VG-Wort Pixel

"The Voice of Germany" Als dieser Kandidat für seine Mutter singt, kullern die Tränen


Bei "The Voice" steht die dritte "Blind Audition" an, und die Jury übt sich in Kritik: Kein Gefühl, langweilig. Doch es gibt auch Kandidaten, die laut Michi Beck "Cojones" zeigen - und auch die ganz großen Gefühle bleiben natürlich nicht aus.
Von Ingo Scheel

Expertentum my ass! Zugegeben - es reicht vielleicht auch, die Sache mit dem Musikstudium in Leipzig drei, vier Mal zu erwähnen. Alles darüber beginnt zu nerven. Lustig dennoch zu sehen, wie die Gockel-Fraktion auf den Drehstühlen plötzlich zusammensteht, wenn es gegen die diplomierte Musikantin Catterfeld geht. Samu Hater, Andreas Buuuhrani und die pedantischen Vier - alle vereint wider den Ostzonen-Charme von Yvönnchen. Und sie haben ja nicht ganz unrecht, zumindest beim Blick in ihr eigenes übersichtliches Portfolio: Suomischen Biedermann-Poprock, Sprechgesang und einen Fußballhit bekommt man auch ohne Bafög hin.

Dritte "Blind Audition" bei "The Voice" und an den Nahtstellen reißt da und dort erneut der Saum. Schon in der letzten Sendung, etwa als die wackeren Herren von "Pigs can’t fly" den Heimweg antraten, hatten sich die wirklich brutalen Wahrheiten in jenen Sekunden versteckt, kurz bevor die Mikros runtergedreht werden: "Gut, dass wir die nicht genommen haben", entfuhr es da dem Herrn Bourani, der eben noch musikantensolidarisch Schultern geklopft hatte. Diesmal traf es die durchaus talentierte Laura, die mit ihrem "Hold on, we’re going Home" nur knapp am Sesseldrehen vorbeischrammte, wieder teilte Bourani aus: "Ausgebildete Sängerin, aber gar kein Gefühl." Sätze wie Faustschläge. Der Mann hat gut reden, muss sich ja auch nur auf ein eigenes Lied konzentrieren. 

"The Voice"-Kandidat Jesse verspricht Adrenalinkick

Auch die Fantas puderten diesmal mit Reißzwecken: "Wisst ihr, warum ich nicht gebuzzert hab? Ich fand es einfach sooo langweilig." Nix mit troy sein - ab dafür. Und überhaupt - um nochmal auf Yvonnes Studium zurückzukommen: "Musikstudium - da könnte man ja auch gleich Stricken studieren!", ließ Smudo dann noch hinter den Vorhang schauen, wie es mit seiner Haltung zu Didaktik und musikalischer Bildung aussieht. MfG - Mit freundlichen Grüßen. LmaA - aber lassen wir das. Geht schließlich um die Kandidaten und die glänzten an diesem Abend eher durch abwechslungsreichen Amateurismus denn durch zu erahnende Siegeschancen etwa.

Kontrazyklisch hatte man die härteste Nummer gleich an den Anfang gesetzt. Im letzten Jahr noch hatte Jesse Kolb im Publikum die Hüften geschwungen, diesmal hatten ihm falsche Freunde zugeraunt, er müsse singen. Das Problem: Jesses Musikleidenschaft ist direkt nach Snap stehengeblieben, dafür hat sein Optimismus noch ein paar Runden gedreht: "Ich bin als Typ einfach ein Hammer. Ein Leader. Ein König." Und wer da noch bei Bewusstsein war, bekam mehr Saures: "Ich will, dass jeder einen Adrenalinkick hat. Wenn du da rausgehst, dann Boom Boom Boom. Und setzt du Grenzen, dann verpasst du eine Appetunity." Nun gut - man weiß ungefähr, was gemeint ist. Die Sessel blieben stehen. Heute kein König. Aber Kolb droht mit einem Comeback: "Ich werde beweisen, dass dein Rapper diese Show gewinnt!" Eine These, bei der selbst die Fantas die Nase rümpfen.

"The Voice": Michi Beck bescheinigt Lukas "Cojones"

Bessere Chancen hat da schon der Friedemann: Sieht aus wie Daniel Brühl mit Bart, singt, wie man heut so singt im Spannungs(los)feld der Bendzkos und Oerdings und wird in Zukunft von Yvonne Catterfeld getuned: "Ich möchte Dich begleiten, wie du dich noch offener machst." Bitte keine Karte fürs Kopfkino lösen. Bouranis Lebkuchenherz aus der letzten Sendung war diesmal ein eMusiktrophäe. Nach dem Motto "Mein Hit. Mein Haus. Mein Echo" hatte der doch tatsächlich seine Echo-Skulptur aus dem Schapp geholt und wedelte damit vor einem jungen Mann namens Robin. Michi Beck pikiert: "Findest du das nicht ein bisschen eklig?" In der Tat - bilden Sie einen Satz mit Esel und Karotte. Gut, dass Robin weder I-ah noch ja sagte und stante pede zu Samu ging.

Der Rest im Schnelldurchlauf: Der tapfere Julien gab Kurt Cobain und scheiterte beim Versuch, den Grunge wieder salonfähig zu machen. Shpresim (alle Namen ohne Gewähr) sang den Soundtrack zur Catterfeld-Kontroverse vom Anfang, nämlich den James-Brown-Klassiker "It’s a Man’s World", und blieb damit im Rennen. Ebenso wie Lukas, der nicht nur Boden verlegt, sondern auch Hoden sein eigen nennt, jedenfalls, wenn es nach Michi Beck geht: "Das hat sich nach Cojones angehört", bejubelte der die Version des Schweizers vom AlleMannArschgeweih-Song "Wohin du gehst". Wohin Lina-Marie geht, ist auch klar, wieder nach Hause nämlich, die Tische im Hotel der Eltern decken.

Dehua Hu: Tränen beim letzten "The Voice"-Kandidaten

Zum Finale dann schließlich noch der große Taschentuch-Moment. Erst hangelte sich Fitnesstrainer Dehua Hu engelsgleich an Bruno Mars’ "Talking to the Moon" entlang, um danach ein wehmütiges, chinesisches Lied für seine Mutter zu singen, die er drei Jahre nicht gesehen hat. Tränen, Schniefen, Schneuzen. "Moms are the best" zaubert Samu aus seinem Portfolio mit den Kaffeebecher-Sprüchen. Und leise weint Herr Hu dazu. Bis Sonntag sollten die Tränen getrocknet sein, dann geht es in die nächste Runde.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker