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Iggy Pop: Wie ein junger Gott...

"Sex, Drugs und Rock'n'Roll" - Energiebündel Iggy Pop rockte sich beim einzigen Konzert in Deutschland durch seine 30-jährige Karriere.

Es war kurz, heftig und genau das was die Fans von ihm erwarteten: Punk-Ikone Iggy Pop (56) ließ es bei seinem einzigen Deutschland-Konzert im Hamburger Stadtpark am Sonntagabend richtig krachen. Das durchtrainierte Energiebündel war in Höchstform, hüpfte wie ein junger Gott über die Bühne, heulte bisweilen tierisch und streckte den etwa 2000 Zuschauern die Zunge entgegen. Nach etwa 70 Minuten ohne Atempause war endgültig Schluss - der exzentrischer US-Sänger gönnte seinen treuen Anhängern nur eine einzige Zugabe.

Musikalisch war der fetzige Auftritt eine Zeitreise durch die 30 harten Jahre im Musikgeschäft des mit bürgerlichen Namen geborenen James Newell Osterburg. Der Name Iggy kommt von seiner ersten High-School-Band, den Iguanas. Am Abend kamen die Klassiker wie "No Fun" und "I Wanna Be Your Dog" aus seiner Zeit als Frontman der legendären "Stooges" ebenso frisch und kraftvoll daher wie das Stück "Drink New Blood" von der letzten Studio-LP "Beat 'Em Up".

Sex and Drugs and Rock'n'Roll

Die radiofreundlichen Titel der letzten 20 Jahre fehlten völlig, wurden aber nicht vermisst. Hier ging es dem sehnigen Ur-Punk und Wegbereiter von Kultbands wie den Sex Pistols völlig ungieniert um "Sex, Drugs und Rock'n'Roll".

Mit "Raw Power" aus dem Jahre 1973 setzten Iggy und seine Band den Ton für den ganzen Abend. Fast nahtlos gingen die energiegeladenen Stücke ineinander über. Bei "Search and Destroy" und "Real Wild Child (Wild One)" wirbelte Iggy mit dem Mikrofonständer, sprang auf die Boxen und zeigte sich in allerlei anzüglichen Posen. "Wir sind ganz toll und auch ein bisschen geil," schrie er auf Deutsch und lächelte dazu.

"Passenger" sorgte für Tumult

Bei dem wohl in Deutschland am bekanntesten Iggy-Lied "Passenger" gab es einen Tumult, als etwa 100 Fans auf die Bühne stürmten. Die Sicherheitskräfte waren überfordert, aber Iggy nicht. Er ging zeitweilig in der Menge unter, um später lachend und gut gelaunt wieder aufzutauchen.

Bei seinem früheren ungesunden Lebensstil scheint es ein Wunder, dass Iggy überhaupt noch lebt. Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie verhalf ihm sein Freund David Bowie zu einer erfolgreichen Solo-Karriere. Der Engländer produzierte auch zwei der besten Iggy-LPs "Lust for Life" und "Der Idiot". In den Achtzigern hatte Bowie sogar mit dem Iggy-Pop-Stück "China Girl" einen Riesenhit.

Zu provozieren ist nach wie vor Iggys Art, nur lebt der Mann aus einer Armensiedlung in Michigan anscheinend gesünder als vor einigen Jahren. Bei seinem Auftritt in Hamburg griff er zwar wiederholt zur Flasche - nach dem Etikett zu urteilen war aber diesmal nur französisches Mineralwasser drin.

Martin Bensley

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