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Doris Day erobert die Charts Hurra, wir leben noch


Stolze 87 Jahre ist sie inzwischen alt: Um Doris Day, die Sauberfrau des amerikanischen Fernsehens, ist es still geworden. Doch jetzt feiert sie ein furioses Comeback als Sängerin. Ihr neues Album ist auf Anhieb in die britischen Charts eingestiegen - und dazu brauchte sie noch nicht einmal Facebook.
Von Jens Maier

Sie hat keinen Facebook-Account, twittert nicht und schert sich auch sonst reichlich wenig um soziale Netzwerke: Trotzdem ist ihr wohl bekanntester Song bis heute ein Hit im Internet: "Que sera, sera". Der Ausschnitt aus dem Film "Der Mann, der zuviel wusste" hat mehr als 800.000 Abrufe beim Videoportal "Youtube". Keine Frage, Doris Day hat den Oscar prämierten Song zum Evergreen gemacht. Unzählige Male wurde er seitdem gecovert, selbst von "Deutschland sucht den Superstar"-Sieger Piedro Lombardi interpretiert. Doch Days Version bleibt unerreicht. Und obwohl ihre Erkennungsmelodie auf ihrer neuen Platte fehlt, stürmt die inzwischen 87 Jahre alte Schauspielerin und Sängerin derzeit die Charts.

45 Jahre nach ihrem letzten Album hat Day mit ihrer neuen Platte "My Heart" in dieser Woche den Sprung unter die Top Ten der britischen Charts geschafft. Ein Rekord. Day ist damit die älteste Künstlerin, die jemals einen Platz unter den ersten zehn ergattert hat. Trotz ihres hohen Alters klingt die amerikanische Ikone erstaunlich frisch. Das liegt vor allem daran, dass das neue Album zwölf bislang unveröffentlichte Titel, vor allem aus den 80er Jahren, enthält. Die Songs wurden damals produziert, aber nie veröffentlicht.

Die meisten Songs sind Aufnahmen aus den 80er Jahren

"My Heart" ist eine Hommage an ihren einzigen Sohn Terry Melcher, der 2004 an Krebs starb. Melcher hat die meisten der Songs produziert, einige sogar selbst geschrieben. "Disney Girls" entstand zusammen mit dem Beach Boy Bruce Johnston. Day lässt es sich nicht nehmen, ihrem Sohn in einem Vorwort zum Song "Happy Endings", den Melcher zusammen mit ihr singt, zu danken: "Terry war nicht nur mein Sohn, er war mein Freund, mein Gefährte. Ein Leben lang."

Um Day war es viele Jahre sehr still geworden. Ihren letzten Film "Der Mann in Mammis Bett" drehte sie 1968. Ein Flop wie die drei vorausgegangenen. Dabei feierte Day in den 50er und Anfang der 60er Jahre an der Seite von Rock Hudson und Cary Grant große Erfolge. Im Hitchcock-Klassiker "Der Mann, der zuviel wußte" stellte sie 1956 erstmals unter Beweis, dass sie nicht nur eine gute Sängerin, sondern auch eine brillante Schauspielerin ist. Der Film wurde ebenso wie der dazugehörige Song "Que sera, sera" ein Welterfolg. Zum Publikumsliebling wurde die Amerikanerin vor allem durch Komödien wie "Bettgeflüster" oder "Ein Pyjama für zwei".

Die ewige Jungfrau mit vier Ehen

Derartige Filme brachten ihr aber auch viel Kritik ein und sie wurde als "älteste Jungfrau der Welt" verspottet. Dabei war die Frau mit dem Sauberimage privat alles andere als eine "Jungfrau". Day brachte es auf vier Ehemänner und etliche Liebhaber, darunter auch den ehemaligen Schauspieler und späteren Präsidenten Ronald Reagan. "Ich kannte Doris, bevor sie zur Jungfrau wurde", witzelte "Marx-Brother" Groucho Marx.

Dass von Doris Day noch einmal zu hören sein würde, hätten wohl die wenigsten erwartet. Dass ein Album von ihr noch mal vor ihrem Tod in den britischen Charts landen würde, wohl noch weniger. Doch gerade das macht die Platte so besonders. Denn sie ist eine Hommage an Doris Day. Eine, bei der Fans keine Tränen in den Augen haben müssen, sondern sich darüber freuen können, dass Doris Day vielleicht an ihrem 90. Geburtstag noch einmal eine Platte heraus bringt.


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