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Baltic Soul Weekender: Und alle so: Yeah!

Die Temperaturen sind niedrig, doch das Herz wird gewärmt: Am letzten April-Wochenende muss Soul richten, was die Sonne in Norddeutschland versäumt hat. Und das Publikum strahlt.

Gegen zwei Uhr morgens wird die Treppe zur Bar neben der Fischkiste zur Workout-Bühne. In der Ferienanlage am schleswig-holsteinischen Weissenhäuser Strand an der Ostsee dröhnen die Beats. Smudo steht hinterm DJ-Pult und mobilisiert die Kraftreserven, die sein Publikum in der zweiten Nacht noch aufbringen kann: Das dreitägige Musikfestival Baltic Soul Weekender ist in vollem Gang, jetzt ist Halbzeit, doch von Pause keine Spur.

Seit Freitagabend spielen Musiker auf sechs Bühnen parallel und wärmen die Menschen, wo das Wetter versagt hat: Während die meisten Deutschen ihr erstes Wochenende mit Temperaturen um 30 Grad Celsius erleben, hat der Himmel über Norddeutschland auf halbe Kraft gedrosselt und schafft es bei kräftigen Windböen und weißer Wolkendecke, die nur gelegentlich aufreißt, tagsüber auf gerade mal 15 Grad. Um zwei Uhr nachts sind es noch sechs.

In der überdachten Galeria, dem Mittelgang der Einkaufsmeile des Apartmentkomplexes, ist es dennoch heiß, dort herrscht reger Durchgangsverkehr, der nur von Tanzenden abgebremst wird. Die Restaurants und Kneipen haben neue Namen bekommen, die Bar neben der Fischkiste heißt für dieses Wochenende "Funk & Hip Hop Floor".

Das Bett neben der Bühne

Im riesigen Zelt nebenan, der Main Floor & Concert Hall, treten die Live-Acts auf. Unterstützt vom Baltic Soul Orchestra kann das Publikum echte Legenden der Musikgeschichte erleben: Roachford, The Supremes, Omar, The Sugarhill Gang und Überraschungsgast George McCrae machen ganze Familien glücklich. Mama und Papa grooven vor der Bühne, auf den Schultern den Nachwuchs, der einen Lolli im Mund und einen Schallschutz auf den Ohren trägt. Während Kinder normalerweise zu dieser Uhrzeit längst im Bett liegen, ist es hier noch ein paar Meter entfernt, die Familien wohnen in den Apartments der Ferienanlage.

Die Northern-Soul-liebenden Scooterboys, Mods mit engen T-Shirts, gegeltem Haar und Motorrollern, gibt es seit den 1960er Jahren in jeder Generation. Sie bilden die Keimzelle des Baltic Soul Weekenders, der zum sechsten Mal stattfindet. Kein Wunder also, dass das Festival ein Publikum einer Ü30- oder Ü40-Party versammelt – und deren Anhang. Das Konzept von Veranstalter Daniel Dombrowe, der Soulszene als DJ Dan D. bekannt, geht auf. Für Dombrowe der richtige Zeitpunkt, einen Schritt weiter zu gehen. Er plant für Ende des Jahres einen Trip nach Gran Canaria mit seiner Großfamilie: ihm ans Herz gewachsene Soulgrößen und einem erlesenen Publikum von 300 Leuten. Flug und Vier-Sterne-Unterkunft inklusive.

Susanne Baller