HOME
TV-Kritik

Let's Dance: Hackfressen-Beschimpfung, der neue Ulli Potofski und eine Rapper-Drohung

Eine Woche ohne "Let's Dance" - das kann nicht gut gehen. Nach fiesen Schlagzeilen und einem üblen Diss gegen Victoria Swarovski melden sich die Promis auf dem Tanzparkett zurück.

von Marie von den Benken

"Let's Dance"

Victoria Swarovski und Daniel Hartwich moderierten zum dritten Mal gemeinsam "Let's Dance". 

MG RTL D

Während die Osterwoche aufgrund des Tanzverbots am Karfreitag völlig ohne "Let's Dance" auskommen musste und der Tanzflur in Köln-Ossendorf leer blieb, widmete sich der Boulevard brandheißen Insider-Infos aus der RTL-Tanzakademie. Vor allem das Investigativ-Magazin "Closer" litt offensichtlich unter heftigen Entzugserscheinungen und wartete mit folgender Exklusiv-Story auf: Ennesto Monte gilt als glühender Verehrer von Sylvie Meis und hatte daher den Moderatorinnen-Wechsel von Meis auf Victoria Swarovski eher umgangssprachlich kommentiert. Niveaugetreu sollen Vokabeln wie "Hackfresse" gefallen sein.

Für jemanden, der mal mit Helena Fürst ins "Sommerhaus der Stars" gezogen ist, schon eine ziemlich gewagte Aussage. Als Reaktion auf den Swarovski-Diss soll Monte (also, der Ennesto, nicht die Schokoladenpuddings) wilde Hass-Anrufe von Victoria-Flüsterer Kay One inklusive veritabler Morddrohung erhalten haben. Kay One ist übrigens ein Rapper. Normalerweise tritt er nur zu dritt auf, aber seine Brüder Kay Ahnung und Kay Geld sind seit einer Weile bei Bushido im Keller eingesperrt.

Girl You Know It's True

Montes größter Erfolg bislang war dagegen die "Bild"-Schlagzeile "Schlager-Star beim Sex in Bank-Filiale erwischt". Ob Helena Fürst beteiligt war, ist unklar. Sicher ist nur: Für den Promistatus von Ennesto Monte kennt das deutsche Alphabet leider keine Buchstaben mehr. Ungerührt davon, dass ein Ex-Sexgefährte von Helena Fürst sie als "Hackfresse" bezeichnet hat, steht Victoria Swarovski übrigens heute Abend wieder an der Seite von Daniel Hartwich dem Tanz-Zirkus vor. Der Hingucker des Openings ist aber eindeutig Jorge Gonzales, der diese Woche mit Milli-Vanilli-Gedächtnis-Extensions antritt.

Zu Hause summt Frank Farian spontan "Baby, Don't Forget My Untertitel" in seine Grammy-Sammlung. Für alle, die sich nicht so gut mit der englischen Sprache und/oder amerikanischen Musikpreisen auskennen, an dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Grammy-Sammlung, weil er jede Menge Awards abgeräumt hat. Nicht Granny-Sammlung, weil er gerne Rentnerinnen nachstellt.

Girl I'm Gonna Diss You

Dann wird endlich getanzt. Ricky Martin ... äh, sorry ... Bela Klentze und Oana Nechiti starten mit dem Cha Cha Cha. Jorge Milli Vanilli Gonzales attestiert "eine bessere Leistung als letzte Woche". Was nicht sonderlich verwundert, da letzte Woche niemand getanzt hat. Motsi Mabuse sieht "eine Verbesserung im unteren Teil des Körpers", Joachim Llambi ergänzt "du hast gut gestanden." Da ich nicht wieder als Zoten-Beauftragte des stern enden möchte, könnt ihr euch aus diesen beiden Aussagen jetzt selber eine Porno-Analogie ableiten. Ihr Ferkel!

In der ersten Werbepause laufe ich quer durch die MMC Studios zu Gebäude 34, um zu checken, ob einige meiner "Promi Big Brother"-Kollegen auf dem Gelände sind. Das lustige C-Promi-Villenspektakel geht ja auch schon bald weiter und wird ebenfalls in Köln Ossendorf produziert. Leider entdecke ich lediglich ein paar Eichhörnchen, die in den Bäumen am "Unter Uns"-Gelände Nüsse durch die Gegend tragen. Wahrscheinlich auf dem Weg in ihr neues Zuhause, der Frisur von Jorge Gonzales. Oder wie Daniel Hartwich sagt: Choche.

Fuffies im Club

Barbara Meier und Sergiu Luca folgen mit dem Paso Doble. Um die Erinnerung an Sylvie Meis lebendig zu halten, erklärt Sergiu den Tanz so: "Eine von die schwierigste Tänze was wir haben in diese Sendung." Dafür legen sie dann mit 26 Punkten direkt mal die Messlatte hoch. Danach versucht sich Jimi Blue Ochsenknecht an einem Tanz, den er bislang nur als Topping für Nachos kannte: Der Salsa. Motsi findet ihn "altentisch". Vermutlich eine Mischung aus authentisch und al dente.

