Bayreuther Festspiele Der "Holländer" fliegt wieder


Ohne Merkel und Köhler sind in Bayreuth die 95. Richard-Wagner- Festspiele eröffnet worden. Die Premiere von "Der Fliegende Holländer" gelang perfekt - auch dank der übrigen Ehrengäste.

Lag es an der brütenden Hitze im Festspielhaus, und wollten die Gäste daher so rasch wie möglich zum einem kühlen Pils beim folgenden Staatsempfang kommen? Selten jedenfalls ist eine Eröffnungspremiere so kurz abgehandelt worden wie "Der fliegende Holländer" am Dienstagabend zum Auftakt der Bayreuther Festspiele. Nur wenige Minuten Beifall hatte das Publikum übrig für die zwar nicht mitreißende, aber durchaus fesselnde Aufführung von Richard Wagners romantischer Oper, die Regisseur Claus Guth als einen Traum Sentas deutet, in dem Realität und Trugbilder verschwimmen.

Guths seit 2003 gespielte Inszenierung wird dem Festspielbüro zufolge nach dieser Saison vom Spielplan genommen. Anders als in den Vorjahren kamen der Regisseur und sein Bühnenbildner Christian Schmidt für die tiefgründige psychologische Deutung diesmal ohne Buhrufe davon. Sie versetzen die Handlung um den auf den Weltmeeren umherirrenden, Tod und Erlösung suchenden Holländer in einen halbrunden, bräunlich tapezierten Raum, dessen Türen nirgendwohin führen. Seitlich schwingt sich eine Freitreppe nach oben. Über ihr zeigt sich derselbe Raum spiegelverkehrt noch einmal.

"Holländer" mit Kapitäns-Klonen

In dieser klaustrophobisch anmutenden Atmosphäre irrt Senta als kleines Mädchen und als junge Frau umher, bedrängt vom Vater Daland und dessen Alter Ego, dem zwillingsgleich in Kapitänsuniform auftretenden Holländer. Doch damit nicht genug: Eine ganze Schar von Kapitäns-Klonen dringt auf das Mädchen ein, und aus der Höhe senkt sich gar ein riesenhafter Holländer-Daland mit Totenschädel kopfüber herab. Selbst der Liebestod ist Senta nicht vergönnt: Als sie dem Holländer folgen will, läuft sie buchstäblich gegen die Wand - es gibt keinen Ausgang aus dem Albtraum.

Sängerische Höhepunkte setzten Adrienne Dugger als Senta mit lyrisch-expressivem Sopran und Alfons Eberz - kurzfristig für den indisponierten Endrik Wottrich eingesprungen - als kraftvoller Erik. John Tomlinson zeigte den Holländer als einen leidenden, gebrochenen Mann, Jaakko Ryhänen bewältigte die Rolle des Daland routiniert. Die von Eberhard Friedrich geleiteten Chöre präsentierten sich zum Festspielauftakt in glänzender Verfassung. Dirigent Marc Albrecht führte das Orchester zu einer fein ausdifferenzierten Leistung und arbeitete bei aller Klangfülle die Details der Partitur gut heraus.

DPA DPA

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