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Interview Bernd Michael Lade: Vom "Tatort"-Kommissar zum Punkrocker

Kürzlich war er noch Gesetzeshüter in Leipzig, jetzt macht er einen auf Punkrocker: Ex-"Tatort"-Kommissar Bernd Michael Lade spielt zusammen mit seiner Frau und Schauspielerkollegin Maria Simon in einer Band. Ein Doppelgespräch über Krawall, Anarchie und den richtigen Bums.

Herr Lade, ist Ihr Band-Projekt Ret Marut eine Folge Ihrer Kündigung als Leipziger "Tatort"-Kommissar Kain?

Lade: Nein, die Band hätte es auch so gegeben. Simon: Bernd und ich hatten ja schon vor seinem "Tatort"-Ausstieg angefangen, miteinander Musik zu machen.

Seit wann gibt es die Band?

Lade: Wir beide haben schnell gemerkt, dass wir gern das gleiche Zeug hören. Und so fingen wir vor etwa vier Jahren an, zusammen Gitarre zu spielen. Irgendwann gab es dann den ersten Song. Simon: Wir sind 2005 damit im Radio aufgetreten - mit einer Drum-Maschine. Die ging auch noch kaputt, und wir mussten sie löten. Lade: Es hatte nicht den richtigen Bums. Also holte ich meinen alten Kumpel Strasser mit ins Boot, der praktischerweise Schlagzeuger ist. Und im vorigen Jahr kam noch unser Basser Tom und machte die Band richtig rund.

Wie sind Sie auf den Namen "Ret Marut" gekommen?

Lade: Unter diesem Pseudonym gab mein Lieblingsautor B. Traven vor 90 Jahren eine anarchistische Zeitschrift raus. Wir fanden, das passt zu unseren Texten.

"Unsere Verse sind unsere Wut... gegen die Kälte in dieser Welt", singen Sie mit einer Leidenschaft, als ob es ums eigene Leben geht.

Simon: Ich stehe auch voll dahinter. Hinter den Texten, hinter unserer Musik. Es ist für mich etwas ganz Großes, mich so ausdrücken zu können - anders als beim Schauspiel.

Die Songs auf "Sommer der Anarchie" klingen wie eine hämmernde Punkrock-Version Ihrer amerikanischen Schauspieler-Kollegin Juliette Lewis.

Lade: Wir kennen ihre Sachen, aber beeinflusst hat uns das nicht. Ich komme ja aus der alten DDR-Punkszene, habe damals schon in Bands wie Planlos gespielt. Lange her. Heute hören wir vor allem Nine Inch Nails und die Smashing Pumpkins. Simon: Die Lewis macht schon eine geile Performance. Ich spiele ja noch Gitarre, das hält mich etwas auf dem Boden, zum Glück, sonst würde ich noch mehr abgehen. Geht nicht, ich habe Kinder.

Für Juliette Lewis war der Rock 'n'Roll der Fluchtweg aus einer "oberflächlichen Welt voller Arschlöcher, in der ich mich sowieso nie wohl gefühlt habe".

Lade: Das ist nicht unser Gefühl. Wir lieben unseren Job als Schauspieler sehr. Aber wir sind eben Künstler und suchen auch nach anderen Ausdrucksmöglichkeiten.

Sie wechseln jetzt also nicht das Fach und wollen Rockstars werden?

Lade: Nein, wir sind auch keine singenden Schauspieler. Wir spielen da auch keine Rolle. Wir sind in der Band, wie wir sind - als Menschen. Simon: Das zeigen auch die Texte. Es geht da um unsere Gedanken, Gefühle, Probleme, und die wollen wir mit anderen teilen. Wir singen nicht "Hallo Baby", sondern machen uns einen Kopf, regen uns auf. Das muss raus.

Die Band, das anstehende Tour-Programm - ist das für Sie ein Zweitjob, eine neue Liebe? Oder, wie es in einem Song heißt, Familientherapie?

Lade: Die Band ist uns wichtig. Und vieles, was wir im Schauspielerberuf gelernt haben, fließt da auch rein. Manch großer Satz, den wir von Goethe oder Shakespeare kennen, findet sich in unseren Texten. Das hebt. Wir arbeiten jeden Tag daran, bessere Menschen zu werden. Also auch Therapie.

Sie haben zusammen zwei kleine Kinder, den Film, das Theater und die Punkband - und wie viele Terminkalender?

Simon: Keinen. Es klappt irgendwie, und das ist auch gut so.

Überrascht gewesen, dass schon nach dem zweiten Konzert der Band ein Plattenlabel ins Studio rief?

Lade: Nicht nur überrascht, wir haben uns riesig gefreut. Es ist ein kleines Label, und das passt zu uns.

Wäre das auch ohne Ihre Prominenz so gelaufen?

Simon: Wir finden uns schon gut. Aber es hilft bestimmt. Lade: Auch ohne Album hätten wir weiter gemacht. Es macht Spaß. Ich kann nur jedem empfehlen: Macht Musik, selbst wenn Ihr nur auf Bleche haut, und versucht, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.

Mehr zu ihrem Album und der anstehenden Tour auf der Homepage der Band

Interview: Dieter Krause