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Der Musiker im Interview: "Wir werden zu Puritanern": Marius Müller-Westernhagen über #MeToo

Er kann mit der Gegenwart offenbar wenig anfangen: In einem Interview übte Marius Müller-Westernhagen harsche Kritik an modernen Erscheinungen wie soziale Medien oder der #MeToo-Debatte. Eine Sache macht ihm jedoch Hoffnung.

Marius Müller-Westernhagen

Marius Müller-Westernhagen fremdelt mit der Gegenwart

1978 nahm Marius Müller-Westernhagen sein Album "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" auf, das ihn als Musiker bekannt machte und ihm den Durchbruch bescherte. Mehr als 40 Jahre später hat der heute 70-Jährige das Album noch einmal neu eingespielt. 

Die "Bild" nahm dies zum Anlass für ein ausführliches Gespräch mit dem Musiker. Darin zeigte sich Müller-Westernhagen vom modernen Zeitgeist weitgehend unbeeinflusst. So kann er mit der jungen Generation nur wenig anfangen. "Junge Menschen wollen heute wie ihre Eltern sein, aber alles noch ein bisschen besser, ein bisschen reicher, ein bisschen angesehener", sagt er der Zeitung. Kritisch sieht er auch die sozialen Medien. Die hätten das Leben zu einem Laufsteg gemacht, jeder müsse sein Image verteidigen.

Marius Müller-Westernhagen will sich den Mund nicht verbieten lassen 

Auch andere neue Tendenzen sieht der Rocksänger kritisch. Die #MeToo-Bewegung hält er zwar "vom Gedanken her vollkommen richtig". Doch die weitere Entwicklung nach Weinstein bezeichnet er als "überdreht und dadurch hysterisch". Es würden Karrieren vernichtet, die es nicht verdient hätten. Man müsse "die Zeit mit in Betracht ziehen", plädiert er. "Ich fürchte, es wird damit enden, dass wir zu Puritanern werden. Man weiß bald gar nicht mehr, wie man sich richtig verhält."

Die Sprache will sich Westernhagen nicht verbieten lassen. Auch in der neuen Version verwendet er in seinem Song "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" das Wort "Neger" - für ihn ist die Verwendung unproblematisch. Er sei schließlich mit einer schwarzen Frau verheiratet, deshalb könne ihm niemand Rassismus unterstellen. 

Überhaupt beschäftigt ihn das Thema Sprache. Vor allem die zunehmende Vereinfachung bedrückt ihn. Als Beispiel führt er die Bezeichnung Schnipo für Schnitzel mit Pommes an. "Es gibt Leute, die schreiben, tippen und gut formulieren können, aber sie haben verlernt, miteinander zu kommunizieren." Das führe auf Dauer zu Isolation.

Bob Dylan prägte seine Generation

Tatsächlich ist Westernhagen in vielen Dingen der Meinung, früher sei alles besser gewesen. So sei seine Generation von Musikern wie Bob Dylan geprägt worden. Heute sei dagegen alles auf Masse programmiert. "Man macht keine Filme mehr, bei denen man nachdenken muss", führt er als Begründung an.

Insgesamt eine düstere, pessimistische Zustandsbeschreibung. Einen Hoffnungsschimmer hat Marius Müller-Westernhagen immerhin entdeckt: Die von Greta Thunberg angestoßene Klimabewegung. Die Welt ist offenbar doch noch nicht ganz verloren.

Quelle: "Bild"-Zeitung

che