Im Einspieler zu Charlotte zeigt RTL einige Drama-Momente, als Ehemann Sido spontan beim Training vorbeischaut. Vornehmlich, um Profi-Tänzer Valentin Lusin als "größer als im Fernsehen" zu bezeichnen. In Rapper-Sprache heißt das etwa: An Charlotte (Achtung!) Würdig nicht rumbaggern, wenn Dir dein Leben lieb ist. Die Warnung sitzt. Vor allem, weil der Mann mit der Maske neuerdings der Mann mit dem Vollbart ist. Auf AfD-Kundgebungen kann sich Sido jedenfalls damit nicht mehr sehen lassen.

Der Cha Cha Cha kommt aus Kuba, Ingolf Lück kommt aus Bielefeld

Danach prallen zwei Tanzwelten aufeinander. Zunächst Chakall (7 Punkte), danach Thomas Hermanns (26 Punkte). Seinen persönlichen Punkte-Rekord landet mit 22 anschließend Roman Lochmann. Und das trotz des Handicaps, dass seine Profi-Partnerin Katja Kalugina offensichtlich seit Ostern einen Hefezopf auf dem Kopf balanciert.

Iris Mareike Steen kommt barfuß auf die Bühne. In meiner dritten Saison "Let's Dance" ist mir natürlich sofort klar: Das bedeutet Contemporary. Eigentlich immer eine Gelegenheit, alles raus zu hauen. Die noch mit ihrer Fußverletzung kämpfende "GZSZ"-Darstellerin holt allerdings nur 15 Punkte. Der heimliche Star des "Let's Dance"-Formats, Ekaterina Leonova und der Überraschungs-Favorit Ingolf Lück ertanzen sich 19 Punkte. Womöglich, weil Ingolf Cha Cha Cha öfter mal mit Moves Like Jagger verwechselt.

Hauptsache, Alessio geht es gut

Cowgirl Julia Dietze und Django Massimo Sinato tanzen mit ihrem Saloon-Quickstep zu 25 Punkten.

Alessio dagegen ist heute Abend offensichtlich bei Sarah Lombardi, denn Ex-Mann Pietro kümmert sich musikalisch um Romans Bruder Heiko, den zweiten Teil von "die Lochis". Der holt mit Kathrin Menzinger trotz "Señorita" 20 Punkte.

Den Lombardi-Song höre ich heute Abend zum ersten Mal. Leider. Er enthält nämlich ernsthaft Zeilen wie "Add mich bei Snapchat, schick deinen Ex weg. Bist du bei mir, hau' ich dich direkt weg". Das ist also die Kultur unserer Generation. Und ihr habt euch über "Cotton Eye Joe" oder "Hyper Hyper" beschwert.

Die Hohle der Löwen

Den Abschluss macht an diesem lauschigen Frühlingsabend im Kölner Nord-Westen dann Judith Williams und Erich Klann. Die Unternehmerin wird von ihren Hatern gerne "die Hohle der Löwen" genannt. Dafür sehe ich bislang keine Bestätigung. Obschon es heute Abend auch nicht um intellektuellen Feinschliff, sondern um Tanzen geht.

Williams tanzt elegant und souverän und hat mit 45 Jahren eine Figur, für die sich eine Menge 20-Jähriger ein Bein ausreißen würden. Der Jury fehlt jedoch die Erotik. Die Leidenschaft und das Miteinander. Das gibt für Williams-Verhältnisse nach 21, 24 und 26 nur bescheidene 20 Punkte. Versöhnliches gibt es dann aber wenigstens noch von Victoria Swarovski mit dem Satz des Abends: "Ich habe euch nicht aus den Augen verlassen." Auf Österreicherinnen kann man sich eben gelassen.

Es wackeln Iris Mareike Steen, Heiko Lochmann und Chakall. Am Ende schicken die Zuschauer Heiko nach Hause. Chakall ist zum dritten mal Punktletzter der Jurywertung, wird aber von den Fans gerettet. Die lassen Heiko, immerhin angeblich Teil eines Internet-Phänomens, überraschend im Stich. Offensichtlich können seine Fans zwar liken, aber nicht telefonieren. Bleiben zwei Fragen für kommende Woche: Mit wem bei RTL hat Pietro Lombardi eigentlich geschlafen, dass die ihn irgendwie in jede Folge "Let's Dance" reinmogeln? Und: Wird Chakall der neue Ulli Potofski?

Bis dahin: See you on the Dancefloor,

Eure Marie  

Blitzer mit Glitzer(kleid): Anastacia zeigt vollen Körpereinsatz beim italienischen "Let's Dance"