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Hasselhoff-Abschlusskonzert: Hossa the Hoff!

Er wird belächelt und immer wieder abgeschrieben. Aber "The Hoff Is Back". David Hasselhoff hat den Abschluss seiner Post-Alkoholismus-Comeback-Tour in Berlin gefeiert. Und bewiesen, dass er die Mutter aller Lady Gagas ist.

Von Sophie Albers

Der Mann ist eine fleischgewordene Showbiz-Tragödie. Vor rund 35 Jahren hat ihn das Showgeschäft eingesogen: Er spielte sieben Jahre lang den jugendlichen Verführer in der US-Kultserie "The Young And The Restless". Dann kaute es ordentlich auf ihm herum: Die Serien "Knight Rider" und "Baywatch" haben Hasselhoff laut "Guinnessbuch der Rekorde" zum "meistgesehenen TV-Star" der Geschichte gemacht. Und dann, als die 80er und 90er vorbei und neue Helden gefragt waren, hat ihn das Showgeschäft im hohen Bogen ausgespuckt. Und was macht Hasselhoff? Er macht einfach weiter - mit einer beeindruckenden, wenn auch etwas surrealen Chuzpe. Davon zeugte auch das Abschlusskonzert seiner Comeback-Tour am Sonntagabend in Berlin.

Nach "Baywatch"

Dass nach "Knight Rider" und "Baywatch" seine beste Zeit vorbei war, liegt vielleicht auch darin begründet, dass The Hoff, wie ihn Fans zärtlich nennen, bereits in den 80er Jahren neben dem Schauspiel eine Gesangskarriere aufgebaut hat. Zwar wurde der heute 58-Jährige in Baltimore geboren und lebt in Los Angeles, doch ist seine Musik das, was man in den USA Eurotrash nennt. Schunkel-Pop, Schlager mit englischen Texten und monotonen Beats. Bei denen Hasselhoff häufig klingt, als sei Englisch nicht seine Muttersprache.

Zu Silvester 1989 sang er an der Berliner Mauer das legendäre "I've Been Looking For Freedom" mit einer Pink-Floydesken Leuchtbirnen-Jacke. Der Song war in Deutschland ein überwältigender Hit, der sich zuweilen bis zu 70.000 Mal am Tag verkaufte. In den USA sorgt Hasselhoffs damaliger Erfolg in Deutschland immer wieder für herablassende Gesten und Worte. Aber es kümmert den Entertainer einfach nicht. Und deshalb war das - nicht ausverkaufte - Konzert in Berlin auch so ein Erfolg.

Jeder kann sofort mitsingen

Der Mann mit den Strahleaugen eröffnete den Abend mit seinem größten Hit "I've Been Looking For Freedom" und dem hoffentlich unfreiwilligen Mielke-Zitat "Ich liebe euch alle". Es folgten Songs, die zwar unterschiedlich heißen, aber durchgehend auf dem gleichen Mitklatsch-Schunkel-Beat aufbauen. Auch das Thema ändert sich kaum, es geht darum, Spaß zu haben: "Fun in the sun", "Everybody happy/ we gonna have some fun", "We gonna get crazy tonight", "Everybody sunshine/ everybody funtime", "Everybody let's have a party" undsoweiterundsofort. Jeder im Temprodrom - von der 71-jährigen Berlinerin, die Hasselhoffs Stimme so schön, das Konzert aber viel zu laut findet - bis zur Endvierzigerin - die bei der einzigen auf Deutsch gesungenen Ballade, für die Hasselhoff eine seiner Töchter auf die Bühne holt, eine Träne wegdrückt - kann sofort mitsingen. Und das ist ganz offensichtlich Hasselhoffs Absicht.

