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Echo-Skandal: Westernhagen: Farid Bang und Kollegah sollte man mal durch Auschwitz führen

Der Echo sorgte mit einer Antisemitismus-Kontroverse für Aufregung. Aus Protest schickte Marius Müller-Westernhagen seine Auszeichnungen zurück. Nun legt der Musiker in einem Interview wortreich nach: "Gut, dass dieser Preis jetzt vom Tisch ist."

Echo: Klartext von Marius Müller-Westernhagen

Musiker Marius Müller-Westernhagen bekommt während der 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo einen Echo in der Kategorie "Lebenswerk" (Archivibild)

Nicht zuletzt durch Marius Müller-Westernhagen ist nach 27 Jahren eine Ära zu Ende gegangen: Der Echo-Musikpreis ist Geschichte. Aus Protest gegen antisemitische Textzeilen der Rapper Farid Bang und Kollegah, die bei der Preisverleihung auftraten und prämiert wurden, schickte der Kult-Rocker seine insgesamt acht Auszeichnungen zurück. Viele Künstler folgten dem Beispiel des 69-Jährigen. Nun legt Westernhagen in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" nach - und zählt die Skandalrapper, die Veranstalter und Musikbranche wortreich an.

Marius Müller-Westernhagen kritisiert Echo

"Es geht nur noch darum, mit aller Macht die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzielen", beklagt der Musiker in der Zeitung und attestiert der Musikbranche "eine erscheckende Unwissenheit": Vermutlich habe niemand gewusst, dass am Tag der Echo-Verleihung auch der Holocaust-Gedenktag stattgefunden hat. Aber so oder so: "Als Künstler hätte man den Echo eigentlich von Anfang an boykottieren sollen", so Westernhagen. "Künstlerisch gab der nie was her. Es ging hier fast nur um Verkaufszahlen."

Der 69-Jährige stellt daher auch die Bedeutung des Preises in Frage. "Platten verkaufen, das ist kein Verdienst. Das können, wie man sieht, auch die Beschränkten", sagt der Musiker in Bezug auf Kollegah und Farid Bang. "Für mich war jetzt einfach eine Grenze überschritten. Seit der Sache mit den Rappern war der für mich tot." 

"Gut, wenn man sie durch Ausschwitz führen würde"

"Wenn politisch gezündelt wird und keiner mehr wissen will, wer eigentlich die Nazis waren und was der Antisemitismus in der Welt schon alles angerichtet hat, dann kann der Aufschrei gar nicht laut genug sein", so Westernhagen weiter. "Für Farid Bang und Kollegah wäre es vielleicht auch mal gut, wenn man sie durch das Lager Auschwitz-Birkenau führen würde." Wobei: "Wahrscheinlich wäre ihnen das sogar wurscht." 

"Es geht hier übrigens auch nicht um zwei Rapper-Jungs, die was Blödes gesagt haben und nun zu Recht einen auf den Deckel kriegen", ergänzte der Musiker. "Das Problem ist tiefergehend. Das Problem ist die Verrohung der Gesellschaft insgesamt. Darüber sollten wir sprechen." Müller-Westernhagen fordert eine neue Wertediskussion. "Aufzufallen, das ist im digitalen Zeitalter wirklich nicht schwer. Aber offensichtlich gibt es immer weniger Menschen, die die Folgen bedenken können", sagte er. 

Um den Musikpreis, wie geplant, zu reformieren, brauche es laut Westernhagen "eine Jury aus Musikschaffenden". Jetzt gehe es darum, "eine neue, glaubwürdige Auszeichnung auf den Weg zu bringen, die künstlerische Qualität und Vielfalt abbildet." Sollte der federführende Bundesverband der Musikindustrie das nicht hinbekommen, "kann ich mir nicht vorstellen, dass sich noch irgendein relevanter Musiker für so etwas vor den Karren spannen lässt." 

Netzreaktionen zum Echo-Aus
fs/Mit Material der DPA