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Die NFL in Deutschland "So etwas habe ich noch nie gesehen": Mit nur einem Lied bringt München die Amerikaner zum Schwärmen

NFL-Fans in der Allianz Arena feiern während des Spiels zwischen Tampa Bay und Seattle
München feiert und liefert der NFL eine spektakuläre Show.
© Imago Images
Amerikanische Sportjournalisten, die sprachlos sind, gibt es eher selten. Was beim ersten NFL-Spiel in Deutschland von den Fans abgeliefert wurde, erstaunte aber die Moderatoren und brachte sie zum Schwärmen.

Es war die größte Party, die die Allianz Arena in München seit langem gesehen hat. Stundenlang feierten die 69.000 Besucher das erste NFL-Spiel in Deutschland. Als sich das Duell der Tampa Bay Buccaneers gegen die Seattle Seahawks dem Ende neigte, demonstrierten die deutschen Zuschauer, warum es auch zukünftig NFL-Spiele in Deutschland geben sollte und auch geben wird.

Zwei Minuten vor dem Ende, das Spiel wird dort prinzipiell für eine Werbepause unterbrochen, machte der Stadion-DJ etwas, was die ohnehin ausgelassene Stimmung eskalieren ließ. Er legte erst Neil Diamonds "Sweet Caroline" auf, um dem noch John Denvers "Country Roads" folgen zu lassen. Aus 69.000 Kehlen schallte jede einzelne Zeile durch das Stadion, selbst die Spieler waren sichtlich beeindruckt. "Als die Fans am Ende die beiden Lieder gesungen haben, das war ziemlich episch", sagte Quarterback-Legende Tom Brady nach dem Spiel. Pete Carroll, Trainer der Seahawks, stimmt in das Loblied mit ein. "Diese Fans waren außergewöhnlich. Es war ein Spektakel und unvergleichliches Erlebnis", so Carroll, der den Verdacht äußerte, dass die Sportfans in Deutschland das häufiger machen. "Es war wirklich ein unvergessliches Erlebnis und ich bin sehr glücklich, dass ich hier sein darf."

Nicht nur Brady und Carroll, sondern auch die mitgereisten Journalisten und Fans aus den USA schwärmten von der Atmosphäre im Stadion. Gregg Bell, Autor bei der aus Tacoma stammenden "News Tribune" zeigte sich beeindruckt von dem, was er in Deutschland erlebte. "Ich hatte das Glück, über viele große Events zu berichten. Vier Super Bowl, Olympische Spiele, die World Serie (das Finale der US-Baseball-Liga, Anm. der Redaktion), nationale Titelkämpfe – aber die Seahawks in München war heute anders als alles zuvor Gewesene. Eine unglaubliche Atmosphäre", fasste Bell den Tag in einem Tweet zusammen und forderte, dass München ein Team in der NFC West, der Divison, in der die Seahawks spielen, bekommen.

NFL in München: "Country Roads" aus 69.000 Kehlen

Selbst beim "NFL Network", dem hauseigenen Sender der Sportliga, zeigte man sich beeindruckt von dem, was sich auf den Rängen abspielte. "Wunderschön. Wunderschön. Das ist München. Sie singen John Denver und das ist einfach überragend. Das passiert hier wirklich, hören Sie sich das an", forderte Kommentator Rich Eisen die Zuschauer auf und stimmte dann mit seinem Co-Moderator Michael Irvin in den Gesang ein.

Feld-Reporterin Sara Walsh zeigte sich mindestens genauso beeindruckt. "Ich habe so etwas noch nie gesehen. Das Spiel ist kurz vor dem Ende und ist entschieden. Jeder Zuschauer aber blieb, stand und sang mit John Denver. Verrückt. Und fantastisch", schrieb Walsh und teilte dazu ein Video. Die Moderatorin war aber noch nicht fertig mit der Lobpreisung des Publikums, das nach dem Spiel nochmal richtig aufdrehte. "Das ist komplett verrückt. Das Spiel ist vorbei und es sind nicht nur alle Fans geblieben, sondern das ist die größte Karaoke überhaupt", sagte Walsh in einem Video auf Twitter, während ihre Kollegin Jamie Erdahl sich von der Masse anstecken ließ und in Journeys "Don’t stop believing" mit einstieg.

Bradley Shimel, Journalismus-Student an der University of Florida in Gainesville, erlebte das Spiel ebenfalls vor Ort. "Das Spiel bedeutete so viel mehr als Bucs gegen Seahawks. Hier wurde Geschichte geschrieben, so etwas habe ich noch nie gesehen", schrieb Shimel. Deutschland liebe American Football und er sei für immer dankbar, dass er das miterleben durfte.

Selbst die NFL gerät in Ekstase

Kein Wunder also, dass selbst der englischsprachige Twitter Account der NFL nicht drum herumkam, gleich mehrfach die deutschen Fans zu loben. "Das Spiel ist schon eine Weile vorbei und ihr seid noch immer da. Ihr seid die Besten", schrieb die NFL in einem Tweet. "Hört euch die Zuschauer an. Was für ein Spiel in Deutschland", "Das Spiel ist seit zehn Minuten vorbei, aber die Fans sind noch immer da und singen einfach weiter", in anderen. Und auch wenig verwunderlich, dass sich der Superstar höchstpersönlich nochmal auf Twitter meldete. "Was für eine Atmosphäre. Danke Deutschland", schrieb Brady, noch ehe der Flieger zurück nach Florida startete. Die Euphorie über die Stimmung schwappte auch auf andere Twitter-Nutzer über. Amerikanische Accounts forderten, dass es zukünftig sogar mehr Spiele in Europa geben sollte.

Unwahrscheinlich ist das nicht. Es hält sich weiterhin hartnäckig das Gerücht, dass es neben dem bereits feststehenden Spiel in Frankfurt im kommenden Jahr einen erneuten Auftritt in München geben wird. In London, wo die NFL seit 2007 jährlich gastiert, wurden zuletzt drei Partien ausgetragen. Hoffnung dürfte es auch durch eine Bemerkung von NFL-Chef Roger Goodell geben. Bei einer Veranstaltung am Samstag erklärte er, dass die NFL mindestens bis 2025 in Deutschland spielen werde und dass es bis dann mindestens vier Spiele geben wird. Die NFL ist offen für eine Zugabe, das deutsche Publikum hätte sich diese nach dem Auftritt am Sonntag redlich verdient.

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