John Lennon Ein Beatle kommt ins Rentenalter


Er galt als der intellektuelle Beatle und setzte sich immer wieder für politische Belange ein. Vor genau 65 Jahre wurde John Lennon geboren - und ist noch heute für viele ein Idol.

In den 70er Jahren kämpfte er gegen die Auslieferung in seine britische Heimat wegen Rauschgiftbesitzes, nach seiner Ermordung wurde er dort wie überall zum überlebensgroßen Monument der Popkultur stilisiert: John Lennon, geboren am 9. Oktober 1940 in Liverpool und ermordet am 8. Dezember 1980 in New York. Der Flughafen seiner Geburtsstadt trägt heute seinen Namen, von den Lennon-McCartney-Beatles-Klassikern bis zu seinen Solo-Erfolgen "Imagine" und "Give Peace A Chance" ist seine Musik unvergessen und prägt seit Jahrzehnten Generationen neuer Popmusiker.

Geliebt, gehasst und unvergessen - auf John Lennon trifft das alles zu. Geliebt von Millionen Fans, gehasst von nicht wenigen Leuten, die sich von dem ebenso verletzlichen wie verletzenden Heißsporn provoziert fühlten: Nachdem Lennon in einem Interview erklärt hatte, die Beatles seien bekannter als Jesus, wurden in den 60er Jahren im amerikanischen Bibelgürtel Alben der Fab Four verbrannt. Und auch mit Protestsongs wie "Woman Is The Nigger Of The World", "Power To The People", "Instant Karma" oder Urschrei-Happenings wie "Mother" eckte der Beatle und Exbeatle an; selbst bei Fans unpopulär war seine Liebe zu Yoko Ono. Die japanische Avantgarde-Künstlerin war für viele das Biest, das die Beatles auseinander gebracht hatte. John Lennon war aufbrausend und jähzornig - mit "Jealous Guy" versuchte er, sich wieder bei Yoko einzuschmeicheln.

Lennon nutzte seinen Ruhm für politische Zwecke

Er hatte einen unwiderstehlich sarkastischen Humor mindestens wie Groucho Marx: Bei einem Beatles-Konzert in der Londoner Royal Albert Hall forderte er die auf den billigen Plätzen auf, zu klatschen - die vorne sollten aber mit ihrem Schmuck klimpern. Lennon schrieb nicht nur Lieder, er veröffentlichte auch Bücher wie "In His Own Write" und "A Spaniard In The Works" und spielte in dem Antikriegsfilm "Wie ich den Krieg gewann" mit. Und er war eines der ersten Pop-Idole, die ihre Berühmtheit offen für politische Ziele einsetzten: Legendär das "Bed-In" für den Weltfrieden mit Yoko Ono 1969 in einem Montrealer Hotel. Der alle Vorstellungen des 20. Jahrhunderts sprengende Beatles-Ruhm ließ John Lennon zu einer mythischen Figur werden, die weit mehr als ein "gewöhnlicher" Star Lebenseinstellungen und -entwürfe prägte.

Zunächst behielt sich die Jugend ihren Helden vor. Im Laufe der Jahre wurden aus den "Babyboomern" der 60er, 70er und 80er Jahre die gesetzten und älteren Herrschaften des 21. Jahrhunderts. Für die heute jungen Menschen geht von Lennon die Faszination eines alten Meisters aus, der lange vor ihrer Zeit lebte. Für Yoko Ono ist es natürlich etwas Besonderes, "mir John mit 65 vorzustellen und mir auszumalen, was er wohl heute machen würde, wenn er noch unter uns wäre", zitiert die Plattenfirma EMI-Capitol die Lennon-Witwe. "Er wurde als 'Mann des Jahrzehnts' geehrt - das war vor 35 Jahren. Inzwischen ist er ein Mann des Jahrhunderts und der Zukunft. Seine Arbeit inspiriert alle Menschen und seine Stimme erreicht den ganzen Planeten." Ono sagt das anlässlich einer weiteren posthumen Veröffentlichung, der Doppel-CD "Working Class Hero - The Definitive Lennon". Schon ein Vierteljahrhundert gelingt es ihr, Lennons Name und Musik mit nahezu jährlichen Events und Veröffentlichungen auf der Tagesordnung eines immer schnelllebigeren Musikgeschäfts zu halten.

Neue "Enthüllungen"

Eine andere Hinterbliebene schlachtete den Ruhm dagegen auf andere Weise aus: Cynthia Lennon, Freundin aus Teenagertagen in Liverpool, Ehefrau von 1961 bis 1968 und Mutter von Julian Lennon, feuerte mit dem Enthüllungsbuch "Try to See it My Way" eine Breitseite auf ihre Nachfolgerin und auch auf Ex-Ehemann Lennon ab. Der, so klagt Cynthia, habe den Sohn Sean bevorzugt, den Yoko genau am 35. Geburtstag des Ex-Beatle zur Welt brachte. Der ältere Sohn Julian hingegen sei weitgehend ignoriert und obendrein vom Erbe ausgeschlossen worden. Während er "für Frieden und Liebe in der Welt eintrat", schrieb Julian im Vorwort, sei es für Vater Lennon "zugleich sehr schwer gewesen, irgendwie Frieden und Liebe für seine erste Familie zu finden, für meine Mutter und mich".

Und der Autor Albert Goldman wärmte in seinem Buch "The Lives of John Lennon" Spekulationen auf, wonach Beatles-Manager Brian Epstein sich in schwuler Liebe zu John verzehrte und wegen dessen Beziehung zu Yoko Ono Selbstmord begangen haben soll. Kein Wunder, dass Ono auf die Reporterfrage nach der "bedeutendsten Hinterlassenschaft Lennons" dessen Song "Just Gimme Some Truth" nannte. "Alles, was ich will", heißt es da, "ist die Wahrheit."

An Lennons Nimbus wird all das nicht groß kratzen. Er bleibt als Provokateur und Friedensstifter, als Zyniker und Träumer in Erinnerung und mit seiner Musik ein Vorbild, wie es nur wenige Künstler werden.

AP/DPA


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