Frank Farian Der Hitzauberer hinterm Mischpult


Mit Boney M. feierte er seine größten Erfolge, als seinen größten Fehler bezeichnet er sein Projekt Milli Vanilli. Musikproduzent Frank Farian feiert seinen 65. Geburtstag - und gibt noch lange nicht Ruhe.

Zu seinem 40. Geburtstag wollte Frank Farian eigentlich in Rente gehen. Heute wird der Musikproduzent und Komponist 65 - doch der Ruhestand ist für den Macher von Boney M. und Milli Vanilli längst nicht in Sicht. Stattdessen startet der von Verkaufserfolgen Verwöhnte und von Musikkritikern Gescholtene eine neue Karriere als Musicalveranstalter. "Ich fühle mich nicht so müde wie vor zwanzig Jahren", sagt Farian in seinem Wohn- und Arbeitsdomizil in Rosbach bei Frankfurt/Main. "Ich breche zu neuen Ufern auf." Im September soll sein Musical "Daddy Cool" im Londoner Westend Premiere feiern.

"Damals war ich ausgelaugt und ausgebrannt", blickt Farian zurück auf die Zeit Mitte der 80er Jahre, in der Boney M. aufgelöst wurde. Doch es gab keine lange Auszeit für Farian, an dem Konzertveranstalter Fritz Rau vor allem "seinen Fleiß" bewundert und der nach eigenen Angaben "mit Handschellen aus dem Studio geschleift werden muss, um Feierabend zu machen": Er startete kurz darauf das erfolgreiche Rockprojekt Far Corporation ("Stairway to Heaven").

Vom Herd zu den Hits

"The Hit-Man", wie Farian auch genannt wird, wurde am 18. Juli 1941 als Franz Reuther in Kirn an der Nahe geboren. Der gelernte Koch wechselte schnell vom Herd zu den Hits, wurde erst Rock'n'Roll-Sänger ("Frankie Farian und die Schatten"), dann Schlagersänger ("Rocky") und schließlich Produzent - auch von Größen wie Stevie Wonder oder Meat Loaf. Seinen Weg aus dem Rampenlicht hinters Mischpult ebnete der Musikverleger Thomas Meisel: "Als der mir sagte, "häng' das Mikro an den Nagel", war ich völlig niedergeschlagen", erinnert sich Farian. Dass er sich den Rat doch zu Herzen nahm, zahlte sich aus. Weltweit verkaufte Farian 800 Millionen Tonträger, mehr als 800 Platin- und Goldauszeichnungen heimste er ein.

Dass Kritiker ihm "Retorten-Pop" vorwerfen, stört Farian nicht. Seine Songs entstünden als Mischung aus spontanen Einfällen und langer Bastelei im Studio: "Am Ende müssen die Mosaiksteine stimmen." Zu seinem Geburtstag zeigt sich Farian "zufrieden, glücklich und dankbar, dass ich so lange meinen Job ausüben konnte und so große Freude mit all meinen Künstlern hatte." Branchenkollege Rau betont "sein Gespür, wie er Musik macht, die nicht nur kurzfristige Hits hervorbringt, sondern jahrelange Bedeutung hat. Als Produzent ist er der Größte - quantitativ und qualitativ".

"Ich gebe nicht auf, bis ich die Milliarde voll habe"

Als größten Fehler bezeichnet Farian, "dass ich mich eingelassen habe auf das Projekt Milli Vanilli, das hätte ich nicht machen dürfen". Mit dem Duo erlebte Farian größte kommerzielle Erfolge, aber auch seinen größten Skandal, als herauskam, dass das Duo keinen einzigen Ton selbst gesungen hatte. So attestiert etwa die "Süddeutsche Zeitung" Farian "Erfahrung im Vortäuschen falscher musikalischer Tatsachen".

Inzwischen strebt der "erfolgreichste Pop-Produzent Deutschlands" ("Die Welt") trotz Krise der Plattenindustrie zu weiteren Verkaufserfolgen: "Ich gebe nicht auf, bis ich die Milliarde voll habe." Kleckern ist die Sache Farians nicht. "London ist nur der Anfang, von dort soll es um die ganze Welt gehen, nach Fernost und Fernwest", gibt Farian die Richtung für das Musical "Daddy Cool" vor. Gemeinsam mit Investoren und Partnern wie den Mackintosh-Brüdern ("Cats", "Miss Saigon") investiert er rund 40 Millionen Euro in das Projekt, das mindestens so erfolgreich wie das Abba-Musical "Mamma Mia" werden soll. New York, Las Vegas, Toronto und Asien nennt er als fest eingeplante Spielorte, in Deutschland stehen bislang Düsseldorf und Berlin auf dem "Daddy Cool"-Tourplan.

"Mein Job ist mein Hobby", sagt der Workaholic, der als Hobby-Architekt ausgefallene Wohnträume verwirklicht. Als Buchautor schaffte er es mit der Abrechnung "Stupid dieser Bohlen" über seinen Erzfeind Dieter Bohlen auf die Bestsellerlisten. Für die Feier seines Geburtstags muss es diesmal der "engste Kreis" tun: Am Morgen danach wird Farian in London erwartet - "Daddy Cool" ruft.

Max Blosche/DPA DPA

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