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Interview

Sänger Max Giesinger: "Gerade jetzt rückt man wieder mehr zusammen"

Er gibt Wohnzimmer-Konzerte und textet seine Single für den guten Zweck um: Ein Gespräch mit Musiker Max Giesinger über Solidarität in Zeiten von Corona – und neu entdeckte Talente am Herd.

Max Giesinger

Musiker Max Giesinger gehört zu den Künstlern, die sich währen der Corona-Krise für andere engagieren

DPA

Herr Giesinger, eigentlich wären Sie jetzt auf Tour, stattdessen müssen alle zu Hause bleiben. Was machen Sie den ganzen Tag? Wie vertreiben Sie sich Ihre Zeit?

Nachdem ich fünf Jahre fast nur unterwegs war, war es die ersten paar Tage schon sehr ungewohnt für mich zu Hause bleiben zu müssen. Ich konnte der Situation aber schon bald Gutes abgewinnen. Ich schlafe jeden Tag bis 9.30 Uhr. Dann spiele ich sehr viel Klavier. Die Kreativität sprudelt, weil Zeit da ist und ich nicht ständig das Gefühl habe, dass ich draußen etwas verpassen könnte. Ich habe die letzten zwei Wochen mit ganz vielen alten Freunden telefoniert. Gerade jetzt rückt man wieder mehr zusammen.

Wann kam die Idee, Ihre aktuelle Single "Nie besser als jetzt" umzutexten in "Nie stärker als jetzt"?

Die Idee kam mir bei meinem allerersten Livestream-Konzert. Dort sang ich voller Inbrunst "Es wird nie besser als jetzt" und kam mir dabei ganz schön doof vor. Leider passte die Aussage einfach gar nicht mehr in die aktuelle Zeit. Da dachte ich mir, warum die Nummer nicht umschreiben und den Menschen widmen, die die Hütte hier am Laufen halten. Die mussten nämlich noch nie "stärker als jetzt" sein.

Die Einnahmen aus dem Song werden komplett gespendet. Wissen Sie schon, was mit dem Geld konkret passiert?

Das Geld geht an "RTL - Wir helfen Kindern: Gemeinsam gegen Corona". Dort hat man sich zum einen dem Kampf gegen Kinderarmut verschrieben und hilft Kids aus Brennpunktfamilien. Grade während der aktuellen Phase müssen Kinderhäuser schließen. 

Das bedeutet, dass das ganze Leben zu Hause stattfindet. Dort bekommen die Kleinen so gut wie keinen Input. "Wir helfen Kindern" stellt Lernmaterial, Spiele und Malsachen, damit sich das Leben nicht nur vor dem TV abspielt. Die zweite Säule ist die Unterstützung des Vereins "Nestwärme", der sich um schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche in der mobilen Pflege kümmert. Die Pflegedienste haben wegen den aktuellen Hygienemaßnahmen massive Probleme und brauchen mehr Kräfte, damit die Kinder am Ende nicht in die Krankenhäuser müssen, die momentan schon wegen Corona überlastet sind.

Gibt es jemanden aus Ihrem Bekanntenkreis, der an Covid-19 erkrankt ist?

Ja, sogar mehrere Personen. Bei allen war der Krankheitsverlauf aber sehr glimpflich. Das beruhigt und gibt Hoffnung.

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation? Eher bedrohlich oder sind Sie noch relativ gelassen?

Ich bin noch relativ entspannt und versuche gerade, die guten Dinge in der Krise zu sehen. Ich kann zum ersten Mal so richtig entschleunigen und mich Zuhause um die Dinge kümmern, die ich Monate vor mich hingeschoben habe.

Kochen Sie? Treiben Sie Sport? Irgendetwas, was Sie jetzt in der Krise für sich entdeckt haben, was Sie sonst nicht tun würden? 

Ja! Ich probiere mich momentan als Hobbykoch. Das geht noch relativ oft in die Hose, aber ich steigere mich von Mal zu Mal. Der Kühlschrank ist prall gefühlt, was sonst nie der Fall war, da die Sachen immer schlecht wurden, weil ich so viel unterwegs war. In Corona-freien Zeiten hab ich mich sonst meistens von indischen und asiatischen Imbissen ernährt.

Streamen Sie Serien? Haben Sie einen Tipp, was man jetzt schauen könnte?

Bisher wurde mir noch nicht so langweilig, dass ich in den Serienmodus umschalten musste. Vor ein paar Monaten hab ich aber "When they see us" geguckt. Das sollte man gesehen haben.

Wie halten Sie Kontakt mit Freunden und Familie?

Glücklicherweise wohnt einer meiner besten Freunde nebenan. Ich muss also gar nicht das Haus verlassen um Kontakt zu einem Kumpel zu haben. Meine Familie wohnt am anderen Ende von Deutschland. Unser Kontakt bestand primär sowieso aus telefonieren. In normalen Zeiten, hätte ich meine Familie aber schon längst wieder besucht. Ich war jetzt leider seit Weihnachten nicht mehr da.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn das Ganze vorbei ist?

Ich freu mich am meisten darauf, dass man Menschen wieder nah sein darf. Das fehlt gerade total.