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Neil Diamond in Berlin: Herzschmerz statt Rammstein

Am Dienstagabend spielte Neil Diamond in der Berliner O2-World. Der 70-Jährige konnte mit seinem Auftritt nicht nur die Herzen seiner Fans erfreuen, sondern sogar einen Metallica-Fan von sich überzeugen.

Im normalen Leben steht Margarete auf die deutsche Metal-Band Rammstein. "Aber man ist ja flexibel", sagt sie und rutscht nervös auf ihrem Stuhl herum. Gleich müsste das Konzert in der Berliner O2-World beginnen. Neil Diamond ist am Dienstagabend zu Gast in der Hauptstadt und rund 7000 eher ältere Fans warten schon eine halbe Stunde ungeduldig auf die Pop-Legende.

Dann geht es endlich los. Nach einem kurzen Intro singt der 1941 in New York geborene Musiker "A Beautiful Noise" und bringt damit die Halle zum ersten Mal zum Kochen. Fast alle stehen auf, klatschen rhythmisch in die Hände und feiern ihr Idol. "Meine beiden Männer haben mir die Karte geschenkt", erklärt Margarete noch, bevor es zu laut wird. Eigentlich wollte sie mit ihrem Sohn zum Konzert gehen. "Aber der sagte nur: Mama, ich liebe Dich, aber auch das hat seine Grenzen".

Dabei geht es in den Liedern und Texten von Neil Diamond oft um Liebe und Herzschmerz. Der bereits 70-Jährige erzielte seine größten Erfolge mit Balladen wie "Sweet Caroline" oder "Hello Again", die er auch am Dienstagabend zum Besten gab. Der Entertainer unterstreicht seine Songs dabei gekonnt durch Gesten. Immer wieder landet seine Hand auf dem Herz, dann folgt eine kurze Verbeugung, und der Arm schwingt zur Seite.

Unter den Besuchern des ersten von vier Konzerten seiner Welt-Tournee in Deutschland sind auffallend viele Frauen im mittleren Alter. Vielleicht liegt das auch an den verhältnismäßig teuren Kartenpreisen ab 80 Euro. Doch irgendwann ist der Preis egal, die meisten Augen fangen an zu leuchten, auch Tränen sind zu sehen. Diamond berührt seine Fans noch immer mit seiner unverwechselbaren Stimme.

Nicht nur eigene Stücke gibt der ganz in schwarz gekleidete Neil Diamond zum Besten. Er schrieb auch viele Texte für andere Bands, unter anderem für die Monkeys ("Im a Believer"), Bill Withers ("Aint no Sunshine") oder die Reggae-Gruppe UB 40 ("Red Red Wine"). An diesem Abend hören seine Anhänger gleich zwei Versionen des Klassikers.

Nach rund eineinhalb Stunden nähert sich das begeistert gefeierte Konzert dann langsam seinem Ende. Noch einmal gibt die Band ihr bestes, Neil Diamond präsentiert in seiner einzigen Zugabe einen kurzen Ausflug in den Gospel. Dann winkt er noch einmal erschöpft seinen Fans zu und verschwindet im Backstage.

"Ich bin so glücklich. Das war ein Potpourri von Eindrücken", sagt Margarete mit glänzenden Augen und eilt mit dem Satz hinaus: "Sie wissen schon, Sonnenschein, Cabrio fahren im Wald und dann Neil Diamond hören. Da könnte ich heulen".

Diamond wird insgesamt vier Auftritte in Deutschland haben. Neben Berlin sind Konzerte in Mannheim (17. Juni), Oberhausen (20. Juni) und Hamburg (22. Juni) geplant. Der Grammy- und Golden-Globe-Gewinner ist seit mehr als 50 Jahren im Musikgeschäft. Er verkaufte mehr als 128 Millionen Alben weltweit.

hw/Stefan Engelbrecht, DPA / DPA