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ESC-Sieger Salvador Sobral: Der portugiesische Meister der Gänsehaut

Salvador Sobral ist der Überraschungssieger des Eurovision Song Contest 2017. Wer ist der Portugiese, der mit einem eher altbackenen Song ganz Europa verzauberte?

Von Lars Peters

Salvador Sobral mit der ESC-Trophäe

Salvador Sobral mit der ESC-Trophäe

Salvador Vilar Braamcamp Sobral hat am Samstagabend eine Leistung hingelegt, die ihm vor einer Woche niemand zugetraut hätte: Zwar war er schon länger als einer der Favoriten auf den Sieg beim Eurovision Song Contest gehandelt worden. Dass er aber auf der Zielgrade noch den Italiener bei den Wettquoten überholte und ihn letztlich bei der Punktevergabe deklassierte, darf als kleines Wunder angesehen werden. David gegen Goliath: Das Leben schreibt immer noch die spektakulärsten Geschichten.

Der 27-Jährige ist in seiner Heimat kein Unbekannter, ein Star war er dort bisher aber nicht. Bei einer portugiesischen Castingshow fiel er mit seiner ungewöhnlichen Art des Gesangs auf. Am Ende erreichte er damals aber nur den siebten Platz. Ein zunächst begonnenes Psychologiestudium brach er ab, um sich voll der Musik widmen zu können. So studierte er u.a. in Barcelona Jazz. Für seine eigene Musik lässt er sich vom Bossa Nova und anderen lateinamerikanischen Musikformen inspirieren. Passend zu seiner zurückhaltenden Art ist der Titel von Sobrals erstem Album gewählt. Es heißt "Excuse me" und erschien im letzten Jahr.

ESC-Auftritt im Schlabberanzug

Für die Teilnahme am portugiesischen Vorentscheid für den ESC bewarb sich Sobral mit einer Komposition seiner älteren Schwester Luisa. Im viel zu großen, leicht schlabbrigen Anzug und mit Männer-Dutt sang er "Amar Pelos Dois" (Für uns beide) mit so viel Hingabe, dass er beim Vorentscheid Zweiter bei den Zuschauern und Sieger bei der Jury wurde. Damit war die Überraschung perfekt. Und nun stand Salvador in Kiew auf der Bühne.

Dort wiederholte sich die Magie: Er sang sich in die Herzen von Zuschauern und Jurys gleichermaßen. Ganz ohne Schnickschnack. Einfach mit seiner Stimme und seinen kleinen Ticks zog er die Europäer in seinen Bann, erzeugte Staunen und Gänsehaut zugleich. Und das, obwohl das Lied eigentlich eher altbacken, bestenfalls zeitlos ist. Da spielte es auch keine Rolle, dass kaum jemand Portugiesisch versteht. Wenige können die internationale Sprache der Musik so gut präsentieren wie Salvador Sabral.

Vielleicht liegt sein Erfolg ganz einfach daran, dass er voll und ganz zu dem steht, was er tut. Ehrlichkeit, Authentizität und Emotion sind nach eigener Auskunft seine wichtigsten Eigenschaften. Da braucht er auch vor seinen Auftritten keine Glücksbringer bemühen: "Ich bereite mich einfach darauf vor, mit meinem ganzen Herzen zu singen." Das ist ihm am Samstagabend in Kiew besser gelungen als allen anderen. 

Levina
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