Jan Delay "Einen Tag flashen, fünf Tage Handwerk"

Fett und funky ist das neue Album von Jan Delay geworden. Der Hamburger Musiker hat sich an groovige Bläsersätze à la 70er Jahre gewagt und anderthalb Jahre an "Mercedes Dance" gefeilt. Mit Erfolg - das Album ist auf Platz eins der deutschen Charts gestiegen.
Von Kathrin Buchner

Der alltägliche Wahnsinn eines jeden Musikjournalisten: Jeden Tag landen stapelweise CDs auf seinem Schreibtisch und man muss die Spreu vom Weizen trennen. Gottseidank gibt es immer wieder Namen, bei denen man sofort aufmerksam wird: Der Hamburger Musiker Jan Philipp Eißfeldt alias Jan Delay zum Beispiel, der mit den Absoluten Beginners 1998 die Deutschrap-Szene kräftig aufgemischt hat. Mit seinem gesellschaftskritischen Album "Searching For the Jan Soul Rebels" sorgte er 2001 für Aufsehen. Sofort die CD reingeschoben. Welch Überraschung, da bellt einen gleich ein Hund an. Zwischendurch wiehern ein paar Pferde. Die Hamburger Szene komplett auf Naturflash? Nach Blumfelds "Apfelmann" und Kantes "Die Tiere sind unruhig" scheint jetzt also auch HipHop-König Jan Delay voll auf den Hund gekommen?

"Es gibt Leute, die checken es nie", erfahre ich auf Nachfrage beim Meister selbst. Es handle sich hier um eine absichtliche Verschlechterung des Sounds, damit die "Journalistenschweine", so Jan Delay wörtlich, nicht schon Wochen vorher die Platte ins Netz stellen. Schließlich habe er seinen kompletten Vorschuss in die Arbeiten zu dem Album gesteckt, die immerhin anderthalb Jahre gedauert haben. Und weil er weiterhin von der Musik leben möchte, sollen die Leute das Album kaufen und nicht illegal runterladen.

"Mercedes Dance" schwere Geburt

Ja, dafür hat man auch als "Journalistenschwein" durchaus Verständnis. Entgegen der herkömmlichen Vorstellung von einem wilden Leben voll Sex, Drugs and Rock' n' Roll steckt hinter Musik harte Arbeit - gerade dann, wenn es sich nach purem Spaß anhört. Anderthalb Jahre ist Jan Delay für "Mercedes Dance" täglich im Studio gesessen, es war "eine schwere Geburt", so Delay. "Ich wollte auf der einen Seite die Beats, die alles wegknallen, und den druckvollen Sound von heute haben, auf der anderen Seite aber auch die Dynamik der 70er Jahre Funk- und Jazzplatten mit Bläsersätzen. Aber wenn man die live gespielten Sachen über die Computertracks legt, hakt es total, es pumpt nicht. Das war eine fast unlösbare Aufgabe".

Gelöst hat Jan Delay diese schwere Aufgabe aber doch noch, mit Hilfe seiner Produzenten Matthias Arfmann und Tropf und mit viel Disziplin. "Es ist nicht so, dass einem ständig das kreative Feuerwerk durch den Kopf schießt. Einen Tag flasht es, fünf Tage ist man damit beschäftigt, die Ideen in Bahnen zu lenken, es gut klingen zu lassen, und einen Tag macht man Pause. Aber aufgrund dieses Moments, wo alles sprießt und man glücklich durchs Studio tanzt, hat man kein Problem damit, die anderen Tage durchzuarbeiten."

"Gasthaus zum lachenden Stalin"

Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt: Herausgekommen ist ein grooviges Album mit fetten Beats, einem warmen Klang und herrlich-absurden Songtiteln wie "Gasthaus zum lachenden Stalin" oder "Kartoffeln". Und an die Tiergeräusche zwischendurch kann man sich fast gewöhnen. Vielleicht sollte Jan Delay aus der Not eine Tugend machen und eine Journalisten-Kopier-Abschreck-CD als limited Edition in den Handel geben.


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