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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier Zoo-Direktorinnen: Warum Frauen die besseren Führungskräfte sind

Micky Beisenherz
© © Illustration: Dieter Braun/stern
Viele Frauen haben eine wunderbare Art zu führen. Ganz erstaunlich, dass es immer noch so wenige von ihnen in den Chefetagen gibt.
Von Micky Beisenherz

Mit weiblichen Vorgesetzten hatte ich meine besten Jahre als Angestellter. Für jemanden, der seine ersten 25 Jahre in einem Schattenmatriarchat gelebt hat (Männer sind formal als Weisungsbefugte vorhanden, faktisch jedoch bestenfalls mit Richtlinienkompetenz auf Bundespräsidentenniveau ausgestattet), war es herrlich, Frauen zuzuarbeiten.

Sandra, der Abteilungsleiterin meiner frühen Jahre, verdanke ich nicht nur, dass sie mich "entdeckt", geholt und gefördert hat. Sie hat es auch geschafft, eine Redaktion von sechs Männern mit einer Mischung aus Empathie, Fachkunde und dreckigem Humor zu leiten, ohne dass es zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen wäre. Es war eine herrliche, sehr erfolgreiche Zeit. Die kaum möglich gewesen wäre, hätte uns Elke, die Geschäftsführerin, nicht die ganzen kleinen Könige und Provinzfürsten vom Leib gehalten, die auch heute in vielen Sendeanstalten, Unternehmen oder Parteizentralen einem erfolgreichen, zielgerichteten Schaffen entgegenwirken.

Wie sie das gemacht hat? Wahrscheinlich antizipierte sie bei ihrem Gegenüber schnell, welche Form der Ansprache sie oder er gerade braucht. Das Leiten größerer Unternehmen macht einen ja irgendwann zu einer Art Zoodirektor. Oder Zirkusdirektor, je nachdem, wie man es nimmt.

Umso erstaunlicher, dass es so wenige Frauen in den Vorstandsetagen von Dax-Konzernen gibt. Aber es handelt sich ja natürlich um ein hohes Gut, da kann man nicht irgendwelche Frauen ranlassen! Sicher, wenn es darum geht, gewisse Länder zu führen, dann geht das sehr wohl. Und es ist sehr wohl erkennbar, dass Frauen ihre Länder zum Beispiel recht gut durch die Corona-Pandemie geführt haben. Während Alpha-Rüden wie Erdogan, Trump oder Boris Johnson durch ihre Kultur der unbedingten Fehlerverneinung lieber einen Irrweg weitergehen, als sich öffentlich die Blöße eines Schuldeingeständnisses zu geben. Sehr traurig, eigentlich.

Der Frauenanteil beim DFB ist blamabel

Gucken Sie sich alleine den DFB an. Selbst in der Al-Nour-Moschee ist der Frauenanteil höher. Es ist blamabel. Da sitzt eine Terrakotta-Armee und wartet darauf, den einen Krawattenandroiden durch den anderen zu ersetzen. Unerträglich. Ich habe wenig Lust darauf, mir vorzustellen, wie ein DFB-Präsident Koch Leon Goretzka zum Europameistertitel gratuliert. Was für eine wunderbare Vorstellung wäre es, wenn Frauen wie Katja Kraus oder Bibiana Steinhaus den maroden Laden übernehmen würden!

Ein Laden, der sich heute nur noch deshalb von einer Ersatzkasse unterscheidet, weil die Betriebsmannschaft besser ist. Ab und an zumindest. Ich will Menschen, die dem Fußball in Leidenschaft verbunden sind und nicht in Seilschaften. Lasst diese Frauen ran. Sie wollen – und sie können. Und so sollte es überall sein.

Meine Chefin früher bei der AWO Castrop-Rauxel – toll! Meine Redaktionsleiterinnen beim "Kölner Treff" – wunderbar! Meine Podcast-Producerinnen – I love them.

Ja, gewiss sind es sexistische Zuschreibungen, Männer pauschal als wettpinkelnde Armdrücker und Frauen als individualverstehende Einfühlungsbomben zu zeichnen. Ich habe auch weibliche Führungskräfte erlebt, deren Rückgratlosigkeit und Gefühlstaubheit mich geradezu fasziniert haben.

Nein, Frauen reißen es nicht automatisch, weil sie Frauen sind – aber wäre es nicht nur fair, ihnen auf höchster Ebene die Chance zu geben, zu zeigen, dass sie es im Zweifel auch nicht besser können?


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