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Bibis Song "Wap Bap": Treibjagd gegen Bibi – die typische deutsche Hass- und Meckernummer

Der Deutsche ist erst glücklich, wenn er hassen kann. Wenn er sich einreden kann, besser zu sein als Menschen mit Erfolg. Das geht inzwischen besonders gut im Social-Web. Dabei ist es einfach armselig, sich an Dislike-Rekorden aufzurichten.

Ja, Bibi hat keine tolle Stimme und sie kann sich auch nicht bewegen wie eine Profi-Tänzerin. Wo ist das Problem?

Ja, Bibi hat keine tolle Stimme und sie kann sich auch nicht bewegen wie eine Profi-Tänzerin. Wo ist das Problem?

Bibi – ein junges Mädchen – macht alles richtig und schon ist wieder alles falsch. Anlass dieses Mal: Bibis neuer Song "How it is (wap bap)" – er wird mit Kübeln von Häme und Dislikes überschüttet. 

Zugegeben, musikalisch ist das kein Werk für die Ewigkeit. Der Text – naja, Schwamm drüber. Bibis Stimme – kaum vorhanden. Und das Video: Die Blondine hüpft durch die übliche Romantik-Kulisse in einer Traumvilla. Immerhin hat der Song etwas von einem unfreiwilligen Ohrwurm an sich, einmal gehört, wird man das "Wap-bap, ba-da-di-da-da Wap-bap, ba-da-da-da-da-da" stundenlang nicht los.


Belanglose Musik rechtfertigt keinen Shitstorm

Kurz und gut: Teenie-Pop wie es Tausende von Stücken gibt. Woher kommt also die ganze Häme? Ganz klar: Das deutsche Netz liebt es einfach zu hassen. Und nichts lieber als Personen, die irgendwie erfolgreich sind. Früher, noch ganz ohne Internet, war es Boris Becker, nur weil der Abiturient irgendwelche englischen Zoten nicht verstanden hatte. Im Feuilleton ist es Til Schweiger, den die Kritiker umso mehr gehasst haben, je mehr Leute seine Filme sehen wollen.

Und nun, eine Nummer kleiner als Schweiger, kommt Bibi. Denn anders als viele andere Internet-Aktivisten hat Youtuberin Bianca "Bibi" Heinicke den Bogen raus. Seriösen Schätzungen zufolge generiert die Bibi-Maschine über 100.000 Euro im Monat. Für ein deutschsprachiges Phänomen ist das eine ungeheure Summe.

Und womit? Meistens mit belanglosen Plaudereien mit ihrem Freund Julian Claßen vor der Kamera. Dabei verwertet Bianca Heinicke gnadenlos alles, was im Netz klickt: Pranks, Promis, Challenges (Schminken!) und Listen jeder Art (10 Arten von …). Die Inspiration dazu dürfte sie einfach aus den Klick-Portalen des Netzes holen. Danach werden die Themen gnadenlos durch den Bibi-Apparat gedreht, bis sie rosa, niedlich und ganz natürlich sind.

Durch den Erfolg sticht sie heraus

Nur: Was ist daran schlimm, außer dass diese Clips total belanglos sind? Richtig, Bibi kämpft nicht für die Wale, plaudert nicht über Mülltrennung und hat Donald Trump nicht verhindert. Alles Vorwürfe, die man "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" auch machen kann.

Macht aber keiner. Meine Vermutung: Wäre Heinicke nur eine schlecht bezahlte Kleindarstellerin, die für 1800 Euro im Monat die Stimmungsblondine auf Youtube geben dürfte, würde sich keine Stimme gegen sie erheben.

Aber dass sie Erfolg hat und die Kohle, die ihre Masche produziert, selbst einsteckt, macht sie zum Hassobjekt. Unfreiwillig zeigt Heinicke nämlich, was im Netz profitabel ist – ihre Bibi-Nummer – und was nicht. Nur ihre Schuld ist das sicher nicht. 

Armseliges Troll-Phänomen

So kommt es, dass ihr Song gnadenlos verrissen wird. Teils bestimmt auch von Fans, die es für keine so gute Idee halten, mit einem Autotune-Stimmchen einen Sommerhit landen zu wollen. Sie haben sicher Recht. 

Andere aber, die sich niemals freiwillig auch nur einen Bibi-Clip reinziehen werden, geben sich den Youtube-Singsang, um auf ihrem Kanal darüber abzupesten und zu disliken. Wie armelig ist das denn, sich rudelweise daran aufzurichten, dass man den Dislike-Rekord brechen könnte? Internet-Trolle von der schlimmsten Sorte.

Aber egal: Der Kindersong mit Zeilen wie "I sing: Wap-bap, ba-da-di-da-da" hat an einem Tag 9,5 Millionen Aufrufe eingesammelt. Liebe Hater: Wer von euch hat das je geschafft? Und genau das ist wohl eher euer Problem – und nicht Bibis.