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stern-Gespräch

Helene Fischer: "Ich konnte gar nicht mehr alles verarbeiten"

Mit ihren Shows begeistert sie Millionen, doch über den Menschen dahinter ist fast nichts bekannt. Helene Fischer über ihre Wurzeln in Russland, ihre Rolle als Therapeutin der Fans und die Angst vor einem Fischer-Overkill.

Man muss zweimal hingucken, um sie im Tänzer-Gewusel in den unterirdischen Gängen der Dortmunder Westfalenhalle zu entdecken. Helene Fischer mag Deutschlands größter Showstar sein, aber fast ungeschminkt, in Sportleggins und T-Shirt fällt sie wenig auf zwischen den muskelbepackten Akrobaten des Cirque du Soleil, mit denen sie nun auf Tournee ist. Im provisorischen Tourbüro ihres Managers setzt sie sich wenig später aufs Sofa, vor sich ein dampfender Ingwertee. Sie lächelt etwas nervös, sie gibt nur selten Interviews.

Frau Fischer, Sie gehen jetzt mit den Las-Vegas-Legenden vom Cirque du Soleil auf Tournee: mit acht Artisten, zwölf Tänzern, 120 Kostümen und 33 Trucks. Wie wichtig war für Sie, dass diese Tournee die vorherige toppt?

Wir haben bei all meinen Tourneen sehr aufwendig gearbeitet – technisch und auch visuell – und haben Shows kreiert, die auf ihre Weise einzigartig waren. Trotzdem ist Entertainment kein Wettkampfsport für mich. Um Größe ist es mir dabei nie gegangen, sondern immer nur darum, meinen Fans etwas Neues zu bieten. Als im Raum stand, zusammen mit dem Kreativteam des Cirque du Soleil eine Show zu entwickeln, da habe ich ja nicht nach der Anzahl der Trucks oder Kostüme gefragt, sondern habe mich einfach nur gefreut und so schnell wie möglich in die kreative Arbeit gestürzt.

Cirque du Soleil nimmt nur die Besten. Hätten Sie bei solch einem Casting eine Chance?

Als Artistin? Auf keinen Fall. Ich halte mich ja schon für einigermaßen durchtrainiert, aber die Artisten vom Cirque du Soleil spielen in einer ganz anderen Liga. Das Training mit ihnen war für mich die bisher größte Herausforderung.

Machen Sie ein spezielles Training? Wie ein Spitzensportler, der etwas trainiert, was er noch nicht kann?

Ja. Nur mit dem Unterschied, dass ich keine Spitzensportlerin bin (lacht). Als ich vor einigen Wochen zum Akrobatiktraining nach Kanada geflogen bin, empfand ich eine Mischung aus Vorfreude und Respekt vor der Aufgabe. Am Anfang war es natürlich besonders schwer, inzwischen geht es schon ganz gut. Der Respekt aber ist geblieben.

Helene Fischer im stern: "Ich konnte gar nicht mehr alles verarbeiten"

Helene Fischer, 33, beim stern-Gespräch im August kurz vor ihrem Tourstart

Gucken Sie sich manchmal Ihre alten Shows an?

Ich freue mich auf den Tag, wenn ich dazu mal Zeit habe.

Haben Sie Angst davor?

Na ja, man entwickelt sich eben weiter. Ich stelle mir vor, dass ich dann in 40 Jahren auf dem Sofa sitze und erzähle, dass so früher Fernsehunterhaltung ausgesehen hat. Bis ich wahrscheinlich gefragt werde, was denn noch mal dieses Fernsehen überhaupt war.

Die letzten zehn Jahre tourten Sie ja fast durchgehend oder haben eine Platte veröffentlicht. Robbie Williams hat mal gesagt: "Nehmt mir meinen Applaus weg, und ich bin in kürzester Zeit ein Wrack." Sind Sie auch so? Können Sie damit etwas anfangen?

Mir macht meine Arbeit nun mal viel Spaß. Schon die Entwicklung neuer Songs im Studio ist für mich immer wieder eine sehr inspirierende Erfahrung und erfüllt mich. Dann aber mit meinem gesamten Team auf Tournee zu gehen und Livekonzerte zu spielen, das ist der wahre Grund, warum ich diesen Job so liebe.

