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Hass-Lied "Stress ohne Grund" Bushido bestreitet Aufruf zur Gewalt


Für Bushido lief es musikalisch nicht gut, da kommt die Aufregung um Gewaltaufrufe in seinem neuen Lied "Stress ohne Grund" wie gerufen. Der Rapper wiegelt nun ab: Das Lied sei doch harmlos.

Rapper Bushido hat die heftig kritisierten Aussagen in seinem neuen Lied "Stress ohne Grund" relativiert: "Ich möchte klarstellen, dass es auf keinen Fall ein Aufruf zu Gewalt sein soll", sagte der 34-Jährige in einem Interview mit dem TV-Sender N24. "Es ist natürlich provokant. Ich habe die Mittel genutzt, die mir als Rapper zur Verfügung stehen." Menschen, die jeden Tag Rap hörten, wüssten, wie man mit dem Song umzugehen habe. Reue zeigte Bushido aber nicht: "Ich bin vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Aber ich würde mich jetzt auf keinen Fall entschuldigen."

Als Motiv für die Gewaltfantasien und schwulenfeindlichen Parolen führte der Musiker an, es sei auch eine "Retourkutsche" gegen Leute wie die Grünenchefin Claudia Roth oder den FDP-Bundestagsabgeordneten Serkan Tören, die ihn schon öfter beschimpft hätten. "Wenn ich überhaupt schieße, dann nur mit Wörtern." Gleichzeitig machte Bushido aus seiner Freude über den Erfolg seiner Provokation keinen Hehl: "Am Ende des Tages haben die Leute einfach nur eine Riesen-PR losgetreten und dafür bin ich sehr dankbar", sagte er in dem Interview. Am Wochenende hatte er bereits getwittert: "Auch wenn YouTube das Video entfernt hat, haben wir die 1000.000 Klicks in unter 48 Stunden geknackt!!!!."

Für Bushido lief es in den vergangen Monaten nicht gut. Die Kritiken zu seinem letzten Album "Amyf" - im Herbst 2012 veröffentlicht - fielen eher durchschnittlich aus, seine Konzerte sind nicht ausverkauft. Außerdem machte Bushido wieder vermehrt mit negativen Schlagzeilen von sich reden. So bekam der Rapper im Mai Ärger mit den Steuerbehörden. Ermittler durchsuchten zehn Wohn- und Geschäftsräume in der Hauptstadt und im Berliner Umland.

Berlins Bürgermeister Wowereit stellt Strafanzeige

Den wirtschaftlichen Erfolg könnte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zumindest ein wenig schmälern, indem sie "Stress ohne Grund" für Minderjährige verbietet. Am Montag seien entsprechende Anträge gegen die CD und das im Internet noch einsehbare Video eingegangen, bestätigte die Behörde. Sie kann Lieder auf den Index stellen - dann dürfen sie nur Volljährigen zugänglich sein.

Zusätzlich muss Bushido mit juristischen Konsequenzen rechnen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) stellte Strafanzeige gegen den Rapper. In dem gemeinsam mit Rapper Shindy aufgenommenen Lied werden neben Roth und Tören auch Wowereit und der Comedian Oliver Pocher namentlich genannt und voller Hass angegriffen. So rappt Bushido: "Und ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt." Diese Inhalte hätten Wowereit zu rechtlichen Schritten bewogen, sagte der stellvertretende Senatssprecher. Zum konkreten Tatvorwurf der Anzeige äußerte er sich nicht. Nach dpa-Informationen geht es unter anderem um Beleidigung.

"Dieses Video überschreitet alle Grenzen"

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schaltete sich in die Debatte ein: "Dieses Video überschreitet alle Grenzen. Das ist jetzt ein Fall für die Justiz", sagte der Politiker laut einer Mitteilung. Zuvor hatte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, von Friedrich ein klares Wort gefordert - schließlich tauche er auf vielen Fotos mit Bushido auf. Beck wertete den Liedtext im Radiosender NDR-Info als Aufruf zum Mord an konkreten Personen. Auf eine solche Hetze folge in Deutschland normalerweise eine strafrechtliche Sanktion, sagte er.

Beck betonte, Bushido handele aus "purer Lust an der Provokation". "Weil er musikalisch und künstlerisch nicht viel drauf hat, ist er immer darauf angewiesen, sich durch Aufmerksamkeitserzeugung ins Gespräch zu bringen." Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) verlangte gegenüber hr-online, Bushido solle seinen Integrations-Bambi verlieren.

Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft das Lied bereits seit dem Wochenende. Der Song gehöre "schnellstens auf den Index" äußerte sich Innensenator Frank Henkel (CDU). Bushido bettle mit seinem "menschenverachtenden Machwerk" um Aufmerksamkeit. "Diese verbale Gewaltorgie muss sich niemand bieten lassen", sagte Henkel.

Über die Indizierung des neuen Songs entscheidet ein ehrenamtliches Gremium. Zuvor hat die Plattenfirma eine mehrtägige Frist zur Stellungnahme. Es könne daher rund eine Woche dauern, bis das Lied gesperrt werde, hieß es aus der Bundesprüfstelle. Auf dem Index stehen beispielsweise Lieder, die zu Gewaltverbrechen aufrufen oder Menschen wegen ihres Geschlechts oder der sexuellen Neigung diskriminieren. Indizierte Titel dürfen nur an Über-18-Jährige verkauft werden. An für Kinder und Jugendliche zugänglichen Orten dürfen sie nicht ausgestellt und beworben werden.

mad/DPA DPA

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