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Fantastische Vier: "Titties und Popos"

2004 kommt das neue Album der Fantastischen Vier heraus, aber vorher gibt es die Band, die den deutschen HipHop hoffähig machte, live zu sehen.

Nach zwei Jahren kreativer Auszeit geben "Die Fantastischen Vier" im deutschen HipHop wieder den Ton an. Mit ihrer Höhlen-Produktion "MTV Unplugged" aus dem Jahr 2000 gehen die gebürtigen Stuttgarter unter dem selben Titel auf Deutschlandtour. Neben "Thomas D.", Michi Beck, "Smudo" und "And.Ypsilon" stehen weitere 18 Musiker auf der Bühne und begleiten die Schwaben bei ihren rund ein Dutzend Konzerten. "Die Tour war einfach notwendig", meint Beck alias "DJ Hausmarke".

Vor mehr als zehn Jahren hatten die Stuttgarter die Charts mit der Single «Die da» erobert. Der deutschsprachige HipHop wurde salonfähig gemacht. Das Quartett war es, das Anfang der 90er Jahre seine Kritik an der Gesellschaft - egal ob Spießertum oder alltägliche Schizophrenie - als Erste mit deutschem Sprechgesang ausdrückten. Bald avancierten die Vier zum Sprachrohr einer Jugendgeneration. Nach erfolgreichen Alben wie "Vier Gewinnt", "Lauschgift" oder "Live und Direkt" kam es im September 2000 zu einem besonderen Konzert: In einer Höhle im Sauerland rappten die "Fanta 4" für die legendäre "MTV Unplugged"-Reihe - ganz ohne Elektronik.

Gespielt werden Songs aus 13 Jahren Bandgeschichte

"Wir wurden in letzter Zeit immer wieder auf unseren Live-Gig angesprochen", erzählt Michi Beck nicht ohne Stolz. Neben dem Hit "Sie ist weg", der komplett neu interpretiert wurde, spielen die vier Musiker auf ihrem Live-Event noch mehr als ein Dutzend weiterer Songs aus 13 Jahren Bandgeschichte. Begleitet werden sie dabei von zum Teil ungewöhnlichen Instrumenten wie einer Subkontrabassflöte oder einer Motorsäge. Aber auch Gitarristen und ein Streicherensemble werden an der "MTV-Unplugged"-Tournee teilnehmen (Start am 5. September in Trier). Zuvor betreten die Vier zu Festivalauftritten in Freiburg, St.Gallen (Schweiz), Stuttgart und auf dem niederrheinischen Festival «Weeze Terremoto» die Bühne.

Nach ihrem im Jahr 2001 erschienen Musikfilm "Was geht - Die Fantastischen Vier", der leicht nach Abschied roch, und ihrem Weggang aus der schwäbischen Heimat war es um die vier Musiker ruhiger geworden. "Stuttgart hatte uns kulturpolitisch nichts mehr zu bieten", versucht der 36-jährige "DJ Hausmarke" den Aufbruch aus der Heimat zu erklären. Alte Strukturen seien aufgebrochen, der persönliche Zusammenhalt innerhalb der Band habe gefehlt. So entschlossen sich die Vier vorerst eigene Wege zu gehen, und Berlin als neue Heimat für sich und ihr Label "Four Music" zu wählen, mit dem sie seit Jahren Bands wie den "Freundeskreis" vermarkten.

2004 kommt das neue Album

Nun arbeiten die «Fanta» an einem neuen Album, das Anfang 2004 erscheinen soll. "Die Schreib-vor-dich-hin-Phase ist aber noch im vollen Gange", meint Smudo. Dies sei auch der Grund, weshalb auf der bevorstehenden Tour nur ein neuer Song mit dem Namen "Titties und Popos" zu hören sei. Für den 35-Jährigen ist Ehrgeiz die wichtigste Motivation, um weiter HipHop-Musik zu machen.

"Außerdem müssen wir in die Geschichtsbücher", meint Smudo unbescheiden. Ein Solomusiker - wie Thomas D., Michi Beck und And.Ypsilon - sei er aber nicht, erklärt der Rapper. Smudo hat in der Zwischenzeit in dem Kinofilm "Poem" mitgespielt und zusammen mit dem Schauspieler Martin Semmelrogge ein Hörbuch aufgenommen.

Lorenz Eichhorn