Tourauftakt in Hannover: Helene Fischer mit ihren Tänzern und Tänzerinnen

Tourauftakt in Hannover: Helene Fischer mit ihren Tänzern und Tänzerinnen

Im vergangenen Jahr sind Sie etwas kürzergetreten.

Das stimmt. 2016 war tatsächlich das erste Jahr meiner Karriere ohne Album und Tour. Da konnte ich mich für einige Zeit zurückziehen und mich endlich einmal nur auf meine Familie und mich besinnen. Ich habe nur noch ganz selten in den Terminkalender geschaut und sehr genossen, auch einmal meinen anderen Interessen nachgehen zu können.

Was sind Ihre Interessen?

Zum Beispiel Sport: Ich habe mich intensiv mit Yoga beschäftigt und war oft draußen in der Natur – ganz ohne Handy! Reisen war mir wichtig, weil ich ja sonst nie Zeit habe, mir auch einmal etwas anzuschauen, wenn ich unterwegs bin. Und auch bei den Familienfesten war ich mal wieder öfter dabei. Das hat mir wahnsinnig gutgetan, meiner Seele und meinem Körper.

Was war das Schönste an dieser Zeit?

Am tollsten war, dass der Zeitdruck weg war und dass ich nicht mehr ganz so sehr im Fokus der Medien stand wie sonst. Ich konnte endlich mal wieder meine Akkus aufladen.

Waren die denn leer?

Ich würde sagen: Die Ladekapazität lag nicht mehr bei 100 Prozent. Besonders in den ruhigeren Momenten merkte ich: Du kannst gar nicht mehr alles verarbeiten, gar nicht mehr genießen, was da alles Schönes mit dir und um dich herum passiert. Es fehlte die Zeit, um zwischendurch auch einmal durchzuatmen.

Sie waren damals überall – im Fernsehen, Radio, in der Werbung.

2014 gab es tatsächlich extreme Phasen, als "Atemlos durch die Nacht" so groß wurde. Die öffentliche Aufmerksamkeit war gigantisch. Ich kann daher die Leute auch absolut verstehen, die das als Helene Fischer- Overkill empfunden haben. Hätte ich wahrscheinlich auch. Nur hatten wir es selbst oft gar nicht in der Hand. Denn die Medien haben sich von sich aus auf praktisch alles gestürzt, was ich gemacht habe. Ich war und bin immer ehrlich zu mir selbst und habe mich dann auch bewusst zurückgezogen.

Wer ist Ihre größte Stütze?

Meine Familie und besonders Florian geben mir Halt. Für meine Eltern habe ich das Lied "Du hast mich stark gemacht" auf meinem Album gesungen. Wenn ich das Gefühl habe: Uff, das wird mir jetzt alles zu viel, dann gehe ich am liebsten eine Runde im Wald joggen, rede mit Florian oder treffe meine Mutter, die mir immer so viel Wärme und Liebe mitgibt, dass ich von einer einzigen Begegnung wahnsinnig lange zehren kann. Am besten versteht mich aber natürlich Florian, bei dem ich mich dann komplett fallen lassen kann. Weil er selbst das Showgeschäft kennt? Ja, das hilft. Mit ihm kann ich über alles sprechen.

Helene Fischer küsst in der ARD-Show "Schlagercountdown - Das große Premierenfest" ihren Lebensgefährten, Moderator Florian Silbereisen. Sie sagt: "Meine Familie und Florian geben mir halt."

Helene Fischer küsst in der ARD-Show "Schlagercountdown - Das große Premierenfest" ihren Lebensgefährten, Moderator Florian Silbereisen. Sie sagt: "Meine Familie und Florian geben mir halt."

Wie oft sehen Sie sich?

Wie jedes andere berufstätige Paar müssen wir uns organisieren. Wenn wir unterwegs sind, dann sehen wir uns seltener, aber wir telefonieren mehrmals täglich. Ich weiß aber, dass er in Gedanken immer bei mir ist. Und wenn wir dann wieder zusammen sind, dann ist es umso schöner.

Wir sind allerdings ein bisschen in Sorge um Ihre Beziehung.

Warum? Was ist passiert?

