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»BY THE WAY«: Die Chili Peppers überzeugen im Vorbeigehen

Nach drei Jahren Pause haben die Red Hot Chili Peppers wieder ein neues Album veröffentlicht. »By The Way« schafft es fast mühelos, die hohen Erwartungen zu erfüllen.

In der Sparte Alternative-Rock überleben auf Dauer nur wenige Superstars - die Red Hot Chili Peppers gehören dazu. Ihr Album »Californication« aus dem Jahr 1999 gehört zu den besten Rockplatten des Jahrzehnts und verkaufte sich weltweit zwölf Millionen Mal. Nach drei Jahren Pause hat das Quartett aus Kalifornien Anfang dieser Woche die neue CD »By The Way« (WEA) veröffentlicht - und die hohen Erwartungen erfüllt.

Seit 1988 im Geschäft

Die Karriere der Red Hot Chili Peppers ist eine Bildergeschichte: Man sieht sie 1988 wie die Beatles über den Zebrastreifen der Londoner Abbey Road laufen, mit nichts als einem Socken bekleidet. Zwei Jahre später stapfen vier Verrückte mit Goldfarbe beschmiert durch die Wüste, wobei sämtliche Bewegungen rückwärts laufen - das Video zum Funkrock-Kracher »Give It Away« mischte 1991 die Rockwelt auf. Inzwischen sind die liebenswerten Rockrabauken um die 40 Jahre. Entsprechend ruhiger und reifer klingt das neue Werk, an dem die Band gut eineinhalb Jahre arbeitete.

Im Zentrum steht der Song

Die alten Markenzeichen - wilder Funkrock, blubbernde Bassläufe und Stakkato-Sprechgesang - finden sich nur noch vereinzelt, wie etwa in der ersten Single-Auskopplung »By The Way«. Stattdessen rückt nun der Song in den Vordergrund. Noch mehr als mit »Californication« zeigen die Chili Peppers auf »By The Way« Mut zur Melodie, zum Beispiel im vierten Song »Dosed«, in dem Sänger Kiedis zu Klavierbegleitung, Backgroundvokals mit klarer, kraftvoller Stimme einen puren Popsong singt. Der Refrain bei »The Zephyr Song« ist so süß geraten, dass es schon fast zwischen den Zähnen knirscht.

Auffallend sind die flächigen Syntheziser-Sounds mit Anklängen an die 70er Jahre, die durchaus nicht fehlplatziert wirken. »Die vielen Soundschichten und die Synthies waren hauptsächlich John Frusciantes Idee, aber wir stehen alle schon seit Jahren auf deutsche Musik aus den 70ern, so wie Can, Neu!, Kraftwerk ... Unglaubliche Musik, die uns ziemlich inspiriert hat«, berichtete Bassist Flea im »Intro«-Interview.

Nur einmal regiert der Funk

Und der Funk? Der kommt in Reinkultur nur noch im Song »Can?t Stop« voll zum Zuge - eines der wenigen der insgesamt 16 Stücke, das einem sofort in die Beine fährt und als 100 Prozent partytauglich gelten darf. Gelungen sind zudem zwei musikalische Ausflüge, die gegen Ende der 70 Minuten langen Platte warten: »Cabrow« entführt mit Rasseln und geschlagener Akustikgitarre in spanisch-mexikanische Gefilde und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht; »On Mercury« experimentiert gekonnt mit einem Ska-Offbeat.

Balladen am Rand des Kitsches

Viele Fans lieben die Red Hot Chili Peppers wegen ihrer wunderschönen Balladen wie etwa »Under The Bridge« oder »Otherside«. Auch diesmal gelingt den Kaliforniern mit Songs wie »Tear« und dem wunderbaren »Venice Queen« die schwierige Gratwanderung am Rande des Kitschs. Mit »By The Way« haben die Red Hot Chili Peppers ganz nebenbei eine Platte gemacht, die zu den besten des Jahres zählen dürfte.

Torsten Holtz, AP