"The Hoff is back" heißt die Tour und soll sein Comeback verkünden, nachdem er 2007 den bisherigen Tiefpunkt seiner Alkoholsucht erreichte: Eine Tochter nahm ein Handyvideo auf, das einen sturzbesoffenen Hasselhoff auf dem Hotelfußboden zeigte, und dieses Video fand den Weg ins Netz. Der Vater hat sich mittlerweile bei der Tochter bedankt, denn dieses Filmchen habe ihm die Augen geöffnet. An diesem Abend in Berlin ist The Hoff jedenfalls so fit, dass er auch trocken zu sein scheint. Die Klamotten wechselt er im Zehn-Minuten-Takt. Die Tanzeinlagen gelingen ihm zwar nicht sonderlich elegant, doch er rennt ständig hopsend und hüfteschwingend über die Bühne.

Und die Stimme wird immer besser - aber nur, wenn er keine Schlager singt. Erster Hinhörer ist "California Girls" von den Beach Boys, dann besagtes deutsches Lied über einen Vater und sein Kind, die des Nachts über die verstorbene Mutter reden, und dann - als Zugabe - eine Seele von Song, der auch zu Frank Sinatra gepasst hätte: "This Time Around". Hasselhoff im Glitzersmoking und mit einer Stimme, die natürlich nicht an Sinatra herankommt, dennoch verblüfft. Aber so, als solle es niemand wirklich merken, dass der Mann auch singen kann, geht es sofort wieder in den Schlager-Schunkel-Sumpf: "Everybody happy?"

KITT ist auch da

Hasselhoff scheint da schmerzfrei: Songs werden mehrfach gespielt (einzige Änderung ist die Show der Tänzer. Ja, The Hoff lässt sich umtanzen!) oder schlicht und ergreifend geklaut. Beeindruckend dreist ist die Tatsache, dass "YMCA" von den Village People offensichtlich Vorlage für gleich zwei Songs war: "Crazy for you" und "You are the hero". Aber das ist den Gliedern der Polonaise, die mittlerweile durch den Saal zieht, herzlich egal. Omas, Töchter und Mütter, Väter und Söhne, Junggesellenpartys und mittelalte Frauen singen, klatschen, lachen - und skandieren immer wieder "David". Manchmal sieht es so aus, als sei The Hoff doch ein glücklicher Mensch.

Garniert wird das alles mit dem Hinweis auf Hasselhoffs größte Erfolge: In Pausen werden auf großen Leinwänden neben der Bühne Video-Mixe zu "Knight Rider" und "Baywatch" eingespielt. Hasselhoff gibt es nur im Paket. Deshalb steht auf der Ankündigung auch "Special Guest: KITT". Das "Knight Rider"-Auto steht im Foyer - mit Hasselhoff-Autogramm auf der Kühlerhaube.

Die beste Zeit des Lebens

Bleibt der Humor des Mannes, der zu Beginn mit Stiefeln auf die Bühne kam, die Gene Simmons von Kiss glücklich gemacht hätten. Das Erstaunliche und Sympathische an Hasselhoff ("The Man, The Myth, The Hoff" wie es so schön auf einem T-Shirt heißt) ist, dass er über sich selbst lachen kann. Dazu muss man nur Videos wie "Jump In My Car" angucken. Allerdings kommt es live noch mal ganz anders rüber. Da ist ein schwerst arbeitender Kerl, der begriffen hat, was die Leute von ihm erwarten, also was Geld bringt. Und er liefert. Und das so umfassend und rigoros, dass man sich manchmal wundert, ob die Zuschauer es nicht durchschauen, denen er für satte drei Stunden das Gefühl vermittelt, die beste Zeit ihres Lebens noch einmal erleben zu dürfen.

Apropos beste Zeit: In der halbstündigen Pause steht ein agiler, frischer Hasselhoff backstage und nimmt im Sekundentakt geladene Fans in den Arm, die mit ihm fotografiert werden wollen. Jeder kriegt einen Blick und wenn ihm was einfällt auch einen Satz. Dabei glotzt ihn von den Wand eine jüngere Version seiner selbst an. "Mister Hasselhoff, vermissen Sie die 80er?" "Ob ich die 80er vermisse?! Nein! Ich BIN die 80er!"

Don't hassle the Hoff!