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Talkshow "3nach9": Sind wir zu dumm für Demokratie? Westernhagens selbstgereche Thesen

Digitalisierung ist gefährlich und die Leute sind zu dumm für Demokratie: Mit seinem Auftritt in der Talkshow "3nach9" sorgte Marius Müller-Westernhagen für Kopfschütteln - bekam aber Unterstützung von einem weiteren Gast.

Marius Müller-Westernhagen

In der Talkshow "3nach9" redete sich Marius Müller-Westernhagen um Kopf und Kragen.

hätte an diesem Abend allen Grund zur Zufriedenheit gehabt. Vor wenigen Wochen hat er mit der Rückgabe seiner sämtlichen Trophäen maßgeblich dazu beigetragen, dass der Musikpreis Echo eingestellt wird. Er hat mit dieser Aktion ein Musterbeispiel für politisches Handeln abgeliefert und gezeigt, dass sich in diesem Land etwas bewegen lässt.

Doch der Musiker kam in einer anderen Mission in der Talkshow "3nach9". Er wollte einmal grundlegend abrechnen. Mit der , der Gesellschaft und der Jugend von heute. Mahnende Worte sprechen. Dazu fühlt sich der 69-Jährige aus einem Grund berufen: "Ich finde, dass Menschen, die sehr lange gelebt haben und die schon sehr viel gesehen haben, immer dazu angehalten sind, zu warnen vor Tendenzen, die sie sehen allein aufgrund ihrer Erfahrung." Auf gut deutsch: Ich bin älter als ihr und deshalb habe ich recht. 

Marius Müller-Westernhagen ledert ab

Doch was sind - neben der Digitalisierung - die "Tendenzen", die der Weise aus Düsseldorf sieht und vor denen er warnt? Da ist zum einen der Klassiker des Kulturpessimismus: Die Leute sind zu dumm für . Man könne eine Herrschaft nur ausüben, wenn man kompetent sei, wenn man sich interessiere, so Westernhagen. "Die meisten sind in einer Art und Weise entpolitisiert, das ist nicht mehr zu ertragen."

Ob das denn früher besser gewesen sei, will nun Moderator Giovanni di Lorenzo wissen. Ein kluger Einwand, der einen Dampfplauderer zur Besinnung bringen könnte. Nicht jedoch Marius Müller-Westernhagen. Der räumt kurz ein, dass früher natürlich auch nicht alles besser war. Macht aber eine Ausnahme: die Zeit, als er selbst jung war. Damals seien "wir" politisch und gesellschaftlich interessierter gewesen.

Für seine an Selbstgerechtigkeit kaum zu ertragenden Sätze bekommt der Musiker tatsächlich noch Unterstützung aus der Runde. Während die meisten Gäste betreten schweigen, befeuert Fernsehköchin Sarah Wiener die Thesen noch und geht sogar noch weiter. "Unsere Generation ist vom rechten Weg abgekommen", sagt sie. "De facto ist es so schlimm wie nie."

Bildung hilft

Dem will dann zwar keiner zustimmen, aber Westernhagen nimmt den Faden wieder auf und sekundiert, die Menschen seien. egoistischer, opportunistischer, konformistischer geworden.

Dann erteilt er den Zuschauern noch eine Lektion in Altgriechisch und erklärt, was das Wort Demokratie eigentlich bedeute. In dem Punkt hat Westernhagen natürlich Recht: Bildung kann immer weiterhelfen. Gingen seine sprachlichen Kenntnisse über dieses eine Wort, wüsste er, dass die Kritik an der so alt ist wie die menschliche Gesellschaft. Schon den alten Griechen äußerten sich kritisch über die jeweils kommende Generation.

"Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen."

Diesen Aristoteles zugeschriebenen Satz hat der Philosoph so zwar nie geäußert, doch er zeigt, dass es Kulturpessimismus schon seit Tausenden von Jahren gibt. Marius Müller-Westernhagen hat hier einfach nur einen alten Hit neu aufgewärmt. 

che