Wir lasen heute auf dem Cover einer Zeitschrift: "Helene Fischer – zerbricht jetzt ihr Liebes-Glück?"

Ach, ja, das alte Spiel. Was habe ich denn angeblich gesagt?

Sie haben nichts gesagt, die Zeitschrift zitierte Songtexte. Wir waren in Sorge bis eben. Jetzt können wir unseren Lesern mitteilen – alles ist gut. Wie lebt es sich denn als Fantasie der Yellow Press?

Ich versuche, das auszublenden.

Gelingt das?

Das schaffe ich leider nicht immer. Manchmal müssen wir uns juristisch wehren.

Wann klagen Sie?

Für uns ist die Grenze überschritten, wenn zum Beispiel Privatfotos meiner Familie veröffentlicht werden, bei massiven Eingriffen in die Privatsphäre oder auch bei Paparazzi-Abschüssen, wenn ich etwa mit Florian im Urlaub auf Mallorca bin.

Sie leben dort unter ständiger Belagerung.

Es macht mich wahnsinnig, wenn ich die Paparazzi schon morgens sehe. Dann stehe ich den ganzen Tag wie unter Strom.

Hollywoodstars suchen in solchen Situationen gern mal die direkte Auseinandersetzung. Haben Sie das auch mal versucht?

Glauben Sie mir, wir haben alles versucht. Aber man ist da oft machtlos: Wenn ich auf einen Fotografen zugehe, streng gucke und vielleicht Dinge sage, die nicht zitierbar sind, dann drückt eben der Kollege eins weiter auf den Auslöser. Und am Tag drauf gibt es die nächste Schlagzeile. Eigentlich will ich mich nicht von außen bestimmen lassen, aber manchmal überlege ich mir im Urlaub tatsächlich, ob ich überhaupt aus dem Haus gehen soll. Denn ich weiß ja schon vorher, dass uns die Paparazzi wieder verfolgen könnten.

Leiden Sie darunter?

Ja, das belastet mich, auch wenn ich inzwischen nicht mehr so wütend werde wie früher.

Sie werden überall erkannt.

Wenn die Leute nicht mit mir rechnen, werde ich nicht so häufig erkannt. Man sieht eben im Fernsehen doch ganz anders aus. Angeblich wirke ich ja im echten Leben viel jünger. Vielleicht war das aber auch nur als Kompliment gedacht. Wenn ich ganz sichergehen will, dann trage ich einfach Basecap und Sonnenbrille.

Sie haben ein Gesicht, das sich gut tarnen lässt?

Eigentlich ja. Nur die Kinder und Jugendlichen scheinen oft Röntgenaugen zu haben.

Bei Ihrem Lebenspartner Florian Silbereisen inspizierten Boulevardjournalisten auch schon mal die Garage, um Verfängliches zu finden.

Für diese Art von "Journalismus" habe ich kein Verständnis!

Hat Sie das Showgeschäft misstrauischer werden lassen?

Nein, denn in meinem Job überwiegen die schönen Dinge. Ich bin von meinem ganzen Wesen her ohnehin ein positiver Mensch.

Diese positive Sicht auf die Dinge dringt bei Ihnen immer wieder durch in Ihren wenigen Interviews. Da fragt man sich natürlich: Sind Sie wirklich so jemand, der morgens mit einem Lächeln aufwacht und in den Tag hineintanzt?

Auf jeden Fall ist das Leben einfacher, wenn man hauptsächlich das Gute sieht. Natürlich hat auch dieser Job seine Extreme, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Wenn ich die teils tragischen Geschichten von Krankheit und Leid in Briefen meiner Fans lese, dann wird mir immer besonders bewusst, wie viel Glück ich im Leben gehabt habe. Da kommt dann schnell Demut auf.

Laden Ihre Fans zu viel bei Ihnen ab? Sie sind Künstlerin, keine Therapeutin.

Oft berichten Fans, dass ihnen meine Musik tatsächlich geholfen hat und dass sie dadurch neue Kraft gewonnen haben. Und wenn mir das auch nur bei einem Einzigen gelingt, dann habe ich damit doch schon etwas erreicht.

