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Beastie Boys: Neues aus der Old School

Auf ihrer lang erwarteten neuen Platte lassen die Beastie Boys den "Old School"-Stil der frühen 80er wieder aufleben. Gleichzeitig bringen sie die Politik zurück in den HipHop.

Sprechgesang mit Hall, wildes Scratching und sauber gereimte Texte sind im HipHop derzeit ungefähr so angesagt wie Cowboystiefel. Uncooler geht's nicht - es sei denn, man ist Mitglied der Beastie Boys und braucht sich um aktuelle Trends nicht zu scheren. Mit ihrem neuen Album "To The 5 Boroughs" surfen MCA, Mike D. und Adrock auf ihrer eigenen Retrowelle zurück zu den Anfängen. Den "Old School"-Stil hat das Trio Anfang der 80er Jahre schließlich selbst mit erfunden.

Partyplatte mit Politik

"To The 5 Boroughs" ist das erste Studioalbum der New Yorker seit "Hello Nasty" vor fast sechs Jahren, und den Grund für die lange Sendepause kennen die drei selbst nicht so genau. Man widmete sich Freunden, der Familie, vereinzelt auch Musikprojekten, spielte regelmäßig zusammen Basketball und "manchmal machen wir sogar gar nichts", wie MC Adam Yauch kokett im Interview des "Stoke-Mag" berichtete. Das neue Werk sei "eigentlich eine Partyplatte, so wie früher, mit drei albernen jungen Männern, die Spaß haben", erläuterte der inzwischen deutlich angegraute Enddreißiger. "Politik ist aber mit drin enthalten."

Privates und Politisches eng verwoben

Eine politische Botschaft enthält schon das Cover des nur 42 Minuten langen Albums mit 15 Stücken: Darauf prangt eine Schwarz-Weiß-Zeichnung der New Yorker Skyline, einschließlich der am 11.9. 2001 nach den Terroranschlägen eingestürzten Türme des World Trade Centers. Seit dem verheerenden Anschlag vermengt sich in New York das Private und Politische stärker als früher, auch bei den Beastie Boys.

New York, Stadt der Vielfalt

Dies zeigt sich im Stück "An Open Letter To NYC". Das Stück ist einerseits eine sehr persönliche Liebeserklärung ("We give thanks for providing a home / Cause in the city we're ourselves and electric too"). Andererseits loben sie aber auch allgemein den wundersamen Zusammenhalt dieser bunt gemischten Stadt ("2 towers down and you're still in the game / Home to the many, rejecting no one"). Gern stellen die Beasties dieser multikulturellen Vielfalt die aus ihrer Sicht unerträgliche Einfalt eines George W. Bush gegenüber, der gleich in mehreren Songs sein Fett weg bekommt.

Drei gegen Bush

Die mögliche Abwahl des Präsidenten im November sehnt Mike D. inständig herbei, wie er im Interview berichtet: "Der Kerl ist solch ein kompletter Schwachkopf, dass es überhaupt keine Rolle spielt, wer den Job von ihm übernimmt." Seitenhiebe gegen Bush finden sich etwa in "It Takes Time To Build": "Maybe it's time we impeach tex / And the military muscle he wants to flex / By the time Bush is done, what will be left? Selling votes like e-pills at the discotheque / Environmental destruction and the national debt".

Einfluss auf die Wahlen

Die Präsidentenwahl im November hat sogar den Ausschlag für den Zeitpunkt der der Veröffentlichung gegeben, wie MCA im Interview mit rap.de berichtet: "Wir haben schon bewusst darauf abgezielt. Von dem Zeitpunkt an, da wir wussten, dass es einige Stücke mit politischen Inhalten auf dem Album geben würde, wollten wir es auch zu diesem Zeitpunkt, also zu Mitte dieses Jahres, veröffentlichen."

Kaum echte Instrumente benutzt

Der Titel "To The 5 Boroughs" spielt auf die fünf großen Bezirke der Millionenstadt an: Brooklyn, Bronx, Queens, Staten Island und Manhattan. Das Album haben die drei in Manhattan in ihrem vor zwei Jahren eingerichteten "Oscilloscope"-Studio aufgenommen und erstmals komplett selbst produziert. Dabei wurden kaum echte Instrumente genutzt, sondern die weitaus meisten Sounds im Computer mit "Pro Tools" generiert. "Wir haben jeder für sich selber mit den Beats angefangen", erläutert Mike D. "Dann haben wir angefangen, aus der Ansammlung Tracks zu bauen, also etwa verschiedene Elemente zu arrangieren oder zu loopen. Daraus entstand dann im besten Fall ein Vibe, der uns dazu brachte, die Blöcke rauszuholen und mit dem Schreiben loszulegen."

Musikalisch lebt die Platte wie ehedem vom unverwechselbaren, abwechselnden Gesang der drei Beasties: den eher hoch gepegelten Raps von Adrock und Mike D. und dem rau-heiserem Organ MCAs. Die ersten drei Songs könnten vom Sound her auch auf dem Debütalbum "Licensed To Ill" zu finden sein. Die Songs "It Takes Time To Build" und "Rhyme The Rhyme Well" klingen dann schon wieder mehr nach diesem Jahrtausend. Beim zentralen Stück "An Open Letter To New York" kommen dann wie in den guten alten Tagen Gitarren zum Einsatz. Durchgehend werden die eher reduzierten Arrangements von sehr basslastigen Beats dominiert, die Tanzbarkeit ist also garantiert. Fazit: HipHop wurde in New York erfunden, und wem sonst als den Beastie Boys konnte es gelingen, den rohen Vibe von damals so lässig ins Jahr 2004 zu transportieren.

Lesen Sie auch bei unserem Partner prinz.de: "Zu viele Rapper verderben den Reim: Beastie Boys"

Torsten Holtz AP
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