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Bayerisches Staatsorchester in Indien Laute Kritik an Kaschmir-Konzert


Aus politischen Gründen schien fast ganz Kaschmir gegen das Konzert des Bayerischen Staatsorchesters zu sein. Die reichen und schönen Gäste genossen hingegen Beethoven, Haydn und co.

Das Bayerische Staatsorchester unter Leitung von Zubin Mehta ist bei seinem historischen Konzert in der Unruheregion Kaschmir in Indien begeistert gefeiert worden. Vor dem Auftritt am Samstag hatte es zahlreiche Protestaufrufe von religiösen Führern und Separatisten gegeben. Der Vorwurf: Das Konzert beschönige die Krise in der Region. Überall in Srinagar waren Straßensperren zum Schutz der Konzertgäste aufgebaut. Als ein Mann dort nicht stoppte, wurde er laut Polizeiquellen angeschossen. Währenddessen beklatschten die mehr als 1500 geladenen Gäste im Mogul-Garten am Dal See die Musiker ausgiebig.

"Ich habe auf diesen Moment gewartet und davon geträumt", sagte der 77-jährige Mehta vor Beginn des Konzerts. Der einstige Dirigent der Berliner Philharmoniker, der im indischen Mumbai geboren wurde, sagte mit Verweis auf die Kulisse des Himalaya im Hintergrund, alle auf dem Subkontinent würden ihm zustimmen, dass dies der geeignete Ort für das Konzert sei. Kaschmirs Regierungschef Omar Abdullah sagte dem Publikum, die "aufgewühlte" Region sehne sich nach Frieden. Die Veranstaltung, die von der örtlichen Tourismusbehörde und der deutschen Botschaft organisiert wurde, wurde im deutschen Fernsehen sowie in anderen Ländern live übertragen.

Unruheregion Kaschmir

Das Konzert - das wohl erste eines westlichen Orchesters in der Region - stand unter dem Motto "Ehsaas-e-Kashmir" (Gefühl für Kaschmir). Eine parallele Protestveranstaltung "Haqeeqat-e-Kashmir" (Kaschmirs Wirklichkeit) mit Dichtern, Musikern und Künstlern aus der Region wurde in letzter Sekunde genehmigt, doch ließen Sicherheitskräfte kaum jemanden in den Park im Zentrum Srinagars vor. "Hier geht es um unser Leiden, unseren Kampf und Widerstand", sagte Samreen Mushtaq, eine der Organisatoren.

Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt und umstritten, außerdem kämpfen zahlreiche Separatistengruppen für einen eigenen Staat. Die Extremisten, die immer wieder gewalttätig gegen das massive Aufgebot der Sicherheitskräfte vorgehen, warfen den Konzertveranstaltern vor, ein Bild der Normalität nach Außen zu projizieren, obwohl Kaschmir von Indien besetzt sei. Zahlreiche Menschen in Srinagar beschwerten sich über die massiven Sicherheitskontrollen in den Tagen vor dem Konzert.

Kritik an Gästeliste

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Deutsche Botschaft als Organisator habe nur VIPs eingeladen und keine Bootsfahrer, Ladenbesitzer oder Handwerker. Diesen Punkt kritisierte auch Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper. "Alle Menschen, mit denen ich sprach, sagten: Wunderbar, aber warum sind wir ausgeschlossen?" Die Botschaft habe daraus fast einen Staatsakt gemacht, sagte Bachler der Nachrichtenagentur dpa. Mehta sagte vor dem Konzert, nächstes Mal werde in einem Stadion gespielt. "Wir wollen nicht nur ein paar wenige Ausgesuchte."

Vor dem Konzert war der Jahrhunderte alte Shalimar-Garten am Rande des Sees renoviert worden. Die Gäste wurden von Hunderte Meter langen Wasseranlagen mit Fontänen empfangen, eine Bergkulisse ragte hinter dem Orchester empor. Die 80 Musiker begannen kurz nach 17 Uhr - direkt nach dem Ende des Nachmittagsgebets im überwiegend muslimischen Kaschmir. Dazu zwitscherten Vögel von den teils 300 Jahre alten Bäumen, und Grillen zirpten im Gras.

Ehe aber die Ouvertüre "Leonore Nr. 3" aus Beethovens Oper "Fidelio", Joseph Haydns Konzert für Trompete Es-Dur, Tschaikowskis Konzert für Violine D-Dur sowie Beethovens 5. Symphonie erklang, hatten die Musiker eine Überraschung parat: Sieben Minuten lang spielten sie zusammen mit lokalen Musikern eine kaschmirische Komposition von Abhay Rustum Sopori, einem bekannten Spieler des klassischen Seiteninstruments Santoor. Die meisten "wow"-Bekundungen im Publikum erhielt allerdings Solo-Violinist Julian Rachlin.

awö/DPA/AFP DPA

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