ins Baumhaus eingeladen. Diese ekelhafte Propaganda für diesen Vollasi der Tierwelt ist schlicht unerträglich und typisch für deutsche Systemmedien.

12. In diesem Format sorgt ein pervertiertes Wahlsystem dafür, dass ein offenbar entgrenztes Volk völlig irre Narzissten zum Oberhaupt wählen kann. Realitätsfern und krank. Absetzen, bitte!

12 b. Niemand guckt es oder wäre so blöde, auch noch öffentlich darüber zu schreiben.

"Ich bin ein Star - holt mich hier raus": Das sind die zwölf Kandidaten des Dschungelcamps 2017