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Downbeat: Tosca: "Dehli 9"

Auf ihrem neuen Album "Dehli 9" machen Richard Dorfmeister und Rupert Huber da weiter, wo sie mit "Suzuki" aufgehört haben: entspannte Grooves zwischen Dub-House und Bossa-Listening.

"Suzuki", der zweite Longplay-Streich des Wiener Downbeat-Duos Tosca, verkaufte sich weltweit gut 110.000 mal. Dieser Sachverhalt würde weniger entspannten Künstlern womöglich diverse Deziliter Angstschweiss auf die Stirn treiben. Nicht so Richard Dorfmeister und Rupert Huber: Die Herren machen ganz lässig da weiter, wo sie mit "Suzuki" aufgehört haben und liefern diesmal gleich ein Doppelalbum ab. "Dehli 9" hat seinen Titel übrigens von der Schülerband, in der sich Huber & Dorfmeister einst gemeinsam experimentelle Klangräume ausloteten. Das war lange bevor Richard Dorfmeister sich mit einem gewissen Peter Kruder zusammentat, um zur weltweit anerkannten Marke in Sachen Remixkultur zu avancieren.

Keith Jarrett in Zeitlupe

Doch zurück zu Tosca: CD 1 überzeugt mit zehn breit ausgewalzten Grooves zwischen Dub-House und Bossa-Listening. Dabei lassen sie sich zum Teil von illustren Gästen wie Earl Zinger alias Rob Gallagher aka Galliano ("Wonderful") und Anna Clementi ("Me & Yoko Ono") begleiten. Letztere war schon auf "Suzuki" zu hören und brilliert mit kühler Eleganz, ganz im Gegensatz zu Tweed, der mit rauher Stimme auf dem Track namens "Gute Laune" ebensolche verbreitet. Gleichfalls kongenial grooved der instrumentale Dub-Funk "Mango Di Bango" im Stil von Bill Laswell, aber Tosca können auch ganz anders. Die zweite CD im Doppelpack ist pure Kunst, hier komponiert Rupert Huber am Klavier sparsamste Akzente und lässt dem Hörer dabei viel Raum für mentale Notizen. Stücke wie "Einschlaf" klingen ein bisschen wie Keith Jarrett in Zeitlupe, von Brian Eno in Moll gepackt und mit nebulösem Hall umhüllt. Hörenswert sind beide CDs, von Anfang bis Ende, in jedem Fall.

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