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CD-Kritik Ron Spielman Trio - "Electric Tales": Wenn Musik Geschichten erzählt

Talentierte Musiker, Liebe zur Musik und ganz viel Lust am Erzählen. Das sind die Zutaten für eines der faszinierendsten Alben des Jahres.

Von Christian Hasselbring

Hörprobe: Ron Spielman Trio spielt "Raindrops"

Dichte Gitarrenteppiche, ein kräftiger Bass, groovende Drums und darüber eine starke Stimme. Eigentlich nichts Neues, so könnte nahezu jedes Gitarren-Trio beschrieben werden. So beliebig klingen diese Formationen denn auch häufig und so belanglos sind ihre musikalischen Geschichten.

Das Ron Spielman Trio erzählt Musik allerdings auf eine Art, dass man meint, Teil der Handlung zu sein. Schon das Intro von "Raindrops", dem ersten von zwölf Titeln auf "Electric Tales", lässt sofort aufhorchen. Ein Gefühl stellt sich ein, wie man es aus Wachträumen kennt – man meint, das Geträumte anfassen zu können. Das schaffen Ron Spielman, Edward McLean und Benny Greb mit Klängen, Worten und Zusammenspiel.

Auch bei den anderen Stücken des Albums betritt die Musik wie ein lebendiges Wesen den Raum, lädt ein, eine Weile die Reise durch die elektrischen Erzählungen mitzugehen. Leise fingerschnippend wenn "Another Day Of Madness", aus den Lautsprechern hüpft. Still der Ruhe von "Sayonara" lauschend oder zu dem aufregenden Puls von "Matchstick" tanzend.

Alles passt und ist doch nicht glatt

Der seit 15 Jahren in Berlin lebende Deutsch-Amerikaner Spielman nutzt all das was Rock, Folk, Jazz und Pop zu bieten haben, um seine eigenen Geschichten daraus zu spinnen. Die Band bedient sich klassischer Songformen, um sie aufzubrechen und aufs Wesentliche zu reduzieren.

Mal sind es nur drei Minuten – denn dann ist die Geschichte von "Nothing To Give But Love" als Rocksong erzählt. Mal sind es über fünf Minuten in denen "William Wilberforce" sein Netz auswirft und einen lyrischen Bogen baut, der jede Sekunde spannender wird. Diese Lust an der Erzählung gipfelt im epischen "Bishops Of Rome" – in sich ein Werk, das alle Facetten des Trios zum Vorschein bringt und auf einer guten Anlage zu einem genussvollen Höhenflug wird.

Musik und Gesang, Sound und Atmosphäre, Exzellenz und Spiellust – diese Zutaten haben die drei Musiker, die schon 2010 ein aufregendes Live-Album aufgenommen haben, mit "Electric Tales" auf ihre ganz eigene Weise zueinander gebracht. Ganz selten entsteht Musik, in der alles so passt ohne glatt zu sein.

Auftritte in kleinen Clubs zahlen sich aus

Der Klang des Albums ist mit jeder Episode neu, rund, satt und druckvoll und vor allem mit viel Sorgfalt arrangiert - ein kraftvoller Nährboden für Ron Spielmans Gesang und seine virtuos erzählenden Gitarrensoli. Gerade dieses Spiel zwischen Stimme, Text und Instrumenten macht die Titel immer wieder besonders. Die Instrumente sind nicht einfach der Background, sie bilden mit dem Gesang eine unzertrennliche Einheit.

Hier zahlen sich die vielen Auftritte in kleinen Clubs und die lange Erfahrung der Band aus. So sind die Ideen, die Reduktion und das blinde Vertrauen entstanden, die es braucht, solche Musik zu machen: drei Erzähler, die den Ausdruck und die Geschichte wichtiger nehmen als ihre Egos.

Die "Electric Tales" von Ron Spielman, Benny Greb und Edward McLean bieten Stoff für lange Abende am Kamin, einen Tag am Meer oder für eine Nacht mit Freunden. Ein großartiges Album, das ab dem 17.02. in jedes CD-Regal und auf jedes Smartphone gehört.

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