Ihre Eltern sind Russlanddeutsche. Als Sie drei Jahre alt waren, wanderte Ihre Familie von Sibirien nach Deutschland aus. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre alte Heimat?

Ich kann mich an kaum etwas erinnern. Allerdings wird bei uns noch gelegentlich russisch gekocht. Das ist aber auch die einzige Verbindung zu Russland. Ich verstehe zwar die Sprache noch ganz gut, aber sprechen kann ich sie kaum noch.

Sind die Erinnerungen an Russland bei Ihren Eltern ausgeprägter?

Natürlich. Sie haben ja ihr halbes Leben dort verbracht, aber nie viel darüber gesprochen. Meine Eltern wollten immer zurück nach Deutschland.

Haben Sie Ihren Geburtsort Krasnojarsk jemals wieder besucht?

Nein.

Damit haben Sie abgeschlossen?

Trotz aller Neugier war ich bisher noch nicht bereit für diese bestimmt sehr emotionale Reise in die Vergangenheit meiner Familie. Ich weiß, dass es nicht nur schöne Dinge in Russland zu entdecken gibt. Eines Tages möchte ich aber schon mein Geburtsland besuchen, dann allerdings gemeinsam mit meinen Eltern, damit sie mir aus ihrer Vergangenheit berichten können.

Man sagt ja gern, die Russen hätten eine ganz eigene Seele. Spüren Sie eine Seelenverwandtschaft?

Ja, manchmal schon. Viele Menschen in Russland lieben Dramatik und Schwermut. Und obwohl das in meiner Musik kaum zu finden ist – die sprüht ja eher vor Lebensfreude und Leidenschaft –, spüre ich doch manchmal einen gewissen Hang zur Melancholie. Ich liebe zum Beispiel Balladen und versinke praktisch in ihnen. Das ist für mich ein schöner Kontrast zu meiner ansonsten energiegeladenen Musik.

Wann wurde Ihnen das erste Mal bewusst, dass Sie Menschen unterhalten können?

Meine Schwester hat für die Initialzündung gesorgt. Sie hat mich zur Musik gebracht. Nach der Schule wurde die Musikanlage angeschmissen, und dann ging es los: Whitney Houston, Mariah Carey, Céline Dion und auch mal was ganz anderes – so laut und schön wir konnten.

Mit 16 schlossen Sie die Realschule ab und besuchten eine Musicalschule in Frankfurt. Wie wurden Sie entdeckt?

Mein Traum war es immer, eines Tages eine Charakterrolle in einem bekannten Musical zu spielen oder am Theater Karriere zu machen. Dass alles anders kam, ist ja bekannt. Und umso dankbarer bin ich, dass meine Mutter damals meine Demo-CD an verschiedene Plattenfirmen, Produzenten und Manager verschickt hat, wodurch mich mein heutiger Manager entdeckt und mir meinen ersten Plattenvertrag ermöglicht hat.

Schon 2013 beim Echo Music Award in Berlin zeigte Helene Fischer eine akrobatische Showeinlage

Schon 2013 beim Echo Music Award in Berlin zeigte Helene Fischer eine akrobatische Showeinlage

Sie wollten eigentlich gar nicht Schlager singen, sondern Pop?

Na ja, ich hatte von diesem Genre einfach nicht allzu viel Ahnung. Als Jugendliche habe ich wie viele andere meist Pop gehört. Berührungsängste gab es aber keine. Ich habe mich sehr schnell in dieses Genre verliebt und bin am Ende dabeigeblieben.

Und was dachten Sie, als Ihnen gesagt wurde: Deine Zukunft liegt im Schlager, nicht im Pop?

Mein Manager hat mir sehr klar gesagt, dass er meinen Weg im Schlager sieht. Und ich habe ihm da auch voll vertraut. Was hätte denn auch passieren sollen? Spätestens 2005, als ich meinen ersten gemeinsamen Fernsehauftritt mit Florian hatte und wir ein ungarisches Medley sangen, da wusste ich: Diese Sache macht mir wirklich Spaß, da möchte ich dranbleiben und den Weg weitergehen.

Heute gelten Sie als die Frau, die den Schlager mit dem Pop versöhnt hat. Zu den Konzerten kommen ganze Familien.

