Angelika Express Power-Pop mit Potenzial

Raue Gitarren, mal peitschende und mal funkige Rythmen, sperrige Texte mit Witz, eine Stimme zum Aufhorchen - das Kölner Rock-Trio Angelika Express könnte für gehörigen Wirbel in der deutschen Musiklandschaft sorgen.

"Geh' doch nach Berlin!" singen Angelika Express auf ihrer Debütsingle. Doch selbst würde die Band nie in die Hauptstadt ziehen, denn das Trio lebt seit Jahren aus Überzeugung in Köln. Dort haben sich die Musiker erst letzten Sommer zusammen getan, wie Sänger Robert Drakogianakis berichtet. Anfang dieser Woche ist nun ihr selbstbetiteltes Debütalbum (Paul/Zomba) erschienen, das unter Freunden deutschsprachiger Gitarrenmusik für Aufsehen sorgen könnte.

Punkiger Power-Pop

Raue Gitarren, mal peitschende und mal funkige Rythmen, sperrige Texte mit Witz, eine Stimme zum Aufhorchen - keine Frage, diese Band hat Potenzial. Der punkig angehauchte Power-Pop ist klassisch arrangiert aus Schlagzeug (Alex Jezdinski, 28 Jahre), Gitarre (Sänger Robert, 36) und Bass (Jens Bachmann, 28). Der Sound erinnert mal an Tocotronic, mal an die Sportfreunde Stiller, mal an Neo-Rock'n'Roll à la The Strokes. Plagiatsvorwürfe sind aber fehl am Platz, dafür sorgen schon die kreativen Texte, deren inhaltliche Bandbreite sich in den Titeln widerspiegelt. Die Songs tragen Namen wie "Selbsthypnose", "Verkateter Dienstag", "Damals im Weltraum" oder "Zieh Dich wieder an".

Deutsche Texte

Dass bei Angelika Express Deutsch gesungen wird, war für die Bandmitglieder keine Frage, sagt Robert, der auch die meisten Texte geschrieben hat. "Auf englisch ist schon so viel abgegrast." Deutsche Texte seien dagegen interessanter und frischer. "Und man ist weniger gefährdet, in Klischees abzugleiten."

Gutes Beispiel für Originalität ist etwa die Single "Geh' doch nach Berlin", mit dem Angelika Express den seit Jahren anhaltenden Tross so vieler Lebenshungriger in Richtung Hauptstadt auf die Schippe nimmt. Eine Textzeile lautet etwa: "Was sind das für Leute / schlechte Bezahlung, schlechte Musik / ein Klo zum Wohnen, 'ne Wohnung als Klo".

'Ihr in Berlin kommt Euch ganz schön fett vor'

Ein kleines bisschen Piesacken sei schon dabei, nach dem Motto 'Ihr in Berlin kommt Euch ja ganz schön fett vor', sagt Robert lachend. Wie oft höre man abends in der Kneipe, dass der Gesprächspartner bald ganz nach Berlin abhauen will. "Das ist wie so eine Art Landflucht und ein Thema, das langsam aber sicher nervt." Aus Roberts Sicht zeugt es von Fantasielosigkeit, "dass die Menschen an dem Ort, an dem sie was aus sich machen könnten, nicht bleiben, sondern quasi in die große weite Welt hinausgehen".

Der rätselhafte Bandname ist das Ergebnis langwieriger Überlegungen, wie Robert erzählt. "Wir haben lange mit allen möglichen Wörtern hin- und hergewürfelt, die uns gut gefallen haben." Das Produkt erklärt er so: "Express steht für Tempo und Energie, Angelika eher für einen freundlichen, aber altmodischen und sperrigen Frauennamen. Das hat uns gefallen."

Wir finden Anzüge sehr geil

Äußeres Erkennungszeichen der drei sind ihre Anzüge, die sie - zum Teil samt Krawatte - auch auf Konzerten tragen. "Wir finden Anzüge sehr geil. Das hat was uniformmäßiges, man ist sehr präsent bei den Leuten", sagt Robert. "Was wir sehr schön finden, ist ist das schicke, smarte Äußere im Kontrast zu dieser Punk-Energie." Auch privat sei edles Tuch meist erste Wahl. "Wenn man aber nach zehn Auftritten alle Anzüge durchgeschwitzt hat, dann zieht man auch gerne mal was Legeres an."

Die Termine der Live-Tour:

14.03. München (Atomic Cafe)
21.03. Augsburg (Rampe 3)
28.03. Düsseldorf (Coffy)
29.03. Remscheid (Kraftstation)
09.04. Wien (Chelsea)
10.04. Graz (Arcadium)
19.04. Darmstadt (Schallbad + Rockformation Diskokugel)
23.04. Köln (Gebäude 9)
24.04. Dortmund (Cosmotopia)
07.05. Heidelberg (tbc)
09.05. Kamenz (Safeclub)
10.05. Leipzig (pop up Messe)
14.05. Münster (Gleis 22 + virginia jetzt)
24.05. Siegen (Musikclub Meier + les Mercredis)
08.06. Rollenhagen (Feldsteinkirche)


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