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HipHop-WM: Dicker Breakdance, fette Beats

Wer würde nicht gern so tanzen können wie die sexy Mädels in den MTV-Videos? Im Rahmen der HipHop-WM in Bremen zeigen junge Leute aller Welt ihr Können mit halsbrecherischen Breakdance-Einlagen zu harten Beats.

Neben der Tanzfläche proben junge Ukrainerinnen in knappen Tops ihre Schrittfolge. Wenige Meter weiter lässt ein tschechischer Breakdancer im Handstand seine Beine durch die Luft wirbeln, einige Amerikaner feilen an der Choreografie. Kurz vor ihren entscheidenden Auftritten bei der achten HipHop-Weltmeisterschaft üben Teams aus der ganzen Welt ein letztes Mal. Sie wollen in Bremen einen der 28 WM-Titel erringen. Seit Mittwoch treten in der Hansestadt mehr als 3000 Tänzer aus 34 Nationen gegeneinander an.

Damit sei die noch bis zu diesem Sonntag dauernde HipHop-Weltmeisterschaft die größte Tanz-WM der Welt, sagt der Vizepräsident der International Dance Organization (IDO), Michael Wendt. "HipHop ist der Tanz, den alle jungen Leute in der Welt tanzen." Jede Nation bringt ihren eigenen Stil nach Bremen. "Man lernt ungemein viel in diesen fünf Tagen", sagt der 17-jährige Sinan Öztürk.

Auch coole Typen haben Lampenfieber

Noch wenige Minuten sind es bis zum Auftritt der Deutschen Meisterin im Solo-HipHop, Laura Pacholski. Die 15-Jährige ist erkältet. "Das ist vor jeder Meisterschaft so", sagt sie. Die Bremerin startet an diesem Tag mit sechs weiteren Tänzerinnen als "Sixth Sense". Zwei Minuten lang hämmern Beats aus den Boxen. So lange haben die Mädchen Zeit, die Wertungsrichter mit ihrer Choreografie zu beeindrucken. Drei Stunden später sucht Tanzlehrer Sebastian Packheiser nach tröstenden Worten für seine Gruppe. Sie hat das Semifinale knapp verpasst.

Klar will jeder gewinnen. "Aber in erster Linie zählt die Freundschaft und der Spaß", sagt der 16-jährige Pedram Zamani aus Essen. Neben ihm steht Pedro Vila, ein 17 Jahre alter Tänzer aus der Nähe von Dortmund. Beide sind Ex-Weltmeister im roboterartigen Tanzstil Electric Boogie, treten in Bremen gegeneinander an - und üben trotzdem zusammen. "Es geht auch darum, sich gegenseitig zu respektieren", erklärt Vila. "Respect" - so steht es auch auf den Anzügen einer Gruppe aus Potsdam. Die Frauen und Männer sind die neuen Weltmeister in der höchsten Altersklasse ab 30 Jahren.

HipHop liegt in den Genen

Die jüngsten WM-Teilnehmer sind gerade sechs Jahre alt. Mütter und Väter aus Tschechien feuern ihre Kinder an. Einige richten Videokameras auf die Tanzfläche. Das Filmverbot ist ihnen egal - die Eltern sind viel zu stolz auf ihren Nachwuchs.

Jung und Alt - HipHop erfasst alle. Die Kultur hat sich aus den US-Gettos der 80er Jahre weltweit verbreitet. "Das ist eine Lebenseinstellung", sagt Öztürk. "Dazu gehören zum Beispiel Streetball, Graffiti, Tanzen. Auch die Klamotten." Die passende Mode gibt es an einem Stand in der Halle: T-Shirts in Größen bis XXXXXL.

Vila jedoch lässt die weiten Hüllen fallen. Bei seinem letzten Tanz im Electric-Boogie-Finale reißt er sich das Hemd vom trainierten Oberkörper. Die Knöpfe springen über die Tanzfläche. Das Publikum sieht Muskeln zucken, die Mädchen johlen. "Musik ist Teil meines Lebens", verrät Vila. Seine Darbietung sichert ihm die Bronze- Medaille.

Christian Läßig/DPA / DPA
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