Ja, es ist toll, mit anzusehen, wie ganz unterschiedliche Menschen bei meinen Konzerten zusammenkommen, um gemeinsam Spaß zu haben. Dieses große Miteinander in Frieden und Freundschaft hinterlässt bei mir jedes Mal wieder ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Es stimmt wirklich: Musik verbindet.

In Deutschland haben Sie inzwischen alles erreicht. Trauen Sie sich eine Karriere in den USA zu?

Das werde ich oft gefragt. Und natürlich ist der Gedanke reizvoll. Trotzdem könnte ich das jetzt nicht beantworten. Dafür habe ich mir hier viel zu viel aufgebaut. Allerdings sollte man ja bekanntlich auch niemals nie sagen. Vielleicht veröffentliche ich ja mal ein paar Songs, um zu sehen, wie das Publikum reagiert.

"Breathless through the night"?

Ja, und natürlich "Heartquake" (lacht). Wer weiß, vielleicht gibt es ja tatsächlich mal ein Album auf Englisch. Das könnte ich mir schon vorstellen. Nur, ob ich dann wirklich die ganze Welt erobern muss? Da bin ich mir nicht sicher.

Ihre Konzerte wirken jetzt schon wie Las-Vegas-Shows. Ist das ein magischer Ort für Sie?

Es ist auf jeden Fall eine sensationelle Inspirationsquelle, und definitiv kann man nirgends sonst auf der Welt Shows, Unterhaltung und Magie in diesen Dimensionen erleben. Ich war vor einiger Zeit dort und habe mir ein paar Shows angeschaut. Bei diesem Besuch kam auch die Idee auf, mit Cirque du Soleil zusammenzuarbeiten. Jetzt, zwei Jahre später, stehen wir kurz vor der Premiere einer Tourneeshow, die wir gemeinsam für mich kreiert haben. Wenn das nicht magisch ist.

Helene Fischer trat natürlich auch bei "Wetten, dass..?" auf

Helene Fischer trat natürlich auch bei "Wetten, dass..?" auf

Was ist Heimat für Sie?

Da beneide ich Florian. Für ihn bedeutet Heimat Niederbayern. Bei mir sieht das schon anders aus: Russland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und jetzt der Norden. Für mich ist Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl. Wenn ich mit Florian zusammen bin, dann bin ich zu Hause.

Sie sind seit 2008 ein Paar. Als Liebesbeweis ließ er sich 2011 Ihr Gesicht auf den Oberarm tätowieren. Wie war Ihre erste Reaktion?

Das hat bestimmt wehgetan.

War es eine Überraschung?

Auf alle Fälle.

Eine gelungene?

Ja, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Sie gelten als Projektionsfläche für die Sehnsüchte, Wünsche und Träume Ihres Publikums. Wie gehen Sie damit um?

Das ist ja nichts Schlimmes, sondern etwas Schönes, wenn ich mit meiner Musik die Menschen erreiche und sie sich damit identifizieren.

Udo Jürgens sagte einmal, dass er sich auf der Bühne selbstbewusster fühle als im wahren Leben. Geht es Ihnen ähnlich?

Ja, das kann ich gut verstehen. Ich merke meine Verwandlung, sobald ich die Bühne betrete. Sie beginnt meist schon bei der Vorbereitung auf die Show – dem Make-up. Ich lasse die private Helene dann in meiner Garderobe sitzen, und raus geht die andere Helene Fischer, die man von der Bühne kennt. Privat ist es mir manchmal schon fast unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. Selbst meine Freunde wundern sich manchmal und fragen mich: Wie schaffst du das, auf der Bühne so aus dir rauszukommen? Sie kennen mich ja sonst eher ruhig.

Und was antworten Sie?

Ich lege eine Art Schalter um, sobald ich die Scheinwerfer sehe. Das innere Feuer ist einfach da, wenn ich die Bühne betrete. Und außerdem ist es ein so erfüllendes Gefühl, vor meinem Publikum zu stehen. Sehr oft erlebe ich eine übermächtige Welle der Liebe des Publikums, die mich durch meine Songs trägt.

Das intensivste Gefühl, das Sie kennen?

Da würde mir schon noch etwas anderes einfallen (lacht).

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Von:

sowie Christian Krug