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Mathias Döpfner im stern-Interview: "Wagner war ein Giftmischer"

Für Springer-Chef Mathias Döpfner war Richard Wagner als Mensch ein Rassist - als Künstler jedoch ein Radikalerneuerer. Döpfner ist vom Fach: Er startete seine Laufbahn als Musikkritiker.

Von Stephan Maus

Springer-Chef Mathias Döpfner ist abgestoßen von dem Menschen Richard Wagner. "Er war ein Antisemit. Egoman. Geizig. Rücksichtslos", sagt er in der neuen Ausgabe des stern. Wagner verkörpere alles, was einen unangenehmen Menschen ausmacht, so Döpfner, der seine Karriere als Musikkritiker begann. Doch dem Werk des Komponisten gesteht der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG große Verführungskraft zu: "Wagner war ein Giftmischer. Ein Drogendruide. Vor allem 'Tristan und Isolde', Höhepunkt der Zaubertrankmischerei." Als Mensch sei Wagner reaktionärer Rassist gewesen, als Künstler Radikalerneuerer.

Die Beliebtheit der Bayreuther Festspiele bei den Erfolgreichen und Mächtigen erklärt Döpfner mit dem Thema von Wagners "Ring des Nibelungen": "Insbesondere im 'Ring' setzt sich Wagner wie kein anderer Opernkomponist mit Macht auseinander", sagte Döpfner im stern-Gespräch. "Das ist das mit allen machiavellistischen Tiefenschichten ausgestattete Opus Summum über Macht, Machtbesessenheit, Machtmissbrauch und Imperienbildung, über die Spannungen zwischen Geld und Liebe. Wagner zeigt die Traurigkeit und die Einsamkeit der Machtbesessenen. Ihre Trostlosigkeit." Seine eigene Macht betrachtet er nicht als trostlos. "Ich bin ein lebensfroher Mensch", so Döpfner zum stern.

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