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Kritik an Corona-Auflagen Hat Nena Recht?

Nena singt bei einem Konzert 2018 in Berlin
Sängerin Nena (Archivaufnahme 2018) plant im August weitere Konzerte. Sie wird unter anderem in Bad Segeberg auftreten.
© Jens Büttner / DPA
"Beim CSD stehen 80.000 Leute eng aneinander": Sängerin Nena hat am Sonntagabend in Berlin ihre Fans zum Regelbruch aufgefordert. Doch mit dem Finger auf andere zu zeigen, hilft nicht.

„Gestern war Christopher Street Day, und es war völlig okay, dass 80.000 Leute eng aneinander auf der Straße waren. Also schaltet den Strom aus oder holt mich mit der Polizei hier runter (...) Ich habe die Schnauze voll davon.“

Nena hat sich am Sonntagabend bei einem Konzert in Berlin gegen die Coronamaßnahmen des Veranstalters gewehrt. Ihr Vorwurf: Die Politik messe mit zweierlei Maß. Während der CSD in Ordnung sei, würden Künstler wie sie zur Einhaltung strenger Regeln gezwungen. In sozialen Medien bekommt sie für ihre Kritik viel Zuspruch. Hat Nena Recht? Sie trifft einen Nerv, doch dann vergeigt sie es.

Die Bilder des CSD in Berlin wirken auf den ersten Blick wie aus einer fernen Vor-Coronazeit. Tausende Menschen demonstrierten vor dem Brandenburger Tor. Bei genauem Hinsehen erkennt man jedoch, dass fast alle eine Maske getragen haben. Der Veranstalter wies im Vorfeld darauf hin, dass auch beim CSD strenge Hygieneregeln gelten (diese sind hier abrufbar).

Unter anderem heißt es: " Es gilt während der gesamten Demonstration ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Meter." Warum diese Abstände nur teilweise eingehalten wurden und warum die Polizei oder Ordner nicht einschritten, wird in den kommenden Tagen aufgearbeitet werden müssen.

Mit ihrer Betrachtung, dass Menschen eng an eng standen, hat Nena also Recht. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. Nicht nur, weil der CSD eine politische Demonstration ist und damit besonderen Schutz des Grundgesetzes steht – das tut die Kunstfreiheit auch. Aber im Gegensatz zu Nena haben die CSD-Veranstalter die Regeln nicht torpediert.

Beim sogenannten "Unter Freiem Himmel"-Konzert, bei dem auch schon Felix Jaehn oder Mia aufgetreten sind, stehen die Zuschauer in sogenannten Cubes. Das sind durch leere Getränkekisten markierte Felder. Diese sollen dazu beitragen, die Abstandsregeln einhalten zu können. Das wusste auch Nena – und hat diese Anordnung mit ihrer Zusage akzeptiert.

Nena könnte es besser machen

"Ich überlasse es in eurer Verantwortung, ob ihr das tut oder nicht, das darf jeder frei entscheiden. Genauso wie sich jeder frei entscheiden kann, ob er sich impfen lässt oder nicht", sagte Nena nach einem Bericht des "Tagesspiegel" zu ihren Fans. Ein Aufruf zum Regelbruch. Und unverantwortlich gegenüber Fans, die sich an die Regeln halten wollten.

Die Wut von Nena auf geltende Coronamaßnahmen mag nachvollziehbar sein. Doch ihre Art und Weise, sie vorzubringen, ist weder vernünftig noch konstruktiv. Warum schreibt sie Bürgermeister Müller keinen offenen Brief? Warum organisiert sie keinen runden Tisch mit Künstlern, Veranstaltern und Ordnungsämtern? Wer, wenn nicht eine Sängerin vom Schlage Nena, könnte sogar mit dem Kanzleramt in Dialog treten?

Stattdessen hat sich Nena dazu entschlossen, mit dem Finger auf andere zu zeigen: Warum dürfen die und ich nicht? Das ist unwürdig und bringt niemanden